Offener Brief an GKV-Spitzenverband

Hausärzte: "Krankenkassen tragen maßgeblich zur Belastung der Mediziner bei!"

In scharfem Ton hat der Deutsche Hausärzteverband dem GKV-Spitzenverband in einem offenen Brief vorgeworfen, sich zu sehr in die Belange des Praxisalltags einzumischen und den freien Arztberuf normieren und reglementieren zu wollen.

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Der Verband reagierte damit nicht zuletzt auf Äußerungen des GKV-Spitzenverbandes, die vom Gesetzgeber vorgesehenen Ausweitung der Mindestsprechstundenzeiten nicht finanzieren zu wollen.

"Ihre Aussagen belegen eine zunehmende Entfremdung Ihrer Organisation mit dem Versorgungsalltag!"

Gleichzeitig wehrt sich der Verband gegen Behauptungen die aus seiner Sicht nahelegen, dass die Probleme bei der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung aus einer mangelnden Leistungsbereitschaft der Hausärzte resultieren: "Ihre Aussagen belegen eine zunehmende Entfremdung Ihrer Organisation mit dem Versorgungsalltag" schreibt der Bundesvorsitzende Ulrich Weigelt in dem Brief. Die Arbeitsbelastung der Hausärzte ist seit vielen Jahren konstant hoch, argumentiert Weigelt weiter.

KBV-Vorstand: "Hören Sie auf, Ärzte, die im Schnitt 53 Wochenstunden arbeiten, als Leistungsverweigerer darzustellen!"
 
Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – Dr. Andreas Gassen, Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Thomas Kriedel – unterstützt wesentliche Positionen, die der Deutsche Hausärzteverband vergangenen Freitag in einem Offenen Brief an den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) formuliert hat.

"Die Erwartungen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind so einfach wie gerechtfertigt: Arbeit, die geleistet wird, muss auch bezahlt werden! Schluss mit ideologisch motivierter Kontrollwut und Regulierungswahn! Respekt für den freien Beruf! Und: Hören Sie auf, Ärzte, die im Schnitt 53 Wochenstunden arbeiten – auch nachts und am Wochenende – als Leistungsverweigerer darzustellen!“, verdeutlichte Gassen.

„Eigentlich ist es Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Ärzte ihren Beruf gerne ausüben und auch der medizinische Nachwuchs sich für die Niederlassung entscheidet. Alle Bemühungen unsererseits, diese Ziele zu erreichen, werden aktuell jedoch vom GKV-Spitzenverband und von Teilen der Politik torpediert. Damit wird deutlich, wie wenig die harte und verantwortungsvolle ärztliche Arbeit dort geschätzt wird. So wird kein Nachwuchs zu gewinnen sein!“, betonte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hofmeister.
 
„Eines sollte allen Beteiligten klar sein: Wenn wir unser Gesundheitswesen auch für die nächste Generation – und zwar sowohl für diejenigen, die es nutzen als auch für diejenigen, die darin arbeiten! – leistungsstark und attraktiv machen möchten, dann geht das nur miteinander, nicht gegeneinander“, ergänzte Hofmeister.

Jüngste Erhebungen zeigten, dass ein Hausarzt durchschnittlich 53 Stunden pro Woche arbeitet. Gründe für die hohe Belastung seien neben der steigenden Morbidität der Bevölkerung und Nachwuchsproblemen auch die stetig zunehmende bürokratische Belastung.

"Zu dieser Belastung tragen die Krankenkassen maßgeblich bei!"

"Zu dieser (Belastung, Anm. d. Red.) tragen die Krankenkassen maßgeblich bei!" heißt es in dem Brief. "Anstatt also die Hausärztinnen und Hausärzte aufzufordern, zukünftig weitere Sprechstunden samstags und spätabends anzubieten, sollten Sie dafür sorgen, dass Sie die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen nicht durch überbordende bürokratische Regularien von der Versorgung der Patientinnen und Patienten abhalten. Übrigens verkennen Sie bei Ihren Ausführungen, dass viele Kolleginnen und Kollegen schon heute, beispielsweise im Rahmen des Notdienstes, an den Wochenenden die Versorgung der Patienten sicherstellen."

Die Hausärzte werfen dem GKV-Spitzenverband darüber hinaus vor, Ärzte und Patienten gegeneinander auszuspielen. Weigelt: "Diese erleben tagtäglich, wie die Krankenkassen bei notwendigen Leistungen, beispielsweise im Heilmittelbereich, auf ihre Kosten versuchen zu sparen. Der GKV-Spitzenverband, als Dachorganisation der gesetzlichen Krankenkassen, ist angehalten, sich auf seine ihm gesetzlich auferlegten Aufgaben zu konzentrieren und von einem weiteren Hineinregieren in den Praxisalltag abzusehen!"

Weigelt fordert den Spitzenverband dazu auf, von weiteren Schuldzuweisungen an die Hausärzte abzusehen und für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen einzutreten, die sich am gesellschaftlichen Bedarf orientieren. Dazu zählt laut Weigelt insbesondere die Entbudgetierung typisch hausärztlicher Leistungen wie Hausbesuche, Geriatrie, Palliativmedizin und Gesprächsleistungen.

Ferner gehöre dazu die Vergütung von Hausbesuchen, die auf einer betriebswirtschaftlichen Kalkulation, vergleichbar mit der bei technischen Leistungen, basiert. Außerdem plädiert Weigelt für eine gemeinsame Initiative von Krankenkassen und Ärzteschaft zur nachhaltigen Bekämpfung des Bürokratiewahnsinns in den Praxen.

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