Umfrage

Jung, offen und urban

Für die junge Ärztegeneration kommt eine Niederlassung genauso in Frage wie eine Tätigkeit in der Klinik. Dies ergab eine Umfrage der Universität Trier unter 11.462 Medizinstudierenden.

Chef oder angestellt? Diese Entscheidung hält sich bei jungen Ärzten die Waage. apops-Fotolia.com

In der Umfrage, die zum zweiten Mal seit 2010 durchgeführt wurde, gab etwa die Hälfte der Studierenden an, generell in der ambulanten Versorgung arbeiten zu wollen. Dabei halten sich die Präferenzen für eine angestellte Tätigkeit mit der Niederlassung als Freiberufler die Waage.

Generell legt sich die neue Generation aber nicht fest: Für etwa drei Viertel der Befragten ist es auch gut vorstellbar, später in einer Klinik zu arbeiten.

Herausforderung und Chance zugleich

„Diese Werte sind eine Herausforderung für die ambulante Medizin, aber auch eine Chance“, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gasse. „Wir dürfen jetzt in unseren Bemühungen nicht nachlassen, die Attraktivität des Arztberufes in der ambulanten Versorgung zu stärken. Mit der Kampagne ‚Lass Dich nieder‘ gehen wir genau in diese Richtung.“

Image einiger Arztgruppen sinkt - bei den Medizinstudenten

Auffallend ist, dass das Image einiger grundversorgender Facharztgruppen wie Urologie, Dermatologie und Augenheilkunde bei den Studierenden eher kritisch ausgefallen ist. Befragt wurde nach der Einschätzung der jeweiligen Facharztrichtung in der Bevölkerung, bei Kommilitonen sowie bei praktizierenden Medizinern.

Eher gemischt fiel das Bild für die hausärztliche Tätigkeit aus. Während das Ansehen in der Bevölkerung im Vergleich zu anderen Fachrichtungen vergleichsweise hoch eingeschätzt wurde, fiel dies für die Gruppen Kommilitonen und praktizierende Mediziner deutlich kritischer aus.

Auf keinen Fall auf dem Land versauern

Der allgemeine Bevölkerungstrend einer Urbanisierung gilt auch für Medizinstudenten. Sie zieht es eindeutig in die Großstädte. Über 46 Prozent der Befragten wollen später „auf keinen Fall“ in Orten mit weniger als 2.000 Einwohnern arbeiten.

Deutlich zeigen die Ergebnisse aber auch, dass die sogenannten weichen Faktoren eine immer stärkere Rolle bei der Wahl für ein Fachgebiet einnehmen. Punkte wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit wurden von den Studenten sehr häufig benannt.

Ärztemangel: keine leere Drohung

„Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass der drohende Ärztemangel eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft darstellt“, erklärte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann. „Das flache Land ist für die Studierenden von heute nicht interessant. Deshalb müssen wir die Attraktivität des Landarztes noch mehr stärken. Doch das kann keine Aufgabe der Ärzteschaft allein sein. Hier sind auch die Kommunen und die Politik gefragt.“

"Dass sich gleichwohl die Bereitschaft für eine Berufsausübung auf dem Land innerhalb von vier Jahren deutlich verbessert hat, ist ein sehr erfreulicher Befund. Bemerkenswert ist dabei, dass es für das berufliche Profil der Befragten am wichtigsten ist, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu sein. Auch auf dem Land kommt damit der universitären Vernetzung eine wachsende Bedeutung zu“, erklärte der Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages, Dr. Volker Hildebrandt.

Rahmenbedingungen sind entscheidend

Christian Kraef von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, führte aus: „Die Ergebnisse der Befragung zeigen klar, dass die Medizinstudierenden vielseitig interessiert sind. Sie sehen durchaus die ambulante und vor allem die hausärztliche Niederlassung als Option an. Ausschlaggebend für eine Entscheidung sind letztlich allerdings die Rahmenbedingungen bei der Aus- und Weiterbildung sowie bei der Arbeit.“