Medizin

Kritik an neuem Nürnberger Medizinstudiengang

Erfüllt ein neuer Medizinstudiengang in Nürnberg nicht die wissenschaftlichen Anforderungen? An deutschen Unis regt sich Protest. Der Anbieter - eine österreichische Privatuni - kann die Aufregung nicht verstehen.

Gegen einen neuen Medizinstudiengang einer österreichischen Privatuniversität in Nürnberg regt sich Widerstand an deutschen Hochschulen. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Salzburg will von Sommer an in Bayerns zweitgrößter Stadt einen gebührenpflichtigen Studiengang Humanmedizin anbieten. 

Österreichisches Diplom made in Nürnberg

Etwa 50 Studenten sollen dabei in fünf Jahren einen medizinischen Diplomabschluss nach österreichischem Recht erhalten. Die Studiengebühr beträgt 13.500 Euro pro Studienjahr, es gibt keinen Numerus clausus, sondern ein Aufnahmeverfahren. Unterrichtet werden die Studenten von Ärzten des Klinikums Nürnberg und der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm. 

Definitionssache

"Wir lehnen den PMU-Studiengang in Nürnberg rundweg ab", sagte Volker Hildebrandt, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentags, der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag). Hauptkritikpunkt ist, dass das städtische Klinikum Nürnberg kein Uni-Klinikum ist. Die ärztliche Grundausbildung müsse "an einer Universität oder unter Aufsicht einer Universität" stattfinden. Das sei in diesem Falle nicht gegeben. 

Dagegen wehrte sich PMU-Sprecher Gottfried Stienen entschieden: "Natürlich ist das gegeben. Wir sind eine Universität", sagte er der dpa. Durch das europäische Grundrecht der Niederlassungsfreiheit kann eine private Hochschule innerhalb der EU auch in anderen Mitgliedsstaaten Ausbildungsstandorte eröffnen. Damit werde auch kein deutsches Recht umgangen, wie Hildebrandt kritisiert hatte. 

Die Uni als Wiege der Forschung

Der Dekan der medizinischen Fakultät an der Universität Erlangen-Nürnberg, Jürgen Schüttler, hatte in der Zeitung zudem kritisiert: "Dreh- und Angelpunkt der Ärzteausbildung in Deutschland ist, dass sie forschungsbasiert ist, dass die Studenten ganz nah am wissenschaftlichen Fortschritt ausgebildet werden." Das könnten nur Unikliniken mit ihrer Grundlagenforschung leisten. 

Auch hier widersprach Stienen. "Wir haben die Lehrstühle öffentlich ausgeschrieben und wir betreiben ein eigenes Forschungszentrum mit sechs Instituten für Grundlagenforschung. Wir sind hier stark und gut aufgestellt." Zudem habe die PMU eine Kooperation mit der US-amerikanischen Mayo Clinic. Trotz der hohen Praxisorientierung des Studiengangs werde die Wissenschaftlichkeit als sehr wichtig angesehen. 

"Doktor" allein geht nicht

Die Absolventen dürfen den Grad "Dr. med. univ." auch in Deutschland führen, allein "Dr." dürfen sie sich nicht nennen. "Damit können unsere Absolventen sofort europaweit ins Berufsleben einsteigen", sagte Stienen. Die etwa 260 Absolventen aus den bisher sechs Jahrgängen arbeiteten "auf der ganzen Welt", etwa in Harvard, an der Berliner Charité, im Großraum München, in der Schweiz, in Italien und natürlich auch in Österreich. 

Das bayerische Wissenschaftsministerium hat nach EU-Recht keine Einflussmöglichkeit auf den Studiengang oder den Abschluss. Studiengang und Prüfungen erfolgten nach österreichischem Recht. Das Nachbarland habe auch die Aufsicht über die Erfüllung der Qualitätsstandards.

Bayern darf nur formal prüfen

"Die Gleichwertigkeit der Studieninhalte und Abschlüsse mit an bayerischen staatlichen Hochschulen durchgeführten Studiengängen und verliehenen Abschlüssen wird deshalb nicht überprüft", teilte ein Sprecher mit. Bayern prüfe lediglich formal, ob die Hochschule im Sitzland staatlich anerkannt sei und ob die in Bayern angebotenen Studiengänge von dieser Anerkennung umfasst seien. Dieser Bescheid für die PMU sei "in Vorbereitung" und werde in nächster Zeit ergehen.