Leserbrief zur Titelgeschichte Arztbewertungsportale

"Die Zerstörung der Fairness und des Kollegialitätsprinzips"

Das spezifische Problem einer kombinierten Werbe- und Bewertungsplattform wie jameda ist nicht die üble Nachrede, die wegen der Anonymität zu einem Problem werden kann, denn das gilt für alle einfachen Bewertungsportale, sondern der unlautere Wettbewerb.

zm-mg

Leserbrief zum Beitrag „Die Bewertungen bei jameda sind echt“, zm 18/2017, S. 30

Aus diesem Grund geht die Presse- und Marketing-Managerin, Kathrin Kirchler, mit keinem Wort auf einen von mir geschilderten Sachverhalt ein. Bei Nicht-Kunden von jameda, die sich dem Portal nicht entziehen dürfen, werden Vergleichspraxen in der Regel gleicher Fachrichtung aufgeführt, inklusive Kilometerabstand, die alle von zahlenden jameda-Kunden betrieben werden. Bei diesen wird eine solche Vergleichsliste nicht aufgeführt. Überzeugen Sie sich davon anhand Ihres eigenen jameda-Profils. Selbst wenn die Bewertungen nicht manipuliert würden, wäre allein das ein Fall unlauteren Wettbewerbs und sollte von unseren Kammern juristisch auf das entsprechende Gesetz hin (UWG) überprüft werden.

jameda ist offensichtlich in erster Linie kein Bewertungsportal, sondern ein Portal, das Patienten von Nichtkunden für jameda-Kunden abwirbt. Natürlich verkauft man keine günstigen Bewertungen. Die Manipulation ist viel subtiler. Die Kriterien zur Veröffentlichung schlechter Bewertungen sind schwammig, denn Begriffe wie „Beleidigung“ oder „Schmähung“ sind interpretierbar, dehnbar. Bei Kunden legt man offensichtlich strengere Kriterien zur Publikation schlechter Bewertungen an, so dass diese gar nicht erst an die Öffentlichkeit gelangen oder zum Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen werden. Nur so lässt es sich erklären, weshalb es fast keinen jameda-Kunden mit schlechten Bewertungsdurchschnitten gibt, aber viele Nicht-Kunden.

Das lässt sich einfach überprüfen. Man gebe bei Google eine beliebige Stadt und den Begriff „jameda“ ein. Die dort aufgelisteten Ärzte und Zahnärzte kann man nach Noten sortieren. Am Ende dieser Liste findet man die Kollegen mit schlechten Bewertungsdurchschnitten. Suchen Sie bei diesen bitte nach jameda-Kunden. Mir ist das nicht gelungen, vielleicht gibt es Ausnahmen, Alibis. Der Rest ist ein rein statistisches Phänomen zu Gunsten jamedas. Je nach öffentlicher Kritik, zieht man die Daumenschrauben fester an oder lässt sie lockerer. Mit Begriffen wie „Datamining“, „Algorithmen“, „Qualitätsprüfung“ lenkt jameda nur von seinem Geschäftsmodell unlauteren Wettbewerbs ab – im Sinne angeblicher Fortschrittlichkeit und Modernität.

Wer eine unzutreffende Bewertung in seinem Profil kommentieren möchte, den zwingt jameda zur Registrierung. Derjenige, der sich auf diese Weise angemeldet hat, den reklamiert jameda automatisch als registrierten Kunden, und erweckt damit den falschen Eindruck einer umfassenden Akzeptanz des Portals mit 275.000 Ärzten/Zahnärzten. Frau Kirchlers Behauptung, die Bewertungen seien echt, lässt sich schnell widerlegen. Geben Sie einem beliebigen Arzt, den Sie nicht kennen, eine gute jameda-Bewertung und Sie werden vom Gegenteil überzeugt.

Sicher werden die meisten Ärzte und Zahnärzte nicht Kunde bei dieser Firma, um ihre Kollegen zu übervorteilen, sondern in vielen Fällen vermutlich eher aus Verzweiflung, weil sie andernfalls mit schlechten Bewertungs-Durchschnitten und einer Rufschädigung nicht fertig werden. Bedauerlicherweise läuft diese individuelle, einfache Lösung, durch „Schutzgeld-Zahlungen“ von schlechten Bewertungsdurchschnitten verschont zu werden, auf eine zunehmende Korrumpierung der Ärzte-/Zahnärzteschaft hinaus und ist meines Erachtens standeswidrig.

Besser wäre ein juristisches Vorgehen gegen jameda zusammen mit Ärzte- und Zahnärztekammern, um versteckten, unlauteren Wettbewerb zu verhindern. Auch das Antikorruptionsgesetz sollte entsprechend ergänzt werden. Bewertungsportale sind gut, Kritik ist gut, führen zu Sensibilisierung und Verbesserung der Praxisqualität, solange die Spielregeln für alle gleich sind. Ein kombiniertes Werbe- und Bewertungs-Portal, ein Zweiklassen-Portal mit zahlender Kundschaft und nicht zahlenden Zwangsteilnehmern wie jameda, zerstört dieses Konzept und verdreht es in sein Gegenteil, zerstört Fairness und Kollegialitätsprinzip.

Wollen wir das wirklich tolerieren?

Dr. Peter Gorenflos,
Berlin

Das sagen die Kollegen. In jeder Printausgabe der zm finden Sie ein Leserforum, das wir auf dieser Themenseite sukzessive veröffentlichen.

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