Leserbrief zur Titelgeschichte Arztbewertungsportale

"Ein Blick von außen ..."

Wolfgang Heinze
Nachrichten
Zufällig liest Patient Wolfgang Heinze davon, dass Ärzte bei jameda Kunde werden und so bessere Bewertungen erzielen können - und fühlt sich an zweifelhafte Praktiken im Schauspielgewerbe erinnert.

Leserbrief zum Artikel„Ein Bewertungs-Portal darf kein Werbe-Portal sein“, zm 18/2017, S. 28.

Mehr zufällig lese ich im Wartezimmer meines Zahnarztes über den Disput zwischen Ärzten/Zahnärzten und dem Bewertungsportal jameda in dem dort ausliegenden Heft der zm. Was mir bislang nicht bekannt war, ist, dass Ärzte bei jameda mit abgestuften Beiträgen Kunde werden können und dass solche Kunden im Durchschnitt, wie auf Seite 28 berichtet, nachweislich bessere Bewertungen erzielen. Mich befremdet diese Tatsache sehr, weil damit Äußerungen über Qualität und Kompetenz der bewerteten Mediziner im weitesten Sinne als manipuliert betrachtet werden müssen.

Wenn quasi unter der Tarnung von Objektivität Patientenerfahrungen mit Ärzten von jameda gesteuert werden zu Gunsten von Ärzten, die sich mit Mitgliedsbeiträgen „nach oben“ kaufen können, dann erinnert dies an das Bonmot von Schauspielerinnen, die sich „nach oben schlafen“. Einen Vergleich mit mafiösen Strukturen, wo Schutzgeldzahlungen üblich sind, damit Zerstörungen des Betriebs möglichst nachhaltig abgewendet werden, versage ich mir hier, weil ich dies in Deutschland bislang nur in kriminellen Milieus erwartet hatte. Dass hier ein Fall von Wettbewerbsverzerrung vorliegt, das ist nach meiner Meinung durchaus gegeben und wer da mitmacht, handelt meiner Meinung nach zumindest standeswidrig.

Wolfgang Heinze,Regierungsdirektor a. D., Berlin

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