US-Alignerhersteller

SmileDirectClub eröffnet erste Filialen in Deutschland

Seit Ende Februar weist die Website von SmileDirectClub zwei deutsche Standorte aus. Nun sind sie eröffnet. Kunden müssen online 3-D-Scans buchen und dann die Adresse recherchieren. Ein Praxisschild? Gibt es nicht.

Zwei Standorte – in Hamburg und Berlin – wurden Ende dieser Woche in Deutschland eröffnet, viele weitere sollen folgen. Zumindest hat das Unternehmen allein in dem Sozialen Netzwerk „Linkedin“ 227 Stellen für Filialen in München, Köln, Düsseldorf, Karlsruhe, Osnabrück, Saarbrücken, Freiburg, Münster, Nürnberg, Heidelberg, Erfurt, Würzburg, Duisburg, Magdeburg, Bremen, Aachen, Essen, Dortmund, Mannheim, Braunschweig, Bonn, Leipzig, Altstadt (Sachsen), Hannover, Dortmund, Stuttgart, Essen und Frankfurt am Main ausgeschrieben. Weitere Auskünfte sind nicht zu bekommen.

Aktuell gebe man keine Informationen heraus, sagt eine Sprecherin am Telefon. Interviewfragen beantwortet sie dann doch – per E-Mail.

Interview

"Wir sind der Meinung, dass uns die Kritik nicht trifft."

zm: Wie viele Scanplätze hat der Smileshop in Berlin? Wie viele der Shop in Hamburg?

SmileDirectClub: Jeder SmileDirectClub SmileShop hat einen anderen Aufbau, je nach Markt und genauem Standort.

Wie viele Zahnärzte/Kieferorthopäden beschäftigt SmileDirectClub am Standort Berlin? Wie viele am Standort Hamburg?

Es sind genügend Zahnärzte oder Kieferorthopäden anwesend, um jeden einzelnen Kunden individuell zu bedienen.

Sie suchten zuletzt auch Personal für die Städte München, Köln und Düsseldorf. Für wann sind die Eröffnungen dieser Filialen geplant?

Wir evaluieren Städte in ganz Deutschland und machen derzeit keine Angaben zu den genauen Standorten oder Startterminen.

Zwischenzeitlich war online auch ein zweiter Standort in Berlin (Unter den Linden) angegeben. Jetzt taucht dieser nicht mehr auf. Woran liegt das?

Wir haben unseren SmileShop am Potsdamer Platz, Linkstr. 2.

Sind die Zahnärzte/Kieferorthopäden bei der SmileDirectClub DEU GmbH angestellt?

SmileDirectClub stellt sicher, dass zahnärztliche Leistungen ausschließlich von Zahnärzten oder Kieferorthopäden oder unter deren Aufsicht durch befugte Fachkräfte erbracht werden.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt die SmileDirectClub DEU GmbH aktuell insgesamt?

Als börsennotiertes Unternehmen geben wir keine Aufschlüsselung der Mitarbeiter nach Ländern. SmileDirectClub hat 6.3000 Teammitglieder rund um den Globus, auch in Deutschland.

Warum ist der SmileShop in Berlin in einem Bürogebäude und nicht in einem Ladenlokal untergebracht?

Wir suchen unsere Lokalitäten nach der Geeignetheit für die Smile-Behandlung aus. Das können gerne alternative Locations sein – vorausgesetzt eine korrekte zahnärztliche Betreuung ist dort möglich.

Gilt dasselbe für den Shop in Hamburg?

Ja, der ist in den Räumen der Servcorp, Hohe Bleichen 12, untergebracht.

Ist in Deutschland auch die Durchführung von Scans in Zahnarztpraxen/ein Vertrieb Ihres Produkts über niedergelassene Zahnärzte/Kieferorthopäden geplant?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Fragen zur zukünftigen Geschäftsstrategie in Deutschland derzeit nicht beantworten können. SmileDirectClub richtet sich nach der Nachfrage und den Möglichkeiten für das Smile-Angebot, wir sind flexibel.

Welche Zielzahlen (Kunden) für 2020 hat sich das Unternehmen gesetzt?

Wir expandieren weltweit – nicht nur in Deutschland – und wir werden in weiteren deutschen Städten Smile-Shops eröffnen.

Unternehmen, die Aligner-Behandlungen übers Internet in Deutschland anbieten, ernteten zuletzt scharfe Kritik und unterlagen zum Teil vor Gericht. Was unterscheidet das Geschäftsmodell von SmileDirectClub von Mitbewerbern wie PlusDental, DrSmile oder SmileMeUp?

Uns unterscheidet die Qualität – wir legen großen Wert auf zahnärztliche Betreuung. Wir sind der Meinung, dass uns die Kritik nicht trifft. Das gilt auch für die Urteile, die übrigens nur die freie Meinungsäußerung durch Kritik erlauben. Die vielfältigen Vorbehalte wurden – soweit überhaupt auf SDC anwendbar - gerichtlich bisher jedoch nicht bestätigt. Es ist leider so, dass neue Geschäftsmodelle nicht immer nur positiv aufgenommen werden, insbesondere in Deutschland.

SmileDirectClub verkauft seine Produkte jetzt also auch in Deutschland – und wirbt nun also auch hier offensiv um Kunden. Der SmileShop „ist der erste Schritt zu einem Traum-Lächeln“, lautet eine Werbebotschaft. Dort treffen Kunden neben dem „SmileGuide, einem examinierten zahnmedizinischen Fachangestellten, auch einen approbierten und in Deutschland zugelassenen Zahnarzt oder Kieferorthopäden“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Dieser beurteilt, ob eine Aligner-Behandlung mit SmileDirectClub die Zahnfehlstellung korrigieren kann.“

"Tschüss, Wartezimmer!"

Im Laufe der Behandlung sollen die Kunden dann alle 90 Tage Fotos von ihren Zähnen aufnehmen und diese zur Kontrolle an „ihren SmileDirectClub-Zahnarzt“ schicken. Das Versprechen: „Du musst nur einmal hingehen, und auch nur für 30 Minuten. Tschüss, Wartezimmer!“

Kunden, die keine Lust auf Wartezimmer haben, aber auch keinen Standort in ihrer Nähe finden, bleibt immer noch die Möglichkeit, sich ein Abdruckset per Post nach Hause zu bestellen. Die Frage bleibt, warum SmileDirectClub an dieser in Deutschland zuletzt stark kritisierten Geschäftspraxis festhält.

Kommentar

Mehr Fragen als Antworten

„Mach dein Traum-Lächeln in nur 4 bis 6 Monaten wahr: mit unseren transparenten Zahnschienen und Zahnschienen für die Nacht. Nur von SmileDirectClub.“ Der Werbeslogan des US-Aligneranbieters, der nach eigenen Angaben schon 750.000 Kunden erfolgreich behandelt hat, klingt vollmundig. Gegenüber der Presse hingegen gibt man sich wortkarg.

Offensichtlich wünscht sich SmileDirectClub (SDC), auf dem deutschen Markt noch einen Moment lang unbemerkt zu agieren. Dafür spricht, dass kein Firmenschild auf das Angebot hinweist, von dem strittig ist, ob es als zahnmedizinische Leistung zu bewerten ist. „Die Kunden finden uns ja auch so – über das Internet“, heißt es auf Nachfrage lapidar.

Sieht man sich die Stellenausschreibungen an, plant das Unternehmen gut 30 Standorte in Deutschland. Komisch, dass ein Unternehmen dieser Größe offline einen unprofessionelleren Auftritt hinlegt als online.

Eine belastbare Erklärung, was das eigene Geschäftsmodell von dem der scharf kritisierten Mitbewerber PlusDental, DrSmile oder SmileMeUp unterscheidet, bleibt SDC vorerst schuldig. Der Aussage, dass „die Qualität“ das Unterscheidungsmerkmal ist, würden die Mitbewerber sicher vehement widersprechen. Außerdem haben die Amerikaner vor dem Markteintritt offenbar nicht gut recherchiert. Denn von den drei deutschen Start-ups, die das Geschäftsmodell 2018 nach Deutschland holten (zm-online berichtete), versendet heute nur noch eines – das mit Anstand kleinste der drei – Abdrucksets per Post, so wie es auch SmileDirectClub in Deutschland plant. Die überragende Qualität der Behandlung darf also vorsichtig angezweifelt werden – lege artis ist es sicher nicht, von Kunden selbst angefertigte Abdrücke zur Grundlage einer kieferorthopädischen Behandlung zu machen.

Stutzig macht außerdem die Mitteilung, deutsche Kunden könnten von den Erfahrungen des SDC „aus mehr als einer Million erfolgreicher telezahnmedizinischer Behandlungen“ profitieren. Eine Million? Moment mal: Noch Mitte Februar hatte das Unternehmen offiziell die Zahl von 750.000 Behandlungsfällen kommuniziert. Gut, vielleicht wird die Zahl ja nur in Viertelmillion-Schritten aktualisiert.

Den letzten eigenen Angaben zufolge arbeiten 250 Zahnärzte für das Unternehmen. Wer gut im Kopfrechnen ist, dem geht auf, dass bei diesem Betreuungsschlüssel für die ersten bis zu 4.000 Behandlungsfälle in Deutschland ein Kollege genügt. Ob der in Hamburg oder Berlin sitzt oder pendelt, bleibt offen. Vielleicht klärt es sich beim nächsten Besuch des Berliner SmileShops, in den SDC jetzt die zm eingeladen hat. „Dann können Sie sich selbst ein umfassendes Bild unserer Leistungen machen“, heißt es, „und vielleicht finden wir ja auch noch ein paar Antworten auf Ihre Fragen.“

Marius Gießmann

Am 25. Februar stellte das börsennotierte Unternehmen seinen Abschlussbericht für 2019 vor. Danach hat SmileDirectClub im vergangenen Jahr weltweit rund 453.000 Aligner online verkauft. 2018 waren es knapp 258.000 Stück.

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