Studie

Was ist besser: Ultraschall- oder Handzahnbürste?

Dr. Shaya Saket, Uni Witten/Herdecke, hat in ihrer Promotion den Effekt einer Ultraschallzahnbürste im Vergleich zur Handzahnbürste bei kieferorthopädischen Patienten mit manifester Gingivitis untersucht. Wir haben sie interviewt.

 

Hier sieht man mit Plaquerevelator eingefärbte Frontzähne des Ober- und Unterkiefers am ersten regulären Studientag vor dem Zähneputzen unter Supervision mit der Handzahnbürste. Shaya Saket

Mit Plaquerevelator eingefärbte Frontzähne des Ober- und Unterkiefers am ersten regulären Studientag nach dem supervidierten Zähneputzen mit der Handzahnbürste. Shaya Saket
Mit Plaquerevelator eingefärbte Frontzähne des Ober- und Unterkiefers am ersten regulären Studientag vor dem supervidierten Zähneputzen mit der Ultraschallzahnbürste. Shaya Saket
Mit Plaquerevelator eingefärbte Frontzähne des Ober- und Unterkiefers am ersten regulären Studientag nach dem supervidierten Zähneputzen mit der Ultraschallzahnbürste beim gleichen Probanden. Shaya Saket
Dr. Shaya Saket geboren in Teheran,hat an der Georg-August-Universität in Göttingen ihr Zahnmedizinstudium absolviert, um danach als Vorbereitungsassistenzzahnärztin in der Praxis Dr. Leimbach in Kassel zu arbeiten. Seit August 2011 ist sie angestellte Zahnärztin in der Praxis Dres. Plewe in Kassel. Jetzt hat sie an der Uni Witten/Herdecke zum Thema „Klinisch kontrollierte Studie zum Effekt einer Ultraschallzahnbürste im Vergleich zu einer Handzahnbürste bei kieferorthopädischen Patienten mit manifester Gingivitis“ promoviert. privat

zm-online:  Frau Dr. Saket, Sie haben den Effekt der Ultraschallzahnbürste Emmi dental Professional auf eine manifeste Gingivitis bei Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen untersucht. Warum gerade dieses Modell?

Dr. Shaya Saket: Vorausgehende Studien haben diese Ultraschallzahnbürste in ihrer Wirkung unter anderem auch bei Patienten mit parodontalen Vorerkrankungen untersucht und sowohl einen Rückgang der Plaque-Ausdehnung als auch eine Verbesserung der gingivalen Verhältnisse verzeichnet. Daher war es unser Ziel, im Rahmen dieser Studie zu untersuchen, welche Wirkung die Anwendung dieser Zahnbürste bei Patienten mit festsitzenden Apparaturen und manifester Gingivitis hat.

In der DMS V von 2016 zeigen die Daten, dass trotz verzeichnetem Rückgang der Kariesprävalenz in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen 3,4 Prozent bis 9,4 Prozent der 12-Jährigen immer noch einen DMFT-Wert über zwei haben. Das gibt Anlass, die Durchführung der Mundhygiene weiterhin interessanter zu gestalten, sie in ihrer Handhabung zu vereinfachen und zu optimieren und so Patienten zu motivieren.

Gerade in dieser Altersklasse befinden sich junge Patienten häufig in kieferorthopädischen Behandlungen mit festsitzenden Apparaturen, die durch mehrere Faktoren die Durchführung der Mundhygiene erheblich erschweren.


Die Studie in Kürze

In der Arbeit wurde der Effekt der Ultraschallzahnbürste Emmidental Professional auf eine manifeste Gingivitis bei Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen über einen Studienzeitraum von zwölf Wochen untersucht. Dabei wurde die Untersuchung im Parallel-Design durchgeführt. In der Kontrollgruppe putzten die Probanden ihre Zähne mit der Denttabs Handzahnbürste. Randomisiert wurden 80 Probanden eine der jeweils untersuchten Zahnbürsten zugeteilt.

Zur Bewertung des Gesundheitszustands der Gingiva diente der Gingiva-Index nach Silness und Löe (1964), der an sechs Messstellen aller vorhandenen bleibenden Zähne erhoben wurde. An den vier Terminen Baseline, Start of study, nach zwei Wochen und End of study wurde der Gingiva-Index aufgenommen.

Die Beurteilung der Plaque-Ausdehnung erfolgte mittels des modifizierten Navy Plaque-Index nach Lang et al. (2011) an den Indexzähnen 15, 24, 12, 21, 35, 32, 41, 44. Intraorale Aufnahmen erfolgten zum Zeitpunkt der Baseline, Start of study sowie End of study. An den Terminen Start wie auch End of study wurden intraorale Aufnahmen jeweils vom Prebrushing und Postbrushing Zeitpunkt gemacht.

Ein signifikanter Rückgang der Gingivitis ist in beiden untersuchten Gruppen zu verzeichnen. Dabei zeigen sich zwischen den beiden Zahnbürsten keine signifikanten Unterschiede. Analog wird in beiden Untersuchungsgruppen die Anzahl der Zähne mit Gingivitis signifikant reduziert.

Es wird ebenfalls eine signifikante Abnahme des Plaque-Indexwertes verzeichnet. Die Anwendung beider untersuchten Zahnbürsten führen gleichermaßen zu einer Reduzierung der Plaque. In den jeweiligen Untersuchungsterminen Start of study und End of study zeigt sich das gleiche Ergebnis im jeweiligen Vergleich von Prebrushing und Postbrushing, durch die Durchführung der Mundhygiene erreicht die gesamte Untersuchungsgruppe eine hoch signifikante Plaquereduktion.

Die Plaquereduktion ist zum Zeitpunkt Start of study in der Probandengruppe der Handzahnbürste signifikant höher, zum Ende der Studie lässt dieser Unterschied nach. Das lässt eine stärkere Abnutzung der Handzahnbürste durch die festsitzende kieferorthopädische Apparatur vermuten.

Durch einen weichen Zahnbürstenkopf und einen niedrigen RDA-Wert der Denttabs-Zahnputztabletten wird eine nahezu non-abrasive Durchführung der Mundhygiene ermöglicht. Zudem kommt es durch eine hohe Fluorid-Bioverfügbarkeit zu einer vorteilhaften prophylaktischen Wirkung.

Hart- und Weichgewebsschäden können durch die abrasionsfreie Anwendung
der Ultraschallzahnbürste ausgeschlossen werden. Diese Studie zeigt als nachfolgende Untersuchung der Studien Denda (2011), May (2013) ebenfalls, dass die Anwendung der Ultraschallzahnbürste Emmidental Professional im Vergleich zu einer Handzahnbürste gleichermaßen zur Plaquereduktion und zum Rückgang einer Gingivitis beiträgt.


Welche Rolle spielte Chlorhexidin im Rahmen Ihrer Studie? 

Im Rahmen der Studie wurden die Probanden gebeten, die Anwendung von Mundspüllösungen einzustellen. Chlorhexidin wurde demnach nicht als Therapeutikum eingesetzt. Nach heutigem Wissensstand ist der orale Biofilm physiologisch und ihm wird eine Schutzfunktion zugeteilt, so dass im Verlauf der Studie die Mundflora nicht zusätzlich durch Chlorhexidin ins Ungleichgewicht geraten sollte.

Ferner dienen unsere Untersuchungen der Darstellung der Wirkung der Ultraschallzahnbürste sowie Handzahnbürste. Die Anwendung von Chlorhexidin hätte sicherlich Auswirkungen auf die gingivalen Verhältnisse und somit einen Einfluss und eine Verzerrung der Ergebnisse zu Folge.

In der Kontrollgruppe putzten 40 Probanden ihre Zähne mit der Denttabs Handzahnbürste. Welchen Unterschied stellten Sie fest?

Zu Beginn der Studie war die Plaque-Reduktion in der Probandengruppe der Handzahnbürste höher, während Probanden der Ultrazahnbürstengruppe zum ersten Termin eine deutlich geringere Plaque-Reduktion aufwiesen. Erfreulicherweise zeigten die Gesamtgruppe der Probanden im Verlauf der Studie einen signifikanten Rückgang der Plaque-Ausdehnung, der Werte des Gingivitis-Index und auch einen höchst signifikanten Rückgang der Anzahl der Zähne mit Gingivitis. 

Die Plaque-Reduktion war zum Anfang der Studie in der Probandengruppe der Handzahnbürste signifikant höher, zum Ende der Studie ließ dieser Unterschied nach – wie erklären Sie sich das? 

Während die Anwendung der Handzahnbürste und ihre Handhabung für die jungen Patienten gewohnt sind, reinigten alle Probanden in der Gruppe der Ultraschallzahnbürste zum ersten Mal ihre Zähne mit einer Ultraschallzahnbürste. Ihre Anwendung ist neu und ungewohnt, daher reinigten auch alle Probanden unter Supervision ihre Zähne. Zum Ende der Studie ist dann die Anwendung der Ultraschallzahnbürste für die Probanden ebenfalls routinierter, so dass dieser Unterschied nachließ. Ein weiterer möglicher Grund könnte aber auch ein Nachlassen der Motivation der Probandengruppe der Handzahnbürste sein.

Haben denn die Ultraschallzahnbürste und die Handzahnbürste für sich betrachtet jeweils Vorteile?

Die Ultraschallzahnbürste wird ohne Zahnputzbewegungen angewendet und ist somit eine abrasionsfreie und schonende Art der Durchführung der Mundhygiene. Die Handzahnbürste mit weichem Bürstenkopf und den zugehörigen Zahnputztabletten mit einem niedrigen RDA-Wert ist ebenfalls nahezu non-abrasiv. Die Zahnputztabletten weisen des Weiteren eine hohe Fluorid-Bioverfügbarkeit auf und ermöglichen eine prophylaktische Wirkung.

Was empfehlen Sie?

Es ist schwierig, eine für alle Patienten gültige Empfehlung auszusprechen. Eine individuelle Anamnese und die Vorliebe des Patienten für die Handzahnbürste beziehungsweise die elektrische Zahnbürste sind bei der Wahl einer solchen Empfehlung zu berücksichtigen. In meinem Beruf und noch mehr durch die Untersuchungen dieser Studie sehe ich, wie wichtig adäquates Zähneputzen ist.

Die Durchführung der Mundhygiene unter Supervision durch Fachpersonal hilft bei der Beurteilung und erleichtert somit das Aussprechen einer Empfehlung. Es ermöglicht die Einschätzung der manuellen Geschicklichkeit der Patienten, wie auch ihre Routine in der Durchführung ihrer täglichen häuslichen Mundhygiene. Im Rahmen dieser Studie wurde gezeigt, dass die Anwendung beider Zahnbürsten zu einer adäquaten Plaquekontrolle und damit zu einer gesunden Biofilmbesiedelung der Mundhöhle beitragen kann.

Das wichtige Mundhygiene-Training gerade in der hohen Risikophase während der kieferorthopädischen Behandlung ist, so zeigte ja unsere Studie, ausgesprochen erfolgreich in einer so lang aufrechterhaltenen Plaquekontrolle und Gingivitisreduktion. Dabei werden Jugendliche an eine nahezu abrasionsfreie Zahnputztechnik herangeführt.

Shaya Saket: Klinisch kontrollierte Studie zum Effekt einer Ultraschallzahnbürste im Vergleich zu einer Handzahnbürste bei kieferorthopädischen Patienten mit manifester Gingivitis.

Die Promotion wurde von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Gängler betreut, die Statistische Beratung erfolgte durch Dr. Karl Weich.
 

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