Szenario für Rheinland-Pfalz

Bürgerversicherung würde 300 Praxen killen

Rund 340 Zahnärzte und 1.500 Arbeitsplätze in Zahnarztpraxen weniger im ländlichen Rheinland-Pfalz - dieses Szenario droht mit der Einführung einer Bürgerversicherung. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. Wolfgang Merk für die KZV Rheinland-Pfalz.

KZV Rheinland-Pfalz

Eine Bürgerversicherung würde demnach die wohnortnahen und flächendeckende Versorgung durch niedergelassene Mediziner aufs Spiel setzen: Rund 300 Zahnarztpraxen mit 344 Zahnärzten in Kleinstädten und Dörfern droht dann laut Gutachten das Aus.

 


In Kürze

  • Durch das Zusammenführen von gesetzlicher und privater Krankenversicherung sind wirtschaftliche Einbußen je Praxis im Schnitt von rund einem Drittel (32,54 Prozent) zu erwarten.
  • In Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohner können nur Praxen nachbesetzt werden, die auch nach Einführung einer Bürgerversicherung wirtschaftlich arbeiten. Das sind 15 bis 20 Prozent der Praxen. Die Nachfolgeproblematik auf dem Land wird sich verschärfen.

  • Die Versorgung auf dem Land wird drastisch ausgedünnt. Die Zahl der bisher 417 niedergelassenen Zahnärzte, die in den nächsten zehn Jahren ersetzt werden müssen, wird sich auf 73 reduzieren. Das sind 344 Zahnärzte in 300 Zahnarztpraxen weniger – ein Minus von rund 80 Prozent.

  • Zusätzlich fallen zirka 1.500 Arbeitsplätze für Praxispersonal weg.

  • Die zahnärztliche Versorgung wird sich auf Städte über 50.000 Einwohner konzentrieren.

In Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnern müssen in den nächsten zehn Jahren altersbedingt für 417 Zahnärzte Nachfolger gefunden werden. Kommt die Bürgerversicherung mit einheitlichen Gebühren und fallen die Einnahmen aus Zusatzversicherungen und aus der privaten Krankenversicherung weg, ließe sich die große Mehrheit dieser Praxen nicht mehr wirtschaftlich führen. Nachfolger blieben aus.

Rund 300 Praxen mit 344 Zahnärzten in Kleinstädten und Dörfern droht das Aus

Die zahnmedizinische Versorgung würde sich künftig auf Mittel- und Großstädte konzentrieren. Der Wegfall der Praxen hätte Folgen auch für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt im ländlichen Raum. Das Gutachten prognostiziert einen Abbau von rund 1.500 Stellen für Praxispersonal.

Dr. Peter Matovinovic, Vorstandsvorsitzender der KZV Rheinland-Pfalz, ist angesichts dieser Zahlen alarmiert. „Eine Bürgerversicherung gefährdet die Versorgungssicherheit der Patienten im ländlichen Rheinland-Pfalz. Gerade kleinere Praxen könnten nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und müssten schließen. Für die Patienten hieße das kein Zahnarzt vor Ort und längere Wege zur nächsten Praxis.“ Der KZV-Chef warnt die Politik deshalb vor einem Systemumstieg.

Das Sachverständigeninstitut von Prof. Dr. Wolfgang Merk legte im Juli das Gutachten zu den „Auswirkungen der Einführung einer Bürgerversicherung auf die zahnmedizinische Versorgung“ vor. Auftraggeber war die Arbeitsgemeinschaft der KZVen Baden-Württemberg, Bayerns, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Merk ist als Sachverständiger für das Fachgebiet „Bewertung von Unternehmen und Praxen im Gesundheitswesen, Betriebsanalysen und Betriebsunterbrechungsschäden" öffentlich bestellt und vereidigt. Seine Berechnungen im Gutachten stützen sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, der KZBV und der KZV Rheinland-Pfalz.

Was ist die Bürgerversicherung? Unter Bürgerversicherung verstehen SPD, Bündnis90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE ein Versicherungssystem, in dem alle Bürger, auch Beamte und Selbstständige, zu gleichen Bedingungen gesetzlich krankenversichert sind. Die private Krankenvollversicherung, so wie es sie heute gibt, würde wegfallen. In ihren Programmen zur Bundestagswahl haben die Parteien kein einheitliches Konzept für eine Bürgerversicherung vorgelegt, sie verfolgen unterschiedliche Ansätze für die Vereinheitlichung der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung. Sie eint jedoch das Vorhaben, in der gesetzlichen Versicherung Zusatzbeiträge abzuschaffen sowie die Krankenversicherung zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanzieren zu lassen. Zudem wollen sie die Gebührenordnungen der beiden Versicherungssysteme zusammenführen.

16865911669955166995116699521686592 1686593 1669953
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare