Jubiläumsfeier

LAG Jugendzahnpflege in Niedersachsen feiert 20 Jahre

Am 3. September feierte die LAG Jugendzahnpflege in Niedersachsen ihr 20-jähriges Bestehen. Genauer gesagt: "LAG Jugendzahnpflege in Niedersachsen e.V." Denn das „e.V.“ war wichtig für die Veranstaltung. Aber das wurde erst am Ende der Reden zur Jubiläumsfeier deutlich.

Zur Eröffnung der Jubiläumsveranstaltung sah sich ein Teil der nachwachsenden Zielgruppe der LAGJ beim Theaterstück „Olaf und die Bakterien“ vom „Holzwurm Theater“ mit den Themen "Zahnpflege, gesunde Ernährung und Zahnbehandlung" konfrontiert. Sie konnten dem Puppenspieler aus Winsen unter anderem dabei zuschauen, wie es sich eine bunte Schar böser Bakterien auf einem Zahn bequem macht, wie sie lernen (durch körperliche Ausscheidungen – großes Gejohle im Publikum), sich im Zahn zu verankern, und wie sie sich einen (innen dekorativ beleuchteten) Schutz selbst vor der für die Bakterien „gefährlichen“ Zahnbürste bauen. Als Abschluss dieser Szene erlebten die Kinder dann noch ansatzweise, wie der Zahnarzt die Brutstätte der Bakterien entfernt und den Nerv durch eine Füllung von der Umgebung wieder abschirmt. Gerd Eisentraut

 

Die Aufgaben der LAGJ werden auf absehbare Zeit nicht abreißen: Alle Beteiligten demonstrierten den Schulterschluss im Haus der Regionen in Hannover am Montag, 3. September anlässlich der Jubiläumsfeier. Mehrere Redner betonten die Schieflage der Zahngesundheit bei Kindern.

Dipl. Biol. Jeanette Kluba, M. Sc., Geschäftsführerin der LAGJ, begrüßte eingangs namentlich ausgewählte Gäste, die der LAGJ über viele Jahre verbunden waren, wie die frühere Geschäftsführerin Dr. Andrea Barth. Dr. Karl-Heinz Stock, ein langjähriger Wegbereiter der LAGJ, konnte leider nicht teilnehmen.

Schulterschluss: 20 Jahre LAG Jugendzahnpflege in Niedersachsen e.V.  | Gerd Eisentraut

Als erste Festrednerin stellte Dr. Andrea Hanke, Regionsrätin und Leiterin des Dezernats Soziale Infrastruktur der Region Hannover, fest, dass ihre Organisation für rund 100.000 Kinder zuständig ist. An sechs Standorten sind 30 Mitarbeiterinnen dafür tätig. Die Zahnärzte und ihre Mitarbeiterinnen betreuen pro Jahr rund 66.000 Kinder. Dazu kommen noch viele Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen wie Erzieherinnen und Lehrer. Auf die Erfolge der Gruppenprophylaxe können alle Beteiligten stolz sein, so die Referentin. Die Verbindung von Gruppenprophylaxe in den Einrichtungen und Individual-Prophylaxe in den Zahnarztpraxen hat sich in einer verbesserten Zahngesundheit niedergeschlagen, betonte Dr. Hanke. Allerdings müssten nach ihren Ausführungen die Risikogruppen weiterhin gezielt angesprochen werden.

Windus: "Hochrisikogruppen müssen gezielt angesprochen werden"

Ministerialrätin Dr. Gabriele Windus aus dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung meinte eingangs, dass die Zahl von 20 Jahren der Jugendzahnpflege wohl leicht gelogen sei. Die Aktivitäten reichen viel weiter zurück. Die Jugendzahnpflege ist nach ihren Ausführungen wohl die bedeutendste Erfolgsformel im Gesundheitswesen. Über 80 Prozent der über 12-Jährigen sind heute kariesfrei. „Von diesem schönen Erfolg träumen wir in anderen Bereichen“, stellte die Medizinerin Dr. Windus fest. Der Öffentliche Gesundheitsdienst muss weiter gestärkt werden, damit er seine Arbeit leisten kann, insbesondere auch, um Hochrisikogruppen gezielt ansprechen zu können.

Mit Nachdruck verwies sie auf das aktuelle Problem, wonach rund 40 Prozent der Arbeitskreise angeben, dass sie mit den Kindern neuerdings nicht mehr nach den Mahlzeiten gemeinsam die Zähne putzen wollen/können. Hier trete plötzlich wieder ein grundlegendes Problem zutage, das lange überwunden schien.

Zur Rolle von Gruppen-, Individual- und Kollektivprophylaxe

Wie kann die Prävention im Milchgebiss und bei Kariesrisikogruppen evidenzbasiert gestärkt werden?

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Carsten Göken, Referatsleiter Ambulante Versorgung beim vdek und Stellvertretender Vorsitzender des LAGJ-Vorstands, ging in seinen Ausführungen unter anderem auf die dreigeteilte Finanzierung der LAGJ ein. Die teilen sich Land, Krankenkassen und die Körperschaften der Zahnärzte. Die Gruppenprophylaxe vor Ort hat rund eine Million Kontakte in Niedersachsen im Jahr. Dazu bietet die LAGJ Fortbildungen mit einer hohen Quote an. Das reiche bis zu Angeboten für Hebammen.

Zentral erfolgt in der LAGJ auch der Einkauf von Sachmitteln. Für die Gruppenpropyhlaxe brachten die Krankenkassen im letzten Jahr 5,9 Mio Euro auf. „Basisarbeit leistet die LAGJ auch auf Publikumsmessen unter anderem mit ihrem legendären Kariestunnel“, erklärte er weiter. Göken stellte abschließend die erfreuliche Entwicklung der Zahngesundheitsdaten dar und wertete die Arbeit der LAGJ daher als „ehrenwerte Aufgabe“ für die Gesellschaft.

Berg: "Gruppenprophylaxe, die ausschließlich auf Präventionslogik setzt, bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück"

Die LAGJ Niedersachsen steht nach den Ausführungen von Bettina Berg, Geschäftsführerin der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ), mit 20 in einem wunderschönen Alter. Eine gemeinsame Qualitätsentwicklung der Gruppenprophylaxe, wie die LAGJ sie kontinuierlich verwirklicht, ist für die DAJ sehr wichtig. So hat die LAGJ Niedersachsen, die immer wieder ihre eigenen Erfahrungen und Ideen über die DAJ mit anderen LAGen geteilt und in gemeinsamen Gremien und AGen mitgewirkt hat, in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich wichtige  Impulse für die Gruppenprophylaxe als Ganzes geben können, die heute noch genauso aktuell sind wie vor Jahren.

„Explizit nennen möchte ich die Public-Health-Perspektive“, erklärte die DAJ-Geschäftsführerin. Die Gruppenprophylaxe werde zwar in starkem Maße über all die Jahre auch von zahnärztlichem Engagement getragen, sie bleibt aber hinter ihren Möglichkeiten zurück, wenn sie zu stark ausschließlich auf die individualmedizinische Handlungs- bzw. Präventionslogik setze, so die Referentin. Dass bevölkerungsbezogene Strategien benötigt werden, um vor allem (Mund-)Gesundheitliche Chancengleichheit voranzubringen, wurde gerade auch aus Niedersachsen immer wieder in die Qualitätsdiskussion in der DAJ eingebracht.

Als weiteren Punkt erwähnte Frau Berg die Beteiligung des Ethno-medizinischen Zentrums in Hannover seit Anfang der 2000er Jahre in einem Arbeitskreis in der DAJ. Ergebnisse waren u. a. das Handbuch Oralprophylaxe und Mundgesundheit bei Migranten und das Projekt MIMI – Gesundheitsförderung „Mit Migranten für Migranten“, das mit dem Thema Oralprophylaxe seinen Anfang nahm.

Vom "Löcherzählen" zur Präventionspolitik

Den zahnärztlichen Part der Festredner übernahm Dr. Wilhelm Bomfleur, ein in der Zahnärztekammer Niedersachsen, in der LAGJ und DAJ in unterschiedlichen Ämtern ehrenamtlich sowie auch privat langjährig um die Mundgesundheit engagierter Zahnarzt. Er habe sofort Protest anmelden wollen, sagte er am Rednerpult scherzhaft, als er die Einladung zum 20-jährigen Jubiläum erhalten hatte. „Denn es gab schon vor 1998 eine LAG“, stellte er fest.

Er wollte nicht auf die erste Schulzahnklinik in Deutschland in Straßburg (1902) eingehen und auch nicht auf die erste private zahnärztliche Poliklinik Deutschland durch Carl Kühns in Hannover etwa zur selben Zeit. Er wollte auch nicht auf das Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens vom 3. Juli 1934 eingehen, in dem den Gesundheitsämtern unter anderem die Schulgesundheitspflege übertragen wurde. Richtig beginnen wollte er am 13. März 1949. An diesem Tage wurde in Niedersachsen die „Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahn- und -Mundpflege“ gegründet.

Dr. Bomfleur dazu: „Damals war dies kein eingetragener Verein. Sonst wäre dies heute hier unsere Feier zum 70-jährigen Bestehen.“ Anfangs begrenzte sich die Tätigkeit der LAG wohl mehr auf das „Löcherzählen“. Erst langsam setzte sich der Paradigmenwechsel vom Kurativen zum Präventiven durch.

Kariesrisikobetreuung von vulnerablen Gruppen

Zahnärztliche Teams im Öffentlichen Gesundheitsdienst haben eine Schlüsselfunktion, wenn es darum geht, vulnerable Gruppen anzusprechen, bei denen der Zugang zu Prävention und Versorgung schwierig ist.

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Synonym für den Wandel in Niedersachsen war Dr. Karl-Heinz Stock, Zahnarzt in Hannover und langjähriger Wegbereiter der LAGJ. Dr. Bomfleur zitierte dann aus den Aufzeichnungen von Dr. Stock unter anderem, dass es ihm damals wichtig gewesen sei, die Schulzahnpflege auszuweiten auf Kindergärten und Behinderte, spezielle Prophylaxehelferinnen für die Betreuung von Kindern einzustellen und wissenschaftliche Untersuchungen über die Zahngesundheit (Professor Dr. Pieper, Göttingen) zu initiieren.

Das Jahr 1988 bezeichnete Dr. Bomfleur als Schicksalsjahr. Denn das Land Niedersachsen konnte der LAGJ als Gesellschaft bürgerlichen Rechts nicht länger Mittel zuweisen. Dafür musste ein Verein gegründet werden. Das dauerte allerdings zehn Jahre. In dieser Zeit wurde die LAGJ in die Landesvereinigung Gesundheit eingebunden. Am Ende zahlreicher Bemühungen, eine Satzung für den Verein aufzustellen, sprach die damalige Staatssekretärin im Sozialministerium, Brigitte Zypries, ein Machtwort, lud die Beteiligten zu einer Krisensitzung ein, und es gelang ihr, den Knoten zu durchschlagen. Fortan konnte die LAGJ als eingetragener Verein arbeiten.

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