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Apotheke 2030

Apotheker planen nach Auskunft des Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA), Friedemann Schmidt, mehr Kundenorientierung - und eine Vergütungsreform, um diese Beratung abrechnen zu können.

Geht es nach den Wünschen der ABDA, sollen Apotheker künftig ausgiebige Beratungen nach einer Gebührentabelle gesondert abrechnen können. Die Kasse halten von dieser Idee gar nichts, die Beratungsleistung der Apotheker sei bereits heute eingepreist. diego-cervo_Fotolia.com

So könnten Apotheker beispielsweise einmal im Monat in ihren Räumen darüber informieren, wie die vom Arzt verschriebenen Medikamente wirken, erklärte Schmidt, der Zeitung " Die Welt" und verwies auf ein am Mittwoch von dem Verband beschlossenes Strategiepapier, das eine Neuausrichtung für die knapp 20.700 Apotheken bis zum Jahr 2030 vorsieht. „Apotheke 2030“, lautet der Titel des achtseitigen Zukunftsentwurfs.

Onlinehandel, der Rückgang der Zahl der Apotheken, stark schwankende Betriebsergebnisse, die Misere der Landapotheker - all das habe für Unmut gesorgt und für Verunsicherung, sagte Schmidt dem Blatt. „Die Verunsicherung führte dazu, dass viele Apotheker auf ein breites Angebot mit bunter Warenwelt gesetzt haben.“

Der Hausapotheker rechnet ab

So seien viele Apotheken zu einer Art „Gesundheitskaufhaus“ geworden. Aber nun wolle man umsteuern. „Wir wollen nicht einfach Vertriebsstrang für Gesundheitsprodukte sein“, sagt Schmidt. Stattdessen wolle man dem Patienten anbieten, "sich dauerhaft an seinen Apotheker zu binden, in etwa so wie an einen Arzt“, erklärt der ABDA in der "Welt" weiter Die Neuausrichtung sei gerade für chronisch Kranke interessant.

Für den Kurswechsel verlangen die Apotheker auch eine Reform ihrer Vergütung. "Neben der bisherigen Grundvergütung, die sich an der abgegebenen Packung orientiert, brauchen wir eine zweite Vergütungssäule", sagte Schmidt der "Welt". Nötig sei dazu eine Gebührentabelle ähnlich wie bei Ärzten, über die dann neue Leistungen wie die Patientengespräche abgerechnet werden könnten.

Kassen und Ärzte lehnen die Pläne ab

Auf die Zukunftspläne der Apotheker, künftig auch Einfluss auf die Medikation der Patienten nehmen zu können, reagieren die Ärzte naturgemäß zurückhaltend. Beide Seiten arbeiteten vor Ort bereits gut zusammen, sagt KBV-Chef Andreas Gassen der Zeitung. „Klar ist aber auch, dass die Grenzen zu den Kernkompetenzen des jeweils anderen nicht aufgeweicht werden sollten.“

Die Krankenkassen wiesen diese Forderung umgehend zurück. "Zu den Kernaufgaben eines Apothekers gehört die gute Beratung der Patienten, und dafür werden sie bereits heute gut bezahlt", sagte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbands. 

Bisher erhalten Apotheker pro abgegebene Packung eines verschreibungspflichtigen Fertigarzneimittels 8,51 Euro, von denen sie 16 Cent an einen Finanzfonds zur Vergütung von Nacht- und Notdiensten abführen. Zusätzlich bekommen sie für jede Packung drei Prozent des Apothekeneinkaufspreises, sie müssen aber an die gesetzlichen Krankenkassen einen Rabatt von derzeit 1,80 Euro zahlen.