Französische Forensiker bestätigen Identifikation

Zähne beweisen: Hitler ist tot

Geflüchtet per U-Boot nach Japan oder in die Antarktis - laut Verschwörungstheorikern überlebte Adolf Hitler das Kriegsende. Eine neue Untersuchung seiner Zähne widerlegt den Unsinn - wirft aber Fragen auf.

Diese zu Lebzeiten aufgenommene Röntgenaufnahme von Adolf Hitler liegt in der U.S. National Library of Medicine und diente den Wissenschaftlern als Grundlage für die Zuordnung der Zahnreste. Public Domain

Der französische Rechtsmediziner Philippe Charlier und vier weitere Wissenschaftler sind sich sicher: Hitler ist tot, er starb 1945 höchstwahrscheinlich durch eine Vergiftung mit Cyanid oder einen Kopfschuss. So beschreiben sie es in ihrem jetzt erschienenen Paper "The remains of Adolf Hitler: A biomedical analysis and definitive identification" im European Journal of Internal Medicine.

Damit widerlegt die französische Untersuchung der Zahnreste Hitlers - die dritte überhaupt von nicht-russischen Wissenschaftlern - kursierende Verschwörungstheorien zum vermeintlichen Überleben des Diktators. Nicht nur Mitteilungen offizieller Stellen leisteten jenen nach Kriegsende Vorschub, auch dass die sterblichen Überreste durch den Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation FSB verwahrt werden, trug dazu bei.

„Er ist nicht in einem U-Boot nach Argentinien geflohen, er ist nicht in einem versteckten Stützpunkt in der Antarktis oder auf der Schattenseite des Mondes“, sagt der Franzose Philippe Charlier.| Youtube - France 1

Der Erste, der den Fall Hitler aus kriminalistischer Sicht untersuchen durfte, war der Kölner Kriminal-Biologe Dr. Mark Benecke. Im November 2001 flog er nach Moskau, um ein Schädelfragment sowie Zahnreste und Prothesenteile zu untersuchen. Sein Urteil: An der Echtheit der Zähne gibt es keinen Zweifel. "Anhand von alten Röntgenaufnahmen konnte ich die Zähne eindeutig Hitler zuordnen", sagte er damals der Presse.

Auf den Röntgenbildern sei die ausgefallene Brücke Hitlers leicht zu erkennen. Spuren von Gift oder Glassplittern einer Gift-Ampulle fand Benecke damals an Hitlers Gebiss aber nicht. Aus Beneckes Sicht der Beleg, dass Hitler kein Gift genommen habe, um sich umzubringen.

Diese nach Kriegsende angefertigte Zeichnung von Hitlers Zahnarzt Hugo Johannes Blaschke zeigt den Zahnstatus seines wichtigsten Patienten. Er stimmte fast exakt mit dem Befund von Nikolai Krajewskij, dem Chefpathologe der 1. Weißrussischen Front, überein - der am 5. Mai 1945 die Leiche Hitlers obduzierte.| Public Domain

Schwieriger waren die Untersuchungen des verkohlte Schädelfragments, das in einer Plastikbox für Computerdisketten aufbewahrt wurde. Dabei handelte es sich um ein Stück der oberen Schädeldecke, in dessen Mitte ein großes Loch klaffte. Anhand der Kraterbildung hielt Benecke dieses Loch für das Austrittsloch eines Projektils.

Auch die Analyse der Blutspuren auf den Sofaresten, auf dem Adolf Hitler und seine Frau Eva Selbstmord begangen haben sollen, stützte die Kopf-Schuss-Theorie. Benecke simulierte die Flugkurven einzelner Blutstropfen, um zu klären, in welchem Winkel sie aus der Wunde ausgetreten waren. Am Ende war für ihn klar: Der Selbstmörder muss sich in den Mund geschossen haben.

"Der Einzige, der dort Handschuhe trug, war ich!"

Acht Jahre später der Dämpfer: Als der US-amerikanische Anthropologe Nick Bellantoni mit Kollegen 2009 das Schädelfragment für eine TV-Dokumentation wieder analysierte, fand der Staatsarchäologe des US-Bundesstaates Connecticut heraus, dass der vermeintliche Schädel Hitlers eindeutig einer Frau zuzuordnen sei. Das zeigten demnach eindeutig DNA-Reste, die er aus dem Stück gewinnen konnte. Doch auch an diesem Ergebnis bleiben Zweifel: Benecke berichtete von einem extrem laxen Umgang mit dem Beweismaterial in dem russischen Archiv, wonach nach mehr als 60 Jahren Aufbewahrung eine Verunreinigung mit den DNA-Spuren anderer Personen immerhin möglich ist. Benecke beschrieb seinen Besuch so: "Der Einzige, der dort Handschuhe trug, war ich."

Der "Indiana Jones der Friedhöfe"

Offizielle Stellen in Moskau reagierten prompt auf Bellantonis Veröffentlichung: Wahlweise wurde behauptet, einem Wissenschaftler dieses Namens nie Zugang zum Archiv gewährt zuhaben, ein anderes Mal hieß es dann, niemand habe behauptet, dass es sich bei dem Schädelfragment um Hitlers Knochenreste gehandelt habe.

Nick Bellantoni ist Staatsarchäologe des US-Bundesstaates Connecticut. In seiner DNA-Untersuchung ordnete er das erst 1946 gefundene und im Jahr 2000 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellte Schädelfragment einer Frau zwischen 20 und 40 Jahren zu. | Youtube - UConn

Charlier, der schon zahlreiche Überreste prominenter Despoten analysiert hat und den Spitznamen "Indiana Jones der Friedhöfe" trägt, konnte die Zahnreste nun noch einmal mittels Abgleich mit den Röntgenbildern eindeutig Adolf Hitler zuordnen und bestätigt ein seit 1946 bekanntes Indiz für die Vergiftungstheorie. So fanden der Wissenschaftler und sein Team bläuliche Ablagerungen - die auch schon Krajewskij beschrieb, der zudem Glassplitter im Mund der Leiche erwähnte.

Diese nun bestätigten Verfärbungen könnten Ergebnis einer Reaktion des Metalls der Prothese mit Cyanid – etwa Kaliumcyanid (Zyankali) - sein, argumentieren Charlier und sein Team. Pulverspuren fanden die Wissenschaftler an den Zahnresten indes nicht. Falls sich Hitler also zusätzlich - wie verschiedentlich behauptet wird - zur Einnahme des Giftes selbst erschossen haben könnte, müsse der Schuss offenbar nicht in den Mund, sondern in die Stirn oder den Nacken abgegeben worden sein.

"Wenn Hitler noch lebt, dann ohne Kiefer."

Fest steht nach der neuesten Untersuchung in jedem Fall: Hitler ist tot. Oder wie der für markige Äußerungen bekannte Benecke schon sagte: "Wenn Hitler noch lebt, dann ohne Kiefer."

Benecke Mark, Hitler's Skull and Teeth, Annals of Improbable Research 9(2):9-10, DOI: 10.3142/107951403782226201, https://www.researchgate.net/publication/251011951_Hitler%27s_Skull_and_Teeth

Charlier et al., The remains of Adolf Hitler: A biomedical analysis and definitive identification,             doi.org/10.1016/j.ejim.2018.05.014

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