Großbritannien

Die Hälfte aller jungen Zahnärzte plant Ausstieg aus NHS

Laut einer Umfrage der British Dental Association (BDA) planen 58 Prozent der britischen Zahnärzte, in den kommenden fünf Jahren das staatliche Gesundheitswesen National Health System (NHS) zu verlassen. Besonders desillusioniert sind die jungen.

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Insgesamt 58 Prozent der befragten Zahnärzte spielen demnach mit dem Gedanken, nur noch privat zu behandeln, nach Übersee zu ziehen, in den Ruhestand zu gehen oder den Beruf zu wechseln.

  1. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Zahnmediziner unter 35 Jahren hat die Absicht, in den kommenden fünf Jahren aus dem NHS auszusteigen.
  2. Etwa zehn Prozent der Befragten planen, in Zukunft gar nicht mehr als Zahnarzt zu arbeiten. Etwa der gleiche Anteil gab an, auswandern zu wollen, um außerhalb Großbritanniens zu arbeiten.
  3. Insgesamt 42 Prozent hingegen, wollen sich stärker auf die Behandlung von Privatzahlern fokussieren.
  4. Nicht einmal jeder sechste (16 Prozent) der befragten jungen Zahnmediziner geht davon aus, dass er noch eine eigene Praxis eröffnen wird. Der Grund: Der traditionelle Karriereweg als NHS-Zahnarzt sei bei voraussichtlich stetig sinkenden Einnahmen und dem Aufkommen immer größerer Zahnarztketten keine attraktive Option mehr.

Diese gefühlte Realität des zahnmedizinischen Nachwuchses untermauert die BDA mit Zahlen: Jüngste Auswertungen hätten demzufolge gezeigt, dass die Zahnärzte in England und Wales in den vergangenen zehn Jahren Einkommensverluste von 35 Prozent hinnehmen mussten. Während das Realeinkommen von Berufsanfängern in den letzten Jahren um etwa 20.000 Euro pro Jahr gesunken sei, seien ihre durchschnittlichen Schulden aus Studienkosten auf über 70.000 Euro gestiegen.

Andererseits verdient ein Zahnarzt in Großbritannien, der hauptsächlich für den NHS arbeitet, durchschnittlich ungefähr 112.000 Euro - mehr als ein Regierungsminister. Die fünf bestverdienenden NHS-Zahnärzte verdienen laut eines Rankings im Durchschnitt 774.000 Euro pro Jahr - und zwar über die zusätzlichen Einnahmen aus der Behandlung von Privatptienten privat.

Dennoch: Es sei eine Tragödie, dass eine Dekade der Unterfinanzierung und der Reformversäumnisse jetzt den Nachschub an Nachwuchsmedizinern gefährde, sagt Henrik Overgaard-Nielsen, Ausschussvorsitzender der BDA. Die Regierung habe die Arbeitsbedingungen so unattraktiv gemacht, dass sie die nächste Generation von Behandlern - quasi das Rückgrat der Versorgung - dazu brächte, "auf den Ausgang zu schielen". Wenn man diese Zahnmediziner schon am Start ihres Beruflebens verliere, urteilt Overgaard-Nielsen, müsste sich das System die Existenzfrage stellen. 

Er beklagt zudem, dass im NHS die Regierungsziele über die Patientengesundheit gestellt und Prävention nicht ausreichend belohnt würden. Um die drohende Abwanderung fähiger Mediziner und Wissenschaftler zu verhindern, müsse die Regierung gangbare Alternativen zur ehemals traditionellen NHS-Karriere aufzeigen.

Harman Chahal, Vorsitzender des BDA-Ausschusses für junge Zahnmediziner und selbst bis vor Kurzem NHS-Zahnarzt, beklagt vor allem die restriktiven Zielvorgaben des aus seiner Sicht inhumanen Vergütungssystems. Das System beschränke Behandler vor allem bei jener Patientengruppe, bei der der Bedarf am größten ist, kritisiert er, und reduziere Patienten auf eine Zahl in einer Statistik.

Insgesamt 24.000 Zahnärzte gibt es in Großbritannien, Tendenz fallend. In letzter Zeit gelangten vermehrt Medienberichte an die Öffentlichkeit, wonach sich Briten in Ermangelung eines Zahnarzttermins selbst behandelten.

Diese "verengte Momentaufnahme" spiegele nicht die Tatsache wider, dass laut neuester NHS-Patientenumfrage 95 Prozent der Menschen, die einen Zahnarzttermin benötigten, auch einen bekamen, hieß es seitens des NHS. Die Gesamtzahl der NHS-Zahnärzte sei dieser Tage um 3.800 höher als noch ein Jahrzehnt zuvor - "ohne dass die Zahl der Zahnärzte, die aus dem Beruf aussteigt, signifikant ansteigt".

Die BDA-Umfrage wurde im Juni und Juli unter 1.212 britischen Zahnärzten durchgeführt.

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