Medizin

Trainer, Bote, Tagebuch

Treppensteigen statt Aufzugfahren, frisches Gemüse auf den Teller und Finger weg von Zigaretten: Die Botschaft ist längst angekommen - doch wie den inneren Widerstand brechen? Hilfe suchen immer mehr Menschen bei Gesundheitsapps.

Gesundheitsapps sollen den inneren Schweinehund erziehen. Doch auch diese Pädagogik hat Grenzen. alexmillos-Fotolia.com

Weltweit warten inzwischen knapp 100.000 Anwendungen rund um Fitness und Medizin in den Stores, Anbieter sind oft Pharmaunternehmen oder Krankenkassen. „Apps können eine Fürsorgefunktion übernehmen und die Anwender motivieren - beispielsweise sich mehr zu bewegen. Jahrelang hat man das mit Trimm-Dich-Pfaden und Kursen versucht“, sagt Regina Behrendt, Referentin Gesundheitsmarkt bei der Verbraucherzentrale NRW.

Der neue Trimm-Dich-Pfad

Aber man müsse auch beachten, wer welche App in welchem Kontext nutzt. „Wenn ich bereits übermäßig viel Sport treibe, kann eine Fitnessapp zu viel sein. Wenn ich zur Magersucht neige und noch ein Diätprogramm mache, wäre das auch falsch.“

Im medizinischen Bereich wollen Apps ebenfalls Hilfe leisten. So können sich Diabetiker mit einem Gerät, das an ihr Smartphone andockt, selbst die Blutzuckerwerte messen, und die Ergebnisse via App an ihren Arzt schicken. Doch Gesundheitsexpertin Behrendt gibt zu bedenken: „Wenn es ein Programm ist, das vitale Parameter misst, sollte ich mich vergewissern, dass es zertifiziert und sicher ist. Es muss in eine medizinische Anwendung eingebunden sein, die auch ihre Tauglichkeit bewiesen hat.“

Appell an den Arzt

Noch reagieren Ärzte allerdings zurückhaltend auf solche Programme. Dabei sehen Telemediziner in der Interaktion mit den Ärzten das interessanteste Feld. „Das sind aber keine Apps, die ich in einem Appstore herunterladen kann“, sagt Beatrix Reiß, Prokuristin sowie Leiterin Vertrieb und Personal beim Zentrum für Telematik und Telemedizin, das die Landesinitiative eGesundheit.nrw koordiniert  Die Daten verblieben in einem viel kleineren Nutzerkreis. „Das ist heute viel zu selten der Fall. Wir würden uns mehr Entwicklungen aus dem medizinischen Bereich wünschen.“

Es existieren schon Praxisbeispiele, die in diese Richtung gehen: etwa das Schmerztagebuch Painapp. Das Programm soll Menschen mit chronischen Schmerzen unterstützen. Der Patient kann dort dokumentieren, wie es ihm geht - und der Arzt entsprechend darauf reagieren. Wenn der Patient selbst nicht mehr dazu in der Lage ist, kann die Pflegekraft einspringen. „Palliativmediziner bewerten diese Anwendung sehr positiv, da das Zusammenspiel der Beteiligten dem Patienten wirklich helfen kann“, berichtet Reiß.

Johanna Hergt
Volkswirtin und Fachautorin