Mit Zahnärzte ohne Grenzen in die Mongolei

Zum Hilfseinsatz ins Geburtsland

Für Jargalmaa Kleister sind es die letzten Semesterferien: "Ich fahre mit Zahnärzte ohne Grenzen in die Mongolei - und kehre damit nach 20 Jahren erstmals zurück in mein Geburtsland!"

Durch eine Oberärztin an unserer Klinik, die selbst bereits an Hilfseinsätzen teilnahm, erfuhr ich, dass die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen/ Dentists Without Limits Foundation neben Ländern wie Namibia, Kapverden, Indien auch die Mongolei mit humanitären Einsätzen unterstützt. Ich kontaktierte ungefähr ein halbes Jahr bevor der Einsatz im Juli 2017 losgehen sollte das DWLF- Personalbüro und erfuhr, dass Zahnärzte mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung sowie zahnmedizinische Fachangestellte gesucht werden.

Schon im Vorfeld wurden die durchaus nicht einfachen Bedingungen in der ländlichen Mongolei mehr als deutlich dargelegt. Für mich als Studentin war klar, dass ich den Einsatz als zahnärztliche Assistenz begleite. Kost und Logis wird durch die Organisation getragen, Flüge für alle Teilnehmer möglichst günstig gebucht, müssen aber selbst finanziert werden.

Die wichtigsten Gebrauchsmaterialien sind vor Ort vorhanden, jedoch weist DWLF darauf hin, dass die Teilnehmer auch selbst Behandlungsmaterialien durch Spendenakquise sammeln sollten. Darum möchte ich mich an dieser Stelle herzlich beim Verein zur Förderung der Zahnerhaltung e.V., dem Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Greifswald sowie den Dentalfirmen Komet Dental, Ivoclar Vivadent und LOSER Dental bedanken, die meinen Einsatz durch großzügige Materialspenden unterstützt haben.

Mit im Einsatz: der deutsche Botschafter

Insgesamt nahmen 42 deutsche Helfer zusammen mit 13 mongolischen Zahnärzten und 12 Dolmetschern in elf Einsatzteams am Großeinsatz vom 18. Juli bis zum 29. August 2017 teil. Ein Einsatzteam besteht aus vier Mitgliedern: zwei Zahnärzten/innen und zwei Zahnarzthelfer/innen. Unser Einsatzgebiet war der Tuv Aimag, wobei ein Aimag in etwa einem Bundesland in Deutschland entspricht. Er ist flächenmäßig größer als Bayern und befindet sich etwas mehr als 40 Kilometer südlich der mongolischen Hauptstadt Ulan-Ba­tor.

Eingesetzt wurden die Kräfte in 20 Sums, ein Sum ist in etwa ein deutscher Landkreis. Neben den Teams waren mehr als 500 Personen beteiligt, darunter mongolische Abgeordnete, der deutsche Botschafter, die Gesundheitsministerin der Mongolei, Chefärzte, Bürgermeister, Behördenleiter und Mitarbeiter der Krankenhäuser.

In der Jurte steht manchmal ein großer Flachbildschirm

Die erste Woche verbrachten wir in einem Krankenhaus in dem etwa 1.000 Einwohner umfassenden Sum Bayanjargalan, das fern von asphaltierten Straßen in einem Tal gelegen ist. Eine ruhige Gemeinde, in der sich das traditionell nomadische mit dem modernen Leben kreuzt. Die Bewohner leben in Jurten, holen sich Wasser aus dem nächstgelegenen Fluss, reiten Pferde, treiben ihr Vieh. Allerdings hat der eine oder andere einen großen Flachbildschirm in seiner Jurte stehen, und eingekauft wird in einem Art Kiosk mit Artikeln aus dem Westen. Die Regale sind neben Haushaltswaren, Alkoholika und minimaler Gemüseauswahl mit aller Art von Süßigkeiten und Softdrinks gefüllt.

Einige Patienten kommen mit dem Pferd

Die Information, dass deutsche Zahnärzte da sind, hat eine große Runde gemacht. Am ersten Tag allein kamen bereits 250 Patienten aus allen Richtungen mit dem Auto, Moped oder Pferd vorbei. Da einer der Zahnärzte aus unserem Team bereits das zweite Mal in der Mongolei mit DWLF dabei war, konnten wir von seinen Erfahrungen profitieren und vergaben Nummernzettel an die Patienten, sodass wir etwa 60 bis 70 Patienten am Tag behandeln konnten, schließlich mussten die Kräfte ja auch bis zum Ende der Einsätze halten. Um 9 Uhr fing es pünktlich an und der Feierabend variierte zwischen 17 und 18 Uhr.

Da Cola und Gummibärchen bis in den kleinsten Winkel der Mongolei Einzug erhalten haben, aber die Aufklärung, was diese kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittel verursachen, fehlt, mussten wir größtenteils hoffnungslos zerstörte Zähne extrahieren, besonders bedauernswert bei den Kleinsten, denen bereits die Milchzähne tief kariös zerstört waren. Aber wir konnten auch Füllungstherapien und ein paar Fissurenversiegelungen bei den jungen Patienten durchführen.

Wie purer Luxus: fließend Wasser und eine Toilette

Die Aufklärungsarbeit über Zuckerkonsum und regelmäßiges Zähneputzen bei einzelnen Patienten fühlte sich sehr ungenügend an. Lieber wäre ich in eine Schule oder in einen Kindergarten gegangen und hätte den Kindern dort erklärt, worauf sie bei ihrer Ernährung achten sollen, so wie dies bei uns in Deutschland umgesetzt wird. Zukünftig ist das Sinnvollste, hier an der Prävention zu arbeiten.

Die zweite Woche verbrachten wir in einem moderneren und größerem Sum namens Bayan. Im Krankenhaus gibt es sanitäre Anlagen, damit also fließendes Wasser und eine saubere Toilette, was nach einer Woche im Fluss baden und Außentoilette wie purer Luxus wirkte. Von den Behandlungen her gibt es auch hier überwiegend Extraktionen und Füllungen.

Abende mit Trachtentanz, Bogenschießen und Ringen

Nach einem Behandlungstag bekamen wir einen Eindruck von der mongolischen Kultur durch Ausflüge in Natur und Museen, aber vor allem durch private Einladungen zu Nomadenfamilien, Gesangs- und Tanzabende. Auf einer großen Familienfeier von mehreren hundert Verwandten konnten wir sogar beim traditionellem Volksfest "Naadam" mit Pferderennen, Bogenschießen und Ringen dabei sein. Mitten in der Steppe wurden dafür mehrere große Jurten aufgestellt und in jeder befanden sich Familienklans, die sich und auch uns mit reichlich Essen und Alkohol empfingen. Alle waren sie bunt in ihren schönsten Trachten, den sogenannten Deels, gekleidet.

Kinder ab dem vierten Lebensjahr galoppierten bereits auf ihren Pferden um uns herum und beeindruckten uns mit dieser selbstverständlichen Bindung zwischen Tier und Mensch. Durch solche Festlichkeiten war es den Nomaden überhaupt erst möglich, Kontakte aufleben zu lassen oder potenzielle Ehepartner kennenzulernen. Uns wurde durch solche Gelegenheiten ein unverfälschter Einblick fernab der Tourismusbranche ermöglicht, was ich am Reisen das Spannendste finde. In der letzten Woche machten wir dann Ausflüge in verschiedene schöne Regionen, darunter auch einen Besuch in die Hauptstadt Ulan-Ba­tor.

Eine aufregende, aber auch kräftezehrende Zeit!

In den insgesamt neun Behandlungstagen kam unser Team auf 550 Check-ups, 370 Extraktionen, 360 Füllungen, 70 Fissurenversiegelungen und 40 Zahnsteinentfernungen. Es war eine aufregende, aber auch kräftezehrende Zeit in der Mongolei, aber wer auf Abenteuer und den „Nicht-ganz-normalen-Urlaub“ steht, lege ich eine Zusammenarbeit mit Organisationsgruppen wie Zahnärzte ohne Grenzen sehr ans Herz! Es lohnt sich.

Gerade für mich war es prägend, meine Wurzeln und Muttersprache nach so langer Zeit neu zu entdecken und auch als angehende Zahnärztin selbst durch mein Wirken etwas Positives beitragen zu können. Hier ist mir bewusst geworden, dass jeder von uns durch seine Fähigkeiten etwas geben kann und dies tausendfach durch dankbare Gesten und unbezahlbare Momente zurückbekommt. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Hilfseinsatz.

Jargalmaa Kleister studiert im neunten Semester Zahnmedizin an der Universität Greifswald.

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