Politik

"All diese Aufgaben haben mein Leben bereichert!"

Dr. Wolfgang Schmiedel hat die Geschicke der Zahnärztekammer Berlin 13 Jahre als Präsident geleitet. Zu seinem Abschied zieht er Bilanz - und erzählt, warum ein langhaariger 68er Kieferorthopäde werden wollte.

Dr. Wolfgang Schmiedel übergibt den Staffelstab für das Berliner Kammerpräsidentenamt an seinen Nachfolger Dr. Karsten Heegewald. In seinen Reden legte Schmiedel gern den Finger in die Wunden gelegt und trug dabei sein Herz stets auf der Zunge. IADH Kongress

Schmiedel, der als Kind als "schwer erziehbar" galt, hat sich als Präsident der Zahnärztekammer Berlin unter anderem mit viel Enthusiasmus für die Gesundheit der Berliner Kinder eingesetzt. Hier sieht man ihn beim Zahnpflegetraining im LEGOLAND® Discovery Centre Berlin mit "Vampir" Sina (9 Jahre). ZÄK Berlin
Und hier verleiht er einer Charlottenburger Schulklasse den Berliner Prophylaxepreis. ZÄK Berlin
Zusammen mit it dem Gesundheitssenator a. D. Mario Czaja (links) und dem BZÄK-Präsidenten Dr. Peter Engel (rechts) auf der 50-Jahr-Feier der Zahnärztekammer Berlin 2012. ZÄK Berlin
Zwei, die sich gut verstehen: Dr. Wolfgang Schmiedel und BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich auf einer Koordinierungskonferenz der zahnärztlichen Hilfswerke. Schmiedel leitete die Konferenz in seiner Funktion als Leiter des BZÄK-Ausschusses für soziale Fragen mehrfach - für ihn eine Herzensangelegenheit. Am 24. März 2017 führt er noch einmal durch die Konferenz am Rande der IDS in Köln. ZÄK Berlin
Im Gespräch mit der Past-Präsidentin der DGZMK, Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, auf dem Deutschen Zahnärztetag 2016 in Frankfurt/Main. ZÄK Berlin
Schmiedel verfügt über gute Kontakte zur politischen Szene in Berlin und Brüssel. Hier herzt er Annette Widmann-Mauz MdB, die Parlamentarische Staatssekretärin im BMG. ZÄK Berlin

zm-online: Herr Dr. Schmiedel, Sie sind im Grunde ein Spät-68er. Wie hat Sie diese Zeit geprägt?

Dr. Wolfgang Schmiedel: Es war eine spannende Zeit, insbesondere in Berlin. Das Aufbegehren der Jugend gegen das „Establishment“ fand damals nicht nur auf den Straßen statt, sondern verlagerte sich auch in meine Familie. Als Zeichen meines Protests trug ich die Haare bis zur Schulter, wurde rebellisch und galt als "schwer erziehbar". Im Ergebnis „durfte“ ich ein Jahr lang bei einer Familie uns befreundeter Amerikaner wohnen, wo ich fließend Englisch lernte, was mir dann Jahre später, etwa in der EFOSA (European Federation of Orthodonthic Specialists Associations) sehr zugute kam.

Ich denke, dass meine Art, auf Missstände hinzuweisen, bisweilen bis heute mit lauter Stimme oder deutlichen Worten, in dieser Zeit geprägt wurde. Und noch jetzt lasse ich mir ungern etwas sagen, es sei denn, man ist in der Lage, mich durch Argumente von meiner festen Meinung abzubringen. Gelernt habe ich damals, Dinge, aber auch Menschen infrage zu stellen, schließe mich selbst aber davon nicht aus.

Warum wollten Sie unbedingt Kieferorthopäde werden?

Geprägt durch meinen Vater, der Hals-, Nasen, und Ohrenarzt und Lungenfacharzt war, war eine medizinische Laufbahn von Anbeginn an „in die Wiege gelegt“, so wie auch eine meiner beiden Schwestern Ärztin geworden ist.

Als Jugendlicher hatte ich einen querverlagerten oberen Eckzahn, der eine kieferorthopädische Einstellung erforderlich machte. Nach einer letztlich erfolgreichen Behandlung - damals schon mit einer festsitzenden Apparatur - bei einem unserer Familie befreundeten Kieferorthopäden in Spandau konnte ich endlich wieder lachen und „Zähne zeigen“. Der patientenzugewandte Umgang dieses Kieferorthopäden begeisterte mich und ließ in mir den Wunsch keimen, diesen Beruf später einmal selbst auszuüben.

Bereits in der Abiturzeitung stand bei ihm unter Berufswunsch: "Kieferorthopäde"

Bereits in meiner Abiturzeitung 1969 hatte ich deshalb als Berufswunsch „Kieferorthopäde“ angegeben. Der Spandauer Kieferorthopäde Dr. Edgar Hartmann wurde übrigens später mein Chef, Ausbilder und enger Freund, denn ich habe die im Rahmen der Weiterbildung zum Kieferorthopäden erforderliche praktische Ausbildung in dessen Praxis durchlaufen dürfen, bevor ich anschließend mein Klinikjahr an der Universität Erlangen absolvierte. Der mir von Dr. Hartmann zum Abschied mit auf den Weg gegebene Leitsatz "Denke bei allem, was Du tust, nie ans Geld, sondern stets nur an die Patienten!" hat mich während meiner gesamten Berufsausübung geprägt und ich bin noch heute für diesen klugen Ratschlag dankbar.

Es gab keinen einzigen Moment in meinem Leben, wo ich meine Entscheidung, Kieferorthopäde zu werden, bereut habe, denn der tägliche Umgang mit so vielen fröhlichen jungen Patienten hat mir immer große Freude bereitet und mich selber jung gehalten.

Sie wurden 1989 zum Landesvorsitzenden der Berliner Kieferorthopäden gewählt. Welche Stimmung lag damals in der Luft?

Dies war die vielleicht nicht nur berufspolitisch spannendste Zeit meines Lebens. Für jeden von uns unerwartet erlebten wir Berliner den Fall der Mauer und das Glück der Wiedervereinigung. Nun galt es, ohne zu zögern, die Kollegen im Ostteil unserer Stadt, davon zu überzeugen, die Niederlassung in eigener Praxis zu wagen.

Ich war gerade im April 1989 als BDK-Landesvorsitzender in Berlin gewählt worden, und in dieser Funktion, aber auch als Referent für KFO der KZV Berlin, organisierte ich zahlreiche Veranstaltungen im Ostteil unserer Stadt, auf denen ich Vorträge über KFO, BEMA und GOZ hielt.

Die Kollegen aus dem Osten waren extrem aufnahmebereit und dankbar für die „Aufklärungsarbeit“, und noch heute verbinden mich persönliche Freundschaften mit etlichen Kieferorthopäden, die damals mit wachen Ohren an meinen Lippen hingen. Es erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit, dass ich dazu beitragen konnte, etlichen Kollegen den Weg in die „freie“ Niederlassung zu ebnen.

Woher kam die Lust auf die Standespolitik?

John Lennon hat einmal gesagt: „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen!“ Ich habe oft über diesen Satz nachgedacht und bin schon sehr früh zu dem Entschluss gekommen, mein Leben, meine Berufsausübung selbst gestalten zu wollen und nicht fremdbestimmt von anderen „verwalten“ zu lassen.

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