Medizin

Gesichtsrekonstruktion eines Siebenjährigen

Das Team der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Uniklinikums Würzburg operiert regelmäßig entstellte Kinder aus Krisengebieten - auch den siebenjährigen Abdukodir aus Kirgisistan, der durch einen Unfall einen Teil seines Gesichts verlor.

Vorher: Abdukodir hatte zu Beginn dieses Jahres in seiner Heimat Kirgisistan einen schweren Verkehrsunfall. Dabei erlitt der Siebenjährige nicht nur Knochenbrüche an den Gliedmaßen und ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, sondern verlor auch ein Auge und praktisch eine Gesichtshälfte. Als Therapie deckten die örtlichen Ärzte die Verletzung mit aus dem Oberschenkel des Jungen gewonnener Spalthaut ab. „Das Ergebnis war aus unserer Sicht nicht nur ästhetisch vollkommen inakzeptabel: Der Wundbereich nässte, das Kind konnte den Mund nicht vollständig schließen und nicht richtig essen. So konnte es auf Dauer nicht weiterleben“, berichtet Prof. Alexander Kübler. Klaus Nowarra / Uniklinikum Würzburg

Acht Wochen danach: Bei der von Kübler und seinem Team durchgeführten Operation wurden zunächst das bestehende Narbengewebe und das Spalthaut-Transplantat entfernt. Die Experten mobilisierten die Weichteile des noch vorhandenen Gesichtsgewebes, so dass sie wieder an die natürlich vorgesehenen Positionen wandern konnten. Dann entnahmen sie einseitig ein etwa handtellergroßes Stück aus dem Latissimusmuskel am Rücken des Jungen. Dieses aus Muskelgewebe, Haut, Fett und Blutgefäßen bestehende Transplantat wurde im Gesicht eingesetzt und mikrochirurgisch an die Halsschlagader angeschlossen. Kübler: „Bei einem Siebenjährigen haben die entsprechenden Gefäße einen Außendurchmesser von weniger als einem Millimeter. Diese feinen Leitungen mussten so angenäht werden, dass das Blut ungehindert durch sie hindurch zirkulieren kann.“ Klaus Nowarra / Uniklinikum Würzburg
Der leitende Arzt Prof. Alexander Kübler und kirgisische Patient drei Tage nach der OP.„Bei einem weiteren Termin in den kommenden Wochen werden wir noch einige Feinkorrekturen durchführen, bevor der Junge voraussichtlich im März 2017 mit dem nächsten Friedensdorf-Sammelflug zurück nach Kirgisistan zu seiner Familie gebracht wird“, erzählt Kübler. Klaus Nowarra / Uniklinikum Würzburg

Als medizinische Partner der Bene Maxilla-Stiftung behandelten Prof. Alexander Kübler, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, und sein Team in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 22 Kinder aus Ländern wie Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan, Pakistan, Tansania und Angola.

„Die jungen Patienten litten meist unter Verknöcherungen des Kiefergelenks nach Kieferbrüchen oder breiten Gesichtsspalten, die weit umfangreicher sind, als die sonst üblichen Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Hinzu kamen Rekonstruktionseingriffe wie jüngst bei Abdukodir“, berichtet der Klinikdirektor.

Fälle wie diese kommen in Europa so gut wie nie vor

Fälle wie diese kommen in Europa so gut wie nie vor - zum einen wegen der besseren Diagnosemöglichkeiten, zum anderen wegen der rechtzeitigen Verfügbarkeit effizienter Therapien. „Deshalb gibt es bei diesen jungen Patienten oft kein Standardvorgehen, so dass sich nebenbei aus den Benefiz-Operationen oft auch ein Lerneffekt für unser Ärzte- und Pflegeteam ableiten lässt“, ergänzt Kübler.


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Im vorliegendem Beispielfall erlitt der Patient ein komplexes Mittelgesichtstrauma. Dieses wurde notfallmäßig primärrekonstruiert. Der Primärversorgung nachgeordnet erfolgte im weiteren Verlauf eine kombiniert kieferchirurgisch/kieferorthopädische Behandlung der bereits vor dem Unfall gegebenenfalls weniger ausgeprägt bestehenden Angle Klasse II/1. Dies diente der funktionellästhetischen Wieder herstellung der stomatognathen Funktionen, gefolgt von der Rekonstruktion der Nase und der Weichteilsituation.

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„Leider mangelt es hier oftmals an einer entsprechenden Finanzierung der am Klinikum durchaus vorhandenen Therapiemöglichkeiten. Umso glücklicher sind wir an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, dass wir mit der Bene Maxilla-Stiftung einen verlässlichen ‚Geldgeber’ haben, mit dem wir fest planen können. Hinzukommt, dass die Eheleute Leusser Beträge, die manchmal über das eigentliche Jahresbudget hinausgehen, zusätzlich großzügig aus der eigenen Tasche erstatten“, erklärt Kübler.

Finanziert wurde der Eingriff von der Würzburger Bene Maxilla-Stiftung, die sich seit fünf Jahren für bedürftige Kinder aus der Dritten Welt mit angeborenen Fehlstellungen oder schweren Erkrankungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich einsetzt. Hinter 2011 ins Leben gerufenen Stiftung stehen Edelgard und Max J. Bieniussa Leusser. Die Vermittlungsarbeit läuft in der Regel über den Verein Friedensdorf International. Um noch viel mehr Kindern wie Abdukodir helfen zu können, benötigt die Bene Maxilla-Stiftung Spenden.

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