GKV-Spitzenverband, KBV und BMG einigen sich

Standards für die digitale Patientenakte

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), GKV-Spitzenverband und Bundesgesundheitsministerium (BMG) haben sich auf ein Grundkonzept für die elektronische Patientenakte (ePA) geeinigt. Die ePA soll spätestens 2021 allen Versicherten zur Verfügung stehen.

KBV, GKV-Spitzenverband und BMG haben sich bei der ePA auf "gemeinsame digitale Standards" geeinigt. angellodeco_Adobe Stock

Wie das Handelsblatt am Sonntag berichtete, einigten sich Ärzte, Kassen und Ministerium auf "gemeinsame digitale Standards". "Ein Zurück ohne Gesichtsverlust gibt es nicht", erklärte AOK-Chef Martin Litsch der Wirtschaftszeitung. Dr. Doris Pfeiffer, Chefin des GKV-Spitzenverbands wird zitiert, dass Ärzte und Kassen "gemeinsam an dem weiteren Auf- und Ausbau des sicheren Gesundheitsnetzes und seiner Anwendungen arbeiten".

KBV-Pressesprecher Dr. Roland Stahl bestätigte den zm am Montagmorgen die Einigung. Die Pressestelle der Kassenärzteschaft gibt ihr Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel dazu wie folgt wieder: "Uns ist es wichtig, dass wir uns auf eine klare Aufgabenteilung verständigt haben. Wir definieren den technischen Standard für die zu übertragenden medizinischen Daten. Die gematik bestimmt die technischen Sicherheitsstandards, und die Krankenkassen bieten die elektronischen Patientenakten an. Es ist wichtig, dass nun alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen und es in die gleiche Richtung geht."

 

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Stephan Hofmeister, referierte bei der Vorstellung der digitalen Gesundheitsakte "Vivy" über die bisher in SGB und BGB vorgesehenen Aktenkonzepte (Berlin, 5. Juni 2018) | zm_br

Einheitliche Schnittstellen, Standards und Bedienoberflächen sind die Voraussetzung

Der KZBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Eßer zur Digitalisierung

"Im Zusammenhang mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) wird auch die elektronische Patientenakte diskutiert, die die Koalition bis 2021 einführen will. Dabei muss sichergestellt sein, dass jeder Patient lediglich über eine Akte verfügt. Integration, Bedienung sowie Aktualisierung parallel genutzter Akten wäre deutlich aufwendiger und für Patienten und Praxen nicht vermittelbar.

Voraussetzung für eine Patientenakte, die auf breite Akzeptanz stößt und unnötige Bürokratie beseitigt, ist die Definition einheitlicher Schnittstellen, Standards und Bedienoberflächen für den Datenaustausch. Dies erfordert auch die Abstimmung mit Herstellern zahnärztlicher Informationssysteme. Der Selbstverwaltung muss es dabei möglich sein, Standards und Formate sowohl für die vertragszahnärztliche als auch für die sektorenübergreifende Versorgung verpflichtend vorzugeben.

"Qua Gesetz sollte ein Zugriff von Kassen auf die Inhalte der Akte technisch ausgeschlossen werden!"

Wir begrüßen ausdrücklich, dass mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) im Zuge der Zusammenlegung von elektronischer Patientenakte und elektronischem Patientenfach das Zwei-Schlüssel-Prinzip entfallen soll. Dies vereinfacht den Zugang der Versicherten zu ihren Behandlungs- und Gesundheitsdaten erheblich und stärkt die Patientensouveränität.

Allerdings sollte qua Gesetz ein Zugriff von Kassen auf die Inhalte der Akte technisch ausgeschlossen werden. Ansonsten ist zu befürchten, dass Kostenträger über die Ausgestaltung elektronischer Akten Einfluss auf das Verhalten der Versicherten nehmen könnten, etwa hinsichtlich der freien Zahnarztwahl.

Im Zusammenhang mit der Patientenakte wird ein zentraler Anspruch der Zahnärzteschaft an digitale Strukturen deutlich: Datenschutz und Datensicherheit müssen ohne Abstriche jederzeit gewährleistet und die informationelle Selbstbestimmung des Patienten gewahrt sein. Dies gilt besonders im Zusammenhang mit so genannten „Big Data“-Verarbeitungen.

Die Nutzung sensibler Daten, etwa zu Zwecken der Versorgungsforschung, kann durchaus zur Versorgungsverbesserung beitragen. Sie darf jedoch nur mit expliziter, vorhergehender Zustimmung der Patienten erfolgen. Das vollumfänglich geschützte Vertrauensverhältnis zwischen Zahnarzt und Patient ist von elementarer Bedeutung und darf niemals zur Disposition gestellt werden!

"Der Austausch sensibler Daten zwischen Zahnärzten, Ärzten und Kliniken muss vor digitalen Angriffen wirkungsvoll geschützt sein"

Auch der Austausch sensibler Daten zwischen Zahnärzten, Ärzten und Kliniken muss vor digitalen Angriffen wirkungsvoll geschützt sein. Um dies zu gewährleisten erleichtert die sichere Kommunikation der Leistungserbringer (KOM-LE) auf der Basis einer verschlüsselten E-Mail den Austausch von Dokumenten. Die KZBV setzt sich dafür ein, dass auch die KZVen Teilnehmer von KOM-LE werden können und damit eine sichere Kommunikation mit Praxen ermöglicht wird.

Der komplette Beitrag des KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer "Die Digitalisierung in der vertragszahnärztlichen Versorgung – Entwicklungen und Ausblick" erschien am 5. Oktober dieses Jahres in Ausgabe 4/2018 der Zeitschriftenreihe iX-Forum.

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