Fremdkörper

Zahnspange im Bauch

Eine 30-jährige Frau kommt mit starken Bauchschmerzen in die Notaufnahme. Das CT zeigt einen sieben Zentimeter langen Draht, der den Darm durchbohrt: Die Patientin hatte zehn Jahre eine Zahnspange im Bauch!

Abbildung 2: Intraoperative Fotografie des kieferorthopädischen Drahts, eingebettet in das Dünndarm-Mesenterium nach Freisetzung des ischämischen Darms. Talia Shepherd

Abbildung 1: CT-Bild (koronal) des kieferorthopädischen Drahts an der Wurzel des Dünndarm-Volvulus. Talia Shepherd

Die bisher gesunde 30-jährige Frau stellte sich in der Notfallambulanz mit angeschwollenem Bauch und starken Bauchschmerzen vor. Zwei Tage später hatten sich die Schmerzen so verschlimmert, dass sie kaum aufrecht gehen konnte.

Bei der ersten Untersuchung kamen die Ärzte zu dem Schluss, dass die Frau an einer Gallenkolik litt, obwohl Ultraschall- und HDA-Scans darauf keine Hinweise gaben. Sie hatte einen Puls von 105, alle Blut- und Vitalwerte waren normal. Auf eine komplette Aufnahme des Bauchraums wurde zuerst verzichtet.

Wie die Ärzte bei der zweiten Untersuchung feststellten, hatte sich das Bauchfell entzündet. Das CT zeigte einen dünnen Metalldraht an der Mesenterialwurzel, also an der Stelle des Dünndarms, an der das Bindegewebe mit der Bauchwand verwachsen ist (Abbildung 1).

Der Draht hatte den Dünndarm durchbohrt und einen Darmabschnitt aufgespießt

Die Notfall-OP förderte schließlich einen sieben Zentimeter langen Draht zutage, wie er für kieferorthopädische Zahnklammern verwendet wird (Abbildung 2). Der Draht hatte den Dünndarm durchbohrt und einen anderen Darmabschnitt aufgespießt. Dies führte dazu, dass der Darm sich nicht mehr frei bewegen konnte, und es kam zu einer Darmverschlingung rund um den Draht, der die Achse für dieses Knäuel bildete, um die sich der Volvulus entwickelte.

Bei einer solchen Verdrehung wird die Blutzufuhr abgeklemmt oder ganz unterdrückt, mit der bedrohlichen Folge, dass das Organ absterben kann.


Fazit

  1. Verschluckte Fremdkörper sollten immer als Ursache für Bauchschmerzen bei Patienten ohne eine andere medizinische oder chirurgische Historie in Betracht gezogen werden.
  2. Eine Aufnahme des Bauchraums ist eine nützliche erste Untersuchung, die immer vorgenommen werden sollte.


In einer Not-OP führten die Chirurgen eine Adhäsiolyse durch und lösten damit einige der Verwachsungen, so dass auf darauf verzichtet werden konnte, den Darm zu resezieren. Die Frau konnte gerettet werden. Sie konnte sich allerdings weder daran erinnern, dass sie vor 10 Jahren eine kieferorthopädische Spange getragen hatte, noch daran, dass sie sie verschluckt hatte.

Die meisten verschluckten Gegenstände, werden auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden. Die häufigste Stelle für eine Perforation ist dabei das Ileocaecale Ventil am Blinddarm. Der hier beschriebene Fall ist aufgrund der verzögerten klinischen Folgeerscheinungen von zehn Jahren neuartig.

Quelle: Talia Shepherd, Adrian Teo, Richard Naunton-Morgan, Orthodontic braces come back to bite: a novel presentation of a small bowel volvulus, in: BMJ Case Reports 2017; doi:10.1136/bcr-2017-221152, published 7. August 2017

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