Gesundheitsfachberufe sollen reformiert werden

Bundesregierung kündigt Gesamtkonzept an

Die Anzahl von Studierenden in den Gesundheitsfachberufen ist gestiegen und die Ausbildungen in diesem Bereich sollen neu geordnet werden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Geplant ist ein Gesamtkonzept in Abstimmung mit den Ländern.

Auch in der Physiotherpie ist die Zahl der Studenten in der hochschulischen Ausbildung gestiegen und die Zahl der schulischen Absolventen gesunken. Adobe Business_Physiotherapie

In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ (Bundestags-Drucksache 19/10279) unterstrich die Bundesregierung insgesamt die gestiegene Bedeutung der Heilmittelversorgung. Zuwächse gab es bei der Akademisierung der Berufe: Die Entwicklung der Anzahl der Studierenden in den hochschulischen Ausbildungen der Heilmittelberufe Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Podologie ist seit 2010 um knapp das Dreifache gestiegen. Waren es insgesamt 2010/11 bundesweit noch 4.360 Studierende, so stieg die Zahl in 2017/18 auf 11.164.

Hintergrund: Anfragen der Linken

Die Fraktion Die Linke stellt ihre Anfrage vor dem Hintergrund der Diskussion um den Fachkräftemangel. Als Gründe für den Fachkräftemangel kommen laut Anfrage der Linken unterschiedliche Faktoren infrage. Zu betrachten ist ihrer Auffassung nach besonders die Entwicklung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler sowie der Studierenden in den Heilmittelberufen. Das hohe Schulgeld von bis zu 20 000 Euro stellt nach Ansicht der Fragesteller eine Barriere, insbesondere auch für junge Menschen aus Haushalten mit niedrigem Einkommen, dar.

Die Linken verweisen auf den Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. Dort wird angekündigt, das Schulgeld für die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen abzuschaffen. Die hohen Kosten für das Schulgeld seien für Menschen ohne Vermögen oder reiches Elternhaus kaum aufzubringen, sagen die Linken. Es ist laut Ansicht der Fragesteller nachvollziehbar, wenn Menschen, die vorhaben, eine Ausbildung im Bereich der Heilmittelberufe zu beginnen, damit bis zur Umsetzung der angekündigten Schulgeldfreiheit warten. Damit droht jedoch nach Ansicht der Fragesteller eine Verschärfung des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels.

Auch für die Schulabsolventen legte die Bundesregierung Zahlen vor – getrennt nach Fachbereichen. Die Zahlen sind gesunken. So betrug die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in der Physiotherapie 2017/18 21.220 (2010/11: 23.139). In der Podologie waren es 2017/18 1.149 (2010/11: 1.337), in der Ergotherapie 2017/18 insgesamt 9.176 (2010/11: 9.715), in der Logopädie 2017/18 3.237 (2010/11: 3.648).

Gesamtkonzept zu Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen im Koalitionsvertrag

Die Bundesregierung verweist auf den Koalitionsvertrag. Dieser sieht vor, ein Gesamtkonzept zur Neuordnung und Stärkung der Ausbildungen der Gesundheitsfachberufe zu entwickeln. Die Regierung kündigt jetzt an, dass das Bundesgesundheitsministerium jetzt federführend die Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen in Abstimmung mit den Ländern neu ordnen und stärken wird und dafür ein Gesamtkonzept erarbeiten wird. Dazu gehören auch das Thema Schulgeldfreiheit und damit einhergehende Finanzierungsfragen. Bis Ende 2019 sind Eckpunkte als Basis für die dafür notwendige gesetzliche Änderung geplant.

Bisherige Maßnahmen

Um der gestiegenen Bedeutung der Heilmittelversorgung Rechnung zu tragen und die Tätigkeit im Bereich der Heilmittelversorgung auch finanziell attraktiver zu machen, hat der Gesetzgeber nach Angaben der Bundesregierung bereits in der 18. Legislaturperiode Maßnahmen im Rahmen des Gesetzes zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VSG) vom 16. Juli 2015 sowie im Rahmen des Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) vom 4. April 2017 beschlossen. Zudem wurden Verbesserungen in der Heilmittelversorgung in der 19. Legislaturperiode im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) angestoßen.

Einige Länder haben in Sachen Schulgeld schon Maßnahmen eingeleitet.

  • In Nordrhein-Westfalen werden rückwirkend zum 1. September 2018 70 Prozent des konkret erhobenen Schulgeldes von Schulen, die nicht unter das Krankenhausfinanzierungsgesetz fallen, finanziert.
  • In Schleswig-Holstein wurde zum 1. Januar 2019 Schulgeldfreiheit für die Berufe Ergotherapie, Logopädie und in der Physiotherapie eingeführt.
  • In Bayern erhalten die Berufsfachschulen, die für eine Ausbildung in einem von neun Gesundheitsberufen (Diätassistenz, Ergotherapie, Logopädie, Massage und medizinischer Bademeister, Medizinisch-technische Assistenz (Radiologie und Labor), Orthoptik, Pharmazeutisch-technische Assistenz, Physiotherapie und Podologie) von ihren Schülerinnen und Schülern kein Schulgeld mehr verlangen, ab dem Schulhalbjahr 2018/2019 (1. März 2019) einen klassenbezogenen Zuschuss, den so genannten Gesundheitsbonus.
  • Die niedersächsische Landesregierung hat eine Förderrichtlinie auf den Weg gebracht, um die Schulgeldfreiheit zum 1. August 2019 zu erreichen. Die Richtlinie soll bis Juli 2019 veröffentlicht werden und wird den Schulen die derzeit erhobenen Schulgelder in voller Höhe erstatten.

Bereits 2017 hatte die Gesundheitsministerkonferenz in Bremen einstimmig beschlossen, dass eine Reform der therapeutischen Gesundheitsfachberufe „zwingend“ erforderlich sei. Beschlossen wurde, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzurichten, um „einen Aktionsplan für eine bedarfsorientierte Ausbildung in den Gesundheitsberufen sowie eine Neustrukturierung der Aufgaben- und Kompetenzprofile zu erstellen“. Unter anderen wurden dazu als wichtige Themengebiete die Revision der Berufsgesetze sowie die Ausbildungsstruktur und die Finanzierung genannt. Die Gesundheitsministerkonferenz sieht die Novellierung insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen und will damit „neue Anreize“ für die Gesundheitsberufe schaffen.

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