Jahrestagung des PKV-Verbandes

"In der Pflege die Eigenverantwortung stärken"

Wie kann Pflege im demografischen Wandel finanziert werden? Können Roboter den Ressourcenmangel auffangen? Und welche Rolle spielen digitale Innovationen? Das diskutierten Experten auf der diesjährigen Jahrestagung des PKV-Verbandes in Berlin.

Anhand eines Filmbeitrags konnten die Teilnehmer der Jahrestagung erleben, wie der Roboter Pepper in einer Senioreneinrichtung beispielhaft zum Einsatz kommt. Viele Senioren, aber auch das Pflegepersonal, zeigten sich aufgeschlossen. Pepper ist rund 1,20 Meter groß, bewegt sich auf Rollen und ist nach dem Kindchen-Schema gestaltet, damit Menschen sich von ihm angesprochen fühlen. zm/pr

Die Pflege auf den wachsenden Bedarf der Bevölkerung auszurichten – diese Aufgabe hat sich der PKV-Verband gestellt. Auf seiner Jahrestagung am 13. Juni in Berlin formulierte der Verbandsvorsitzende Uwe Lauer Problempunkte und Lösungsansätze aus Sicht der PKV.

Auch die PKV sieht die Notwendigkeit, die Strukturen in der Pflege weiter zu verbessern und neue Pflegestellen zu schaffen, um den Bereich zukunftsfest aufzustellen, sagte Lauer. Dazu leisten die Beitragszahler der PKV einen erheblichen finanziellen Beitrag. Lauer mahnte, dass die Politik ihre Verantwortung für die dauerhafte Finanzierung nicht aus den Augen verlieren sollte: "Die Gesundheitspolitiker vieler Parteien überbieten sich geradezu mit immer neuen Leistungsversprechungen", sagte er und nannte als Beispiel die aktuelle Debatte zur Deckelung der Eigenanteile der Pflegebedürftigen.

PKV-Vorstandsvorsitzender Uwe Lauer setzt sich dafür ein, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen im Sinne des Patienten gestaltet wird. Die PKV versteht sich als Motor von Innovationen, erklärte er auf der Jahrestagung seines Verbandes in Berlin. Vor Journalisten gab Laue auch kurze Informationen zum laufenden Novellierungsprozess der GOÄ. Er geht davon aus, dass dem Bundesgesundheitsministerium bald ein zwischen Ärzten, PKV und Beihilfe konsentierter Vorschlag vorgelegt werden kann. Geplant sei eine Aufwertung der sprechenden Medizin und eine Abwertung der Apparatemedizin. | zm/pr

Sieht man die demografische Entwicklung in den kommenden Jahren und den daraus folgenden Pflegebedarf, schreibt dann die Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung fort und bezieht dann noch die Ausgabensteigerungen durch die Pflegegesetze der letzten Jahre mit ein, dann droht bis 2040 ein Anstieg der Belastung der Beitragszahler um mehr als das Zweieinhalbfache. Die aktuellen politischen Ideen würden dazu führen, dass die „rote Linie“ der 40-Prozent-Obergrenze für die Lohnzusatzkosten bald überschritten ist, prognostizierte Lauer.

Betriebliche Krankenversicherung wächst

Unternehmen und Belegschaften nehmen die betriebliche Krankenversicherung rege in Anspruch. Rund 7.700 Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern eine solche Versicherung an (Stand: 31.12.2018), meldet der PKV-Verband dazu. Das ist eine Verdopplung in drei Jahren (2015: 3.848 Unternehmen). Mehr als 750.000 Beschäftige kommen dadurch in den Genuss zusätzlicher Gesundheitsleistungen, so der Verband. Und Arbeitgeber nutzen sie als Instrument, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden.

Was aus Sicht des Verbandes ärgerlich ist, ist ein Vorstoß aus dem Bundesfinanzministerium zu Lasten der Arbeitnehmer. Nach dem Entwurf für das Jahressteuergesetz sollen Beiträge des Arbeitgebers zu Leistungen der Zukunftssicherung als steuerpflichtiger "Barlohn“"eingestuft werden. Der PKV-Verband führt an, dass nach dem Gesetzesentwurf für Tankgutscheine und für Amazon-Gutschiene weiterhin ein Steuervorteil gelten soll.

PKV-Chef Lauer dazu: "Es ist nicht nachvollziehbar und auch nicht akzeptabel, wenn betriebliche Leistungen zu Gunsten der Gesundheit der Mitarbeiter steuerlich belastet werden – gleichzeitig aber die Ausgabe von Tankgutscheinen steuerlich gefördert wird. Der Minister will also klimaschädliche Leistungen begünstigen und gesundheitsfördernde Leistungen belasten. Und das in einem Gesetz, das die Förderung der Elektromobilität im Titel trägt. Das kann doch nicht sein Ernst sein. Wir fordern hier dringend ein Umdenken."

Die PKV mit ihrer kapitalgedeckten Vorsorge versteht sich hier als ein Teil der Lösung. Lauers Vorschlag: Die Umlagefinanzierung der Gesetzlichen Pflegeversicherung, die durch den demografischen Wandel bald an ihre Grenzen stößt, sollte sinnvoll ergänzt werden, und zwar durch eine Stärkung der privaten, kapitalgedeckten Vorsorge - gerade auch für jüngere Versicherte. Der Anspruch der alternden Gesellschaft an eine menschenwürdige Pflege ist laut Lauer mittelfristig nur finanzierbar, wenn die Eigenvorsorge gestärkt wird.

GKV und PKV würden sich sinnvoll ergänzen, gerade auch, was die Versorgung jüngerer Menschen angeht, zeigte sich Lauer überzeugt. Gefährdet wird der Wettbewerb zwischen beiden Systemen durch das sogenannte Hamburger Modell, bei dem Beamte in einigen Bundesländern 50 Prozent der Krankenkassenbeiträge finanziert bekommen – unabhängig davon, ob sie sich privat oder gesetzlich krankenversichern. Das bringe mehr Schaden als Nutzen, zeigte sich Lauer überzeugt.

PKV als Treiber von digitalen Innovationen

Mit Robotern gegen den Ressourcenmangel in der Pflege? Was ein Roboter kann und wo die Grenzen sind, demonstrierte „Pepper“ den Teilnehmern der PKV-Jahrestagung. Fest steht: Der Roboter soll Pflegepersonal nicht ersetzen, sondern bei einfachen Tätigkeiten unterstützen. Er erkennt Gesichter, merkt sich einfache Sätze und folgt mit seinem Blick den Menschen. Alles, was er sagt und macht, muss zuvor eingegeben werden. Im Pflegebereich wird er vor allem als Entertainment-Element in Interaktion mit den Pflegebedürftigen eingesetzt – sei es beim Tanzen, bei Gedächtnis-Spielen, beim Bilderzeigen (per Tablet auf dem Bauch) oder in der einfachen Kommunikation. Im Umgang etwa mit Demenzkranken hat sich der Roboter bewährt. Zum Einsatz in Pflege- und Senioreneinrichtungen muss das Personal speziell geschult werden, gesteuert wird er über eine App. Entwickelt wurde Pepper in Frankreich, in Japan wird er inzwischen vielseitig genutzt (etwa in der Werbung, in Shops oder Supermärkten - er informiert über Preise, Inhaltsstoffe und Produkte). Noch ist die Interaktion mit Robotern wie Pepper begrenzt, der Einsatz wird wissenschaftlich getestet. | zm/pr

Die PKV will - das zeigte sich auf der Jahrestagung – Treiber von digitalen Innovationen sein. Deshalb hat sich der Verband entschieden, innovative Gründer mit einem eigenen Fonds zu unterstützen und digitale Gesundheits-Startups zu fördern. Das betrifft zum Beispiel telemedizinische Angebote, Gesundheits-Apps oder Angebote, die Patienten in der Prävention oder der Therapiesicherheit von Arzneimitteln unterstützen. Dazu will der PKV-Verband eine Partnerschaft mit zwei führenden Unternehmen aus dem Digital-Health-Bereich eingehen. Details dazu werden im 2. Halbjahr 2019 bekannt gegeben.

Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, warf einen Blick auf das Meinungsbild der Bevölkerung zur Pflege. Eine große Mehrheit sieht im deutschen Pflegesystem eine Schwäche des Landes und erkennt erheblichen Handlungsbedarf. Trotzdem glauben viele, dass aufgrund des langen wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland die Ressourcen da sind, sie verlangen nach mehr Leistungen und rechnen nicht damit, dass Einschränkungen kommen werden. In Diskrepanz dazu wird aber erkannt, dass die private Vorsorge wichtig ist, sie sollte stärker staatlich gefördert werden. Die Mehrheit rechnet mit stark steigenden Kosten für die Pflege in der Zukunft. Dennoch haben wenige eine genaue Vorstellung, was sie private Vorsorge tatsächlich kosten wird. Vorsorge ist Köcher zufolge auch schichtenabhängig, deshalb sprach sie sich dafür aus, schichtenspezifische Versicherungskonzepte anzubieten. Und: die Bevölkerung sollte besser darüber informiert werden, dass private Vorsorge für die Pflege finanzierbar ist. | zm/pr

Manuel Slupina vom Think Tank „Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung“ machte deutlich, dass Wachstum und Wohlstand von immer weniger Menschen getragen werden. In ländlichen Regionen schwinden Arbeitskräfte, gleichzeitig steigt dort die Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen. Wie geht man versorgungsmäßig damit um, fragte er. Es braucht Konzepte, um junge Leute in diejenigen Regionen zu bringen, in denen sie gefragt sind. Stellschrauben, um das Demografie-Problem zu lösen, sind laut Slupina: weniger Rente, mehr arbeiten und eine längere Lebensarbeitszeit. | zm/pr

Dr. Nils Lahmann, Stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe Geriatrie, Klinik für Geriatrie und Altersmedizin, Charité, skizzierte aus Sicht der Forschung, inwieweit Roboter Pflegekräfte ersetzen können. Wichtig ist die Wahrung der Patientensicherheit, betonte er. Vielversprechende Ansätze in Testphasen für den Einsatz von Robotern gibt es bereits etwa beim Monitoring in der Intensivpflege, bei der Dekubitusversorgung oder der Blutzuckerkontrolle (unter der Haut). Bei robotischen Systemen wird schon viel im Markt investiert, es geht aber um die Alltagstauglichkeit – und auch um rechtliche und ethische Aspekte. | zm/pr

Dr. Ralf Kantak ist neuer Vorsitzender

Der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. hat mit Wirkung zum 1. Juli 2019 Herrn Dr. Ralf Kantak zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Er übernimmt das Amt von Uwe Laue, der sechs Jahre an der Spitze des Verbandes stand. Dr. Ralf Kantak ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der „Süddeutsche Krankenversicherung a.G.“ sowie Mitglied des PKV-Hauptausschusses. Der Hauptausschuss wählte zugleich Uwe Laue zum Ehrenmitglied des Verbandes.

Außerdem gehören dem PKV-Vorstand als stellvertretende Vorsitzende an: Thomas Brahm (neu gewählt ab 1. Juli 2019), Debeka Krankenversicherungsverein a. G., Koblenz, Dr. Andreas Eurich, Barmenia Krankenversicherung a. G., Wuppertal, Nina Klingspor (neu gewählt ab 1. Juli 2019), Allianz Private Krankenversicherungs-AG, München, Ulrich Leitermann, SIGNAL IDUNA Krankenversicherung a.G., Dortmund, Dr. Clemens Muth, DKV Deutsche Krankenversicherung AG, Köln, Dr. Thilo Schumacher, AXA Krankenversicherung AG, Köln, und Dr. Florian Reuther, Verbandsdirektor des PKV-Verbandes, als geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

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