Kultusministerkonferenz

Diskussion um Stellenwert der Abiturnote zieht sich

Den Kultusministern der Länder läuft die Zeit davon: Bis Ende 2018 sollen sie einen neuen Staatsvertrag für ein verfassungskonformes Zulassungsverfahren für das Medizinstudium vereinbaren. Von einer Lösung scheinen sie jedoch weit entfernt - und die Uhr tickt.

"Die bundes- und landesgesetzlichen Vorschriften zur Studienplatzvergabe im Fach Medizin sind teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar", urteilte das Bundesverfassungsgericht im Dezember 2017 - und setzte den Ländern eine enge Frist: Bis Ende 2019 sollen sie Regelungen vorgegeben, um ein verfassungskonformes Zulassungsverfahren umzusetzen. Dafür müssen sie bis Ende 2018 einen neuen Staatsvertrag vereinbaren. Adobe Stock/rh2010

 

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte auf ihrer Sitzung am 12. Oktober die Vereinbarung von Eckpunkten für einen neuen Staatsvertrag für das Zulassungsverfahren auf der Tagesordnung - Ergebnisse dieser Sitzung wurden jedoch noch nicht bekanntgegeben. Medienberichten zufolge sind sich die Länder nicht einig, in welchem Umfang die Abiturnote künftig berücksichtigt werden soll.

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) betrachte dies mit Sorge, heißt es in einer Mitteilung des Verbands: "Wenn ein neues Zulassungsverfahren durch alle Universitäten bis Ende 2019 rechtssicher umgesetzt sein soll, muss der neue Staatsvertrag noch in diesem Jahr ausgehandelt sein. Nur dann können alle 16 Landesparlamente diesen fristgerecht verabschieden."

MFT: "Auch die Bewerber brauchen endlich Klarheit über das zukünftige Zulasungsverfahren"

Auch für die zukünftigen Bewerber müsse endlich Klarheit über die zukünftigen Verfahren und Kriterien herrschen, betont der MFT. Dabei dürfe der Streit um den Umfang einer Abiturbestenquote nicht zulasten der Auswahlverfahren der Hochschulen gehen.

"Die einzelnen Quoten müssen in einem vernünftigen Verhältnis zueinanderstehen", mahnt Frank Wissing, MFT-Generalsekretär. "Eine Überbetonung der reinen Abiturnote verringert die Möglichkeiten für die Fakultäten, individualisierte Auswahlverfahren unter Hinzunahme weiterer Kriterien zu gestalten."

Richtungsentscheidung der Kultusministerkonferenz

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat Freitag die Eckpunkte zur Vergabe von Studienplätzen im Fach Humanmedizin verabschiedet: Die Abiturbestenote bleibt weiterhin maßgeblich und die Wartezeitenquote fällt weg.

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Der MFT und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) hatten bereits im vergangenen Jahr einen gemeinsamen Vorschlag zur Neugestaltung des Auswahlverfahrens vorgelegt, der auch den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts im Rahmen des NC-Urteils entspricht.

Das wollen die Fakultäten und Medizinstudierdenen

Von MFT und bvmd wird folgendes Modell vorgeschlagen:

1) Die jetzige Vorabquote für Härtefälle, Nicht-EU-Ausländer, Sanitätsoffiziersanwärter usw. belibt unverändert erhalten. Sollte zusätzlich eine sogenannte Landarztquote eingeführt werden, ist diese als Vorabquote abzubilden.

2) Die drei bisher separaten Quoten für die Abiturbesten, das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) sowie die Wartezeit werden zu einer gemeinsamen Quote zusammengeführt werden.

3) In einem ersten Schritt erfolgt für alle Studierenden eine zentrale deutschlandweite Auswahlstufe über die Stiftung für Hochschulzulassung, mit Kombination folgender Kriterien:

  • Abiturnote (max. 40 Punkte): Das Notenspektrum des bestandenen Abiturs sollte linear über die Punkteskala abgebildet werden. So bleibt die Abiturnote weiterhin ein maßgebliches Auswahlkriterium.
  • Studierfähigkeitstest (max. 40 Punkte): Ein solcher Test muss zu einem großen Teil auch nichtschulisches Wissen und Fähigkeiten testen. Eine Weiterentwicklung der in Deutschland bereits etablierten Tests TMS (Test für Medizinische Studiengänge) und HAM-Nat (Hamburger Naturwissenschaftstest) soll angestrebt werden. Die Punkteskala sollte nichtlinear abgebildet werden (mittleres Testergebnis: 0 Punkte; oberste 99% Perzentile: 40 Punkte). Der Test soll deutschlandweit angeboten werden.
  • Berufspraktische Erfahrung in einem medizinnahen Bereich oder ein staatlich anerkannter Freiwilligendienst (max. 10 Punkte): Die Höchstzahl von 10 Punkten soll für eine Tätigkeit von 12 Monaten vergeben werden. Längere Zeiten sollten nicht berücksichtigt werden, um nicht in Konkurrenz mit anderen Ausbildungsberufen zu treten.
  • Situational Judgement Test (SJT) (max. 10 Punkte): Hier soll insbesondere aufgaben- und kontextbezogenes Wissen und soziale Kompetenz getestet werden.

4) Die Punkte für alle vier Kriterien werden summiert, anhand der Punktsumme würde eine bundesweite Reihung erstellt werden.

5) 50 Prozent der an jeder Universität zu vergebenden Studienplätze werden anhand der Punktereihung gemäß der geäußerten Ortspräferenz der Bewerber direkt vergeben werden.

6) Die übrigen 50 Prozent der Plätze eines jeden Standorts können gemäß eines standortspezifischen AdH-Verfahrens vergeben werden. Wie viele Bewerber mit der entsprechenden Ortspräferenz entlang der Punktereihung in das jeweilige AdH eingeladen werden werden, obliegt den Universitäten. Ihnen steht frei, auf ein separates AdH zu verzichten und die weiteren Plätze gemäß der Reihung aus dem zentralen Verfahren weiter aufzufüllen bzw. dabei die bereits erfassten Kriterien anders zu gewichten.

7) Im AdH können weitere Kriterien für die Auswahl hinzugezogen werden, wie z.B. zusätzliche berufliche Qualifikationen oder Noten einzelner Schulfächer. Es kann ein Assessment kommunikativer und sozialer Kompetenzen oder der Motivation erfolgen oder (Mini-)Interviews durchgeführt werden.

8) Die erste Auswahlstufe mit den oben genannten Kriterien soll auch bei Einführung der Landarztquote für die Bewerber innerhalb dieser Quote gelten – ebenso für die Nicht-EU-Ausländer. Diese werden jedoch nur innerhalb dieser Quote miteinander konkurrieren. Hierfür müsste ein geeignetes Verfahren gefunden werden. Die Anwendung für weitere Gruppen der Vorabquote ist zu prüfen.

aus "Gemeinsame Stellungnahme der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) und des Medizinisches Fakultätentages e.V. (MFT)  - Vorschlag für ein neues Modell der Studierendenauswahl in der Medizin"

Der Medizinische Fakultätentag ist der Dachverband der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Deutschlands. Sie verantworten in über 70 verschiedenen Studiengängen die Ausbildung von rund 93.000 Studierenden der Human- und Zahnmedizin sowie der Gesundheitswissenschaften.

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Uwe Rieger
Ja passt zur Regierung. Solange alles abändern bis die (gute) Abiturnote keinen Einfluss mehr hat. Kein Wunder, dass Deutschland immer weiter zurückfällt. In Ingenieurberufen ist genau deshalb die Studienabbrecherquote so hoch, weil die Abiturienten zu wenig
mehr anzeigen ...
Wissen mitbringen. In der Medizin scheint das politisch erwünscht.

Vor 7 Monaten 3 Wochen
1539795100
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