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Klares Nein zur Normierung von Behandlungsprozessen

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF sieht keine Qualitätsverbesserungen medizinischer Leistungen durch europäische Normen.

Die AWMF spricht sich nachdrücklich gegen eine Normierung von Behandlungsprozessen durch das Europäische Komitee für Normung (CEN) aus. Das erklärt sie in ihrer jüngsten Stellungnahme anlässlich der Europawahl. In den Gremien der BZÄK wird das Thema Normierung mit gleichem Tenor diskutiert.

Als Hauptgründe gegen Normen führt die AWMF folgende Punkte auf:

  1. Widerspruch zum Patientenrecht auf eine individuell angemessene Versorgung
  2. Ungeprüfte Transferierbarkeit von Normen nach Deutschland
  3. Mangelnde Methodik und fehlende Überprüfbarkeit der Entwicklung des Verfahrens

Qualitätsentwicklung soll durch Leitlinien erfolgen

Die AWMF sieht generell keine Qualitätsverbesserung medizinischer Leistungen durch Normierungsvorhaben. Die Fachgesellschaften setzen sich entschieden dafür ein, dass die Qualitätsentwicklung der medizinischen Versorgung auch zukünftig auf aktuelle, systematisch entwickelte, wissenschaftliche medizinische Leitlinien als Entscheidungshilfen für die Betreuung individueller Patienten gestützt wird. Die inhaltlichen und kompetenzrechtlichen Grundlagen der ärztlichen Berufsausübung in den einzelnen Fachgebieten in Deutschland sollten auf höchstem Niveau gewahrt bleiben.

Die AWMF will der Standardisierung von Berufsausübungsregelungen auf europäischer Ebene durch das CEN entgegenwirken. Bewährte Regelungsmechanismen der ärztlichen Berufsausübung sollten gegen überflüssige und interessengesteuerte Einflüsse verteidigt und gemeinsam mit den zuständigen Kammern weiterentwickelt werden.