Wissenschaftsrat zur Medizinerausbildung in Oldenburg

Forschung gut, Klinik verbesserungswürdig

Ein großes Potenzial in der Medizinerausbildung bescheinigt der Wissenschaftsrat der European Medical School Oldenburg-Groningen mit ihrem Modellstudiengang Humanmedizin.

Blick in die Bibliothek. Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

In seiner aktuellen Stellungnahme hat der Wissenschaftsrat die Weiterentwicklung der Universitätsmedizin unter besonderer Berücksichtigung der European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS) umfassend begutachtet.

Viele Aspekte des Masterplans Medizinstudium 2020 sind dort schon berücksichtigt. Nachbesserungsbedarf gibt es bei der Kooperation mit Krankenhäusern.

Das Curriculum überzeugt

Das Curriculum überzeugt demnach vor allem durch die Integration moderner Lehr-Lernmethoden, eine konsequente wissenschaftliche Ausbildung sowie eine frühe und umfangreiche Einbindung von Lehrpraxen. Großes Potenzial für die Medizinerausbildung sieht der Wissenschaftsrat in der Verbindung zu den Naturwissenschaften mit ihrem kompetenten technischen Angebot. So gehört die Forschung auf dem Gebiet der Neurosensorik und Hörforschung von Beginn an zu den Forschungsschwerpunkten, die das wissenschaftliche Profil der Fakultät bestimmen.

Dennoch gibt es auch Anlass zur Kritik, wie Martina Brockmeier, Vorsitzende des Wissenschaftsrats, formulierte: „Um allerdings die hohen Qualitätsstandards einer Universitätsmedizin erfüllen zu können, bedarf es weiterhin erheblicher Nachbesserungen. Dies betrifft insbesondere die Gestaltung eines tragfähigen Kooperationsmodells mit den externen Krankenhäusern und den Aufbau des wissenschaftlichen Personals, aber auch den Ausbau der informationstechnischen Infrastruktur und Digitalisierung.“

Der Wissenschaftsrat bemängelt, dass zentrale Kritikpunkte aus seiner ersten Stellungnahme, die sich auf die Gründung eines Universitätsklinikums sowie den personellen Aufbau in den klinischen Einrichtungen bezogen, bislang nicht ausgeräumt werden konnten.

Insbesondere sei es Oldenburg nicht gelungen, eine tragfähige Lösung für ein Universitätsklinikum beziehungsweise ein Kooperationsmodell mit verschiedenen Klinikpartnern und eine zukunftsfähige Governance zu entwickeln.

Auch sei der personelle Aufbau in den klinischen Einrichtungen erst in Ansätzen erfolgt. So bestehen noch erhebliche Vakanzen, und die Umwandlung von Verwaltungsprofessuren an den klinischen Einrichtungen in reguläre nebenberufliche Professuren wirft weiterhin Fragen bezüglich der wissenschaftlichen Qualitätssicherung auf.

Aber die Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Krankenversorgung werden noch nicht konsequent genutzt

Von hoher strategischer Bedeutung für die Weiterentwicklung der Universitätsmedizin Oldenburg ist für den Wissenschaftsrat die Kooperation mit Groningen. Brockmeier: „Mit der Universität Groningen verfügt die Universitätsmedizin über eine starke und anerkannte Partneruniversität, die mit ihrer Erfahrung maßgeblich zum Erfolg des gemeinsam verantworteten Modellstudiengangs beigetragen hat. Darüber hinaus sind die Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Krankenversorgung aber noch nicht konsequent genutzt worden.“

Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Universitätsmedizin in Oldenburg sieht der Wissenschaftsrat auch das Land Niedersachsen in der Pflicht, den Standort sowohl finanziell zu unterstützen, als auch bei der Entwicklung geeigneter rechtlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen eng zu begleiten.

Grenzüberschreitende Medizinerausbildung

Die Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften in Oldenburg wurde im Jahr 2012 gegründet. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben in Forschung und Lehre arbeitet sie eng mit vier rechtlich eigenständigen Krankenhäusern in Oldenburg zusammen: Klinikum Oldenburg, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg, Pius-Hospital Oldenburg, Karl-Jaspers-Klinik. Dieses Kooperationsmodellwird durch eine Rahmenvereinbarung zwischen Universität, Land und Krankenhäusern sowie durch bilaterale Verträge geregelt.

Im Jahr 2017 (neueste Angaben des Wissenschaftsrats) gab es 484 Studierende im Wintersemester, davon 240 in der Humanmedizin und 244 in anderen Studiengängen. Der Frauenanteil betrug 63,4 Prozent. Humanmedizin wird als Modellstudiengang Humanmedizin angeboten. Zu den Gründungseigenschaften der Universitätsmedizin Oldenburg gehört die enge Kooperation in der Lehre mit der 130 Kilometer entfernten Rijksuniversiteit Groningen. Im Rahmen der gemeinsam betriebenen European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS) bieten die beiden Universitäten eine grenzüberschreitende Medizinerausbildung an. Seit dem WS 2012/13 nehmen pro Studienjahr 40 Studierende das Studium im Modellstudiengang Humanmedizin auf. Obligatorisch ist dabei ein einjähriger Studienaufenthalt der Oldenburger Studierenden in Groningen.

Das Land Niedersachsen plant bis zum Jahr 2024 eine stufenweise Erhöhung von 40 auf 200 Medizinstudienplätze in Oldenburg. Mit einer Änderung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes wurde die jährliche Zulassungszahl ab dem Wintersemester 2019/2020 bereits auf 80 Studierende festgesetzt.

Die enge Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen (RUG) beziehungsweise dem Universitair Medisch Centrum Groningen (UMCG) der RUG in der Lehre gehört zu den Gründungseigenschaften der Fakultät. Vorgesehen war ursprünglich ein gemeinsam durchgeführter gestufter Modellstudiengang Humanmedizin mit dem Erwerb eines Bachelorabschlusses an der Universität Oldenburg sowie eines Master-of-Science-Doppelabschlusses in Humanmedizin (UOL) und in Geneeskunde (RUG). Bereits während des Beratungsprozesses des Wissenschaftsrats zu der Stellungnahme im Jahr 2010 wurden jedoch konzeptionelle Änderungen vorgenommen, die auf eine Vereinbarkeit des angebotenen Studiums der Humanmedizin mit den in der Approbationsordnung für Ärzte angegebenen Mindestanforderungen abzielten. Demzufolge wurde das Studium an der EMS als Modellstudiengang mit Staatsexamensabschluss eingerichtet. Die Kooperation in Lehre und Forschung ist in einem Vertrag zwischen der Universität Oldenburg, der Rijksuniversiteit Groningen und dem Universitair Medisch Centrum Groningen geregelt.

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