Reichspogromnacht vor 80 Jahren

Gedenken an verfolgte jüdische Ärzte

An die verfolgten jüdischen Ärzte und alle NS-Opfer erinnert seit gestern eine Gedenktafel vor den Gebäuden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin. Sie wurde im Beisein des stellvertretenden Parlamentspräsidenten der israelischen Knesset, Yehiel Bar, des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn und weiterer Politiker bei einer Gedenkfeier enthüllt.

Die am Sitz von BÄK und KBV verlegte Gedenktafel für die von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen Ärzte und alle anderen Opfer des NS-Regimes. Lopata/axentis.de

Vor 80 Jahren, am 30. September 1938, wurde jüdischen Ärzten im NS-Staat die Approbation entzogen. Der Entrechtung folgte die Vertreibung und oft auch die Ermordung in Vernichtungslagern. Die KBV und die BÄK haben gestern an die verfolgten jüdischen Ärzte und an alle Opfer des NS-Regimes erinnert und dazu eine Gedenktafel auf dem Herbert-Lewin-Platz in Berlin-Charlottenburg verlegen lassen.

Gassen: Mahnung und Auftrag zugleich

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen erinnerte an die Verbrechen gegen jüdische und politisch andersdenkende Ärzte im Nationalsozialismus. "Was vor 80 Jahren geschah, ist uns Mahnung und Auftrag zugleich", betonte er am Vorabend des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht. Ärztliches Handeln und ärztlicher Ethos hätten während der NS-Zeit "entsetzlich versagt".

Gassen warnte vor einem Erstarken von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. "Wir werden Intoleranz und Ausgrenzung nicht dulden und Hass und Gewalt entschieden entgegentreten", sagte er. "Das ist unsere Verantwortung als Ärzte sowie als Bürger dieses Landes."

Zu den Gästen der Gedenkveranstaltung gehörten die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau (Die Linke), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Präsident des Weltärztebundes, Prof. Leonid Eidelman, der Präsident der Israeli Medical Association, Prof. Zion Hagay, sowie zahlreiche Vertreter der jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Yehiel Bar, dem stellvertretenden Parlamentspräsidenten der israelischen Knesset (Awoda/Arbeitspartei) | Lopata/axentis.de

Montgomery: Wir werden wachsam sein

BÄK-Präsident Prof. Frank-Ulrich Montgomery betonte, dass der Gedanke an die dunkelste Zeit der deutschen Ärzteschaft schmerze, aber wichtig sei. Denn Gedanken und Gedenken hielten die Erinnerung an das Geschehene wach. "Sie halten uns wachsam, Unrecht und Unmenschlichkeit nicht einmal im Ansatz zuzulassen." An die israelischen Gäste gewandt sagte Montgomery: "Wir werden wachsam sein, seien Sie versichert – gerade in Zeiten wie diesen."

Gedenktafel auf dem Herbert-Lewin-Platz

Die Gedenktafel aus Messing trägt die Aufschrift "Die Vergangenheit ist uns Verpflichtung für die Zukunft. Gegen Antisemitismus und Ausgrenzung. In Erinnerung an unsere jüdischen Kolleginnen und Kollegen und alle Opfer des menschenverachtenden NS-Regimes." Sie wurde auf dem Platz vor den Gebäuden der KBV und der BÄK eingelassen, der seit 2004 nach dem jüdischen Arzt Prof. Herbert Lewin benannt ist.

Erst kürzlich hatte die KBV ein von ihr initiiertes Forschungsprojekt "KBV übernimmt Verantwortung" gestartet, das die Rolle der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD) bei der Vertreibung jüdischer Kollegen im Nationalsozialismus systematisch aufarbeiten wird.

Herbert Lewin

Sitz von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ist der Herbert-Lewin-Platz 1 im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Namensgeber war als Jude von den Nazis verfolgt und in mehreren KZs zum Dienst als Häftlingsarzt gezwungen worden. Seine Frau Alice starb im Konzentrationslager. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Lewin wieder als Arzt. Von 1963 bis 1969 hatte er das Amt des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden inne.

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