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Zahl der Komplikationen am Kiefer steigt

Anlässlich des 134. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) weisen die Ärzte darauf hin, dass die Zahl der Patienten, bei denen Medikamente zur Behandlung der Osteoporose schwere Komplikationen am Kiefer auslösen, steigt.

Bisphosphonatnekrose im Unterkiefer bei einer Patientin mit teleskopierend getragener Prothese (aus dem Beitrag: Implantieren bei Behandlung mit Knochenantiresorptiva) © Walter

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland werden mit Medikamenten behandelt, die Osteoporose  verhindern sollen. Ein zweites Einsatzgebiet dieser Präparate sind Knochenmetastasen bei Krebspatienten. Am häufigsten kommen die Wirkstoffe Alendronsäure, Risedronsäure, Ibandronsäure und Zoledronsäure zur Anwendung, die zu den Bisphosphonaten gehören. Eine noch selten genutzte Alternative ist der Antikörper Denosumab, der seit 2010 zugelassen ist.

Nutzen von Bisphosphonaten und Denosumab steht außer Zweifel

„Die Medikamente können Knochenbrüche verhindern und bei Krebspatienten die Knochenzerstörung bremsen. Der Nutzen von Bisphosphonaten und Denosumab steht deshalb außer Zweifel“, sagt Prof. Dr. med. Tim Pohlemann, Präsident der DGCH. „Auch die Verträglichkeit der Medikamente ist in der Regel gut“, fügt Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Michael Ehrenfeld hinzu, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). Allerdings kann eine gravierende Komplikation eintreten, die zunehmend die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen beschäftigt.

„Es beginnt mit Schmerzen und Schwellungen im Bereich des Kieferkammes“, berichtet Ehrenfeld. „Daraus können sich Abszesse und Fisteln bilden, aus denen Sekrete, beispielsweise Eiter, fließen.“ Eine Röntgenaufnahme zeigt dann, dass Teile des Knochens abgestorben sind. Eine solche Osteonekrose des Kiefers wurde erstmals 2003 als seltene Komplikation nach der Behandlung mit Bisphosphonaten beschrieben. Die Komplikation tritt auch nach der Behandlung mit dem Wirkstoff Denosumab auf.

Inzwischen sind die Fälle so häufig, dass einzelne Kieferkliniken, so auch in München, eigens Sprechstunden für die Patienten eingerichtet haben. „Betroffen sind meistens ältere Menschen mit Parodontose oder Infektionen der Zahnwurzeln“, sagt Ehrenfeld, der die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universität München leitet. Die Nekrosen können auch nach Zahnextraktionen, Wurzelbehandlungen und bei Implantaten entstehen. Weitere Risikofaktoren sind Alkohol und Rauchen oder eine Behandlung mit Kortison oder Zytostatika.

Ursache der Osteonekrose steht noch nicht fest

„Wir vermuten, dass Entzündungen in der Nähe des Knochens die Toxizität der Bisphosphonate erhöhen und es deshalb zum Absterben des Knochens kommt“, erläutert Ehrenfeld weiter. Deshalb seien akute Infektionen oder auch mund-kiefer-gesichtschirurgische Eingriffe bei diesen Patienten gefährlich. „Jeder Eingriff sollte unter Antibiotika-Schutz durchgeführt werden, um eine Infektion des Knochens zu vermeiden“, rät der Münchener Chirurg.

Ehrenfeld empfiehlt allen Patienten, die mit Bisphosphonaten oder Denosumab behandelt werden, zu vorbeugenden Maßnahmen. Die Behandlung sollte erst beginnen, wenn der Zahnarzt das Gebiss saniert hat. „Zysten, desolate Zähne, Entzündungen im Mundraum müssen vorher beseitigt werden“, fordert der MKG-Chirurg. Während der Osteoporose-Behandlung sollten die Patienten peinlich auf eine gute Mundhygiene achten. Dies gelte auch für Menschen mit dritten Zähnen. Auch eine schlecht sitzende Prothese kann über Druckstellen die Entzündung des Knochens anstoßen.

Der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie findet vom 21. bis 24. März 2017 in München statt.

Lesen Sie zu diesem Thema auch diesen aktuellen Beitrag: Implantieren bei Behandlung mit Knochenantiresorptiva

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