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Nicht jeder Vorwurf ist ein Behandlungsfehler

Knapp 15.000 Patienten haben im vorigen Jahr wegen des Verdachts auf einen Behandlungsfehler Hilfe bei den Krankenkassen gesucht. In 4.064 Fällen und damit in jedem vierten Fall bestätigten die Gutachter den Verdacht der Patienten. Das geht aus der Jahresstatistik der Behandlungsfehler-Begutachtung hervor.

14.828 Behandlungsfehlervorwürfe haben die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) im vorigen Jahr begutachtet. Davon wurden 4.065 Fälle von Gutachtern der Verdacht der Patienten bestätigt. zm-dg

Die Frage „Liegt ein Behandlungsfehler vor und hat der Patient einen Schaden erlitten?“ bejahten die ärztlichen Gutachter der MDK in mehr als jedem vierten Gutachten (27,3 Prozent) - also in 4.064 Fällen. In jedem fünften Fall (21,3 Prozent) stellten die Gutachter fest, dass der Behandlungsfehler auch die Ursache für den Schaden war - dies trifft auf 3.156 Fälle zu. In der aktuellen Statistik standen 7.693 Fälle (51,9 Prozent aller Vorwürfe) in direktem Zusammenhang mit der Behandlung im Operationssaal. MDK
Die Verteilung der Vorwürfe auf Fachgebiete ergab folgendes Bild: 32 Prozent aller Vorwürfe bezogen sich auf Orthopädie und Unfallchirurgie, 11 Prozent auf die Innere Medizin und Allgemeinmedizin, weitere 11 Prozent auf die Allgemeinchirurgie, 7 Prozent auf die Frauenheilkunde und 5 Prozent auf die Pflege. Etwa 9 Prozent, das entspricht 1.349 Vorwürfen, entfallen auf die Zahnmedizin. 451 Fälle bei zahnmedizinischen Behandlungen wurden von Gutachtern bestätigt. MDK
Die Datenlage zu Behandlungsfehlern sei unzureichend und intransparent: „Die Anzahl der Behandlungsfehler, die gemacht werden, ist nicht bekannt. Mangels einer systematischen Erfassung ist unklar, wie viele Behandlungsfehler in Kliniken, Arztpraxen, bei Haftpflichtversicherungen, Rechtsanwälten oder Gerichten bekannt werden. Unklar ist auch, wie viele Behandlungsfehler gar nicht aufgedeckt und daher in keiner Statistik erfasst werden“, verdeutlichte Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes (MDS) (li.). zm-dg
Aufgrund der Differenz zwischen vorgeworfenen und tatsächlich bestätigten Fehlern mahnte Prof. Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin Sozialmedizin - MDK Bayern (li.): „Eine hohe Zahl an Vorwürfen lässt nicht auf eine hohe Zahl an tatsächlichen Behandlungsfehlern schließen. Die Zahl spiegelt vielmehr wider, wie Patienten Behandlungen erleben und wie unterschiedlich sie auf ein Ergebnis reagieren, das nicht ihren Erwartungen entspricht.“ „51 Prozent der Fehler wurden verursacht, indem eine notwendige medizinische Maßnahme entweder gar nicht oder zu spät durchgeführt wurde. In 49 Prozent der Fehler wurde eine Behandlung mangelhaft umgesetzt oder es wurde eine wenig sinnvolle, zum Teil sogar kontraindizierte Maßnahme vorgenommen“, sagte PD Dr. Max Skorning, Leiter Patientensicherheit beim MDS. Deshalb fordert er eine verpflichtende Erfassung von seltenen, aber eben besonders folgenschweren Ereignissen, sogenannten Never Events. zm-dg

Die Zahl der gutachterlich festgestellten Fehler ist im Vergleich zum Jahr 2014 erneut leicht angestiegen. 2015 gingen die Gutachter in 14.828 Fällen einem Behandlungsfehlervorwurf nach - im Vorjahr waren es noch 14.663 Fälle. Dabei ging es um medizinische und zahnmedizinische Behandlungen sowie um Kranken- und Altenpflege. Die Frage: „Liegt ein Behandlungsfehler vor und hat der Patient einen Schaden erlitten?“ bejahten die ärztlichen Gutachter des Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in mehr als jedem vierten Gutachten (27,3 Prozent) - also in 4.064 Fällen.

"Qualitätsförderung funktioniert in der Zahnmedizin zuverlässig!"

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung des Behandlungsfehlerreports mit folgenden Worten: „Zahnärzte zählen mit zu den am häufigsten konsultierten Facharztgruppen. Unsere Qualitätsförderung funktioniert zuverlässig und gewährleistet in Praxen und Kliniken ein hohes Maß an Sicherheit für die Patienten. Dies können auch die MDK-Zahlen letztlich nicht infrage stellen. Denn den Zahlen des MDK stehen immerhin etwa 90 Millionen Behandlungsfälle pro Jahr bei gesetzlich Versicherten gegenüber.“

Unabhängig von den im MDK-Report ausgewiesenen Behandlungsfehlern arbeitet die Zahnärzteschaft an einer weiteren Verbesserung der Behandlungsqualität. „Mit dem Berichts- und Lernsystems CIRS dent - Jeder Zahn zählt! lebt der zahnärztliche Berufsstand eine positive Fehlerkultur: wenn schon unerwünschte Ereignisse passieren, sollen zumindest die Kollegen die Chance haben, daraus zu lernen“, erklärte Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer.


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