Meinung

"Lebenschancen darf man sich nicht erkaufen können"

Eine erste Konvention des Europarats im Kampf gegen den Organhandel könnte schon im nächsten Jahr in Kraft treten. Drei Fragen an den Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz: Eugen Brysch. picture alliance

Was müsste sich in Deutschland ändern? 

Eugen Brysch: Die Transplantationszentren müssten ihre Ärzte in die Verantwortung nehmen. Deshalb brauchen wir einen verbindlichen Verhaltenskodex für deutsche Mediziner, die nebenbei auch im Ausland Organe verpflanzen. Das muss Teil des Arbeitsvertrags werden. Die Bundesärztekammer ist aufgefordert, für einen verbindlichen Vorschlag zu sorgen. 

Gibt es Verbindungen zum internationalen Organhandel, die auch nach Deutschland reichen? 

Das Ausmaß des Organhandels ist nicht wirklich bekannt. Klar ist aber, dass sich europaweit Organvermittler in einer Grauzone tummeln, die auch vor Deutschland nicht Halt macht. Bei den Organspendenskandalen in Göttingen und Regensburg spielten auch Auslandskontakte eine Rolle. 

In nicht wenigen Fällen verkaufen die Menschen aus purer Not eine Niere. 

Gerade in Krisengebieten wie jetzt in Syrien floriert der Organhandel wieder. Aber das ändert nichts daran, dass deutsche Mediziner sich nicht im "Nebenberuf" an diesem unethischen Geschäft beteiligen dürfen. Es bleibt dabei: Lebenschancen darf man sich nicht erkaufen können.

Das Interview führte Matthias Röder, dpa.