Großbritannien

Mit Junk-Food-Werbeverbot gegen Corona

Werbeverbot bis 21 Uhr, Kalorienangaben auf Speisekarten und umfangreiche Regeln für Supermärkte: Die britische Regierung kämpft verstärkt gegen Adipositas, um die Zahl der schweren COVID-Verläufe zu senken.

Neue Gesetze verbieten in Großbritannien die Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt (HFSS) im Fernsehen und online vor 21 Uhr, da Kinder sie in dieser Zeit am wahrscheinlichsten sehen. Im Vorfeld will die Regierung noch klären, ob das Verbot von Online-Werbung für HFSS zu jeder Tageszeit gelten soll. AdobeStock_Imagewriter_MITstudio

"Wir wissen, dass Fettleibigkeit das Risiko schwerer Krankheiten und Sterberisiko bei COVID-19 erhöht", teilte der britische Gesundheits- und Sozialminister Matt Hancock mit. "Daher ist es wichtig, dass wir Maßnahmen gegen Fettleibigkeit ergreifen, um den National Health Service (NHS) zu schützen und die Gesundheit unserer Nation zu verbessern."

Hancocks Ministerium hatte ein neues Maßnahmenpaket und eine Kampagne namens "Better Health" angekündigt, um Menschen beim Abnehmen zu helfen. In einer Mitteilung wird Adipositas als "Zeitbombe" bezeichnet.


Das sind die geplanten Maßnahmen

Neue Gesetze verbieten in Großbritannien die Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt (HFSS) im Fernsehen und online vor 21 Uhr, da Kinder sie in dieser Zeit am wahrscheinlichsten sehen. Im Vorfeld will die Regierung noch klären, ob das Verbot von Online-Werbung für HFSS zu jeder Tageszeit gelten soll.

Hintergrund der Maßnahme: Eine von Cancer Research UK im September 2019 veröffentlichte Analyse zeigt, heißt es, "dass fast die Hälfte (47,6 Prozent) aller im Laufe des Monats auf den Fernsehsendern ITV1, Channel 4, Channel 5 und Sky1 gezeigten Lebensmittelwerbungen für Produkte mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt bestimmt waren." Der Wert steige auf fast 60 Prozent während des Zeitfensters von 18 bis 21 Uhr – dem Zeitfenster, in dem Kindern in Großbritannien am häufigsten Fernsehen schauen.

Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Exposition gegenüber HFSS-Werbung sowohl kurzfristig als auch langfristig Einfluss darauf haben kann, was und wann Kinder essen, lautet das Fazit des britischen Gesundheitsministeriums.

Neue Gesetze werden die Werbung für fett- und zuckerreiche Lebensmittel wie "Buy One, Get One Free"-Angebote einschränken, heißt es. "Es wird auch verboten sein, diese Artikel an prominenten Orten in Geschäften wie an Kassen und Eingängen sowie online zu platzieren." Eine Umfrage aus dem Jahr 2018 zeige, dass rund 43 Prozent aller prominenten Platzierungen für zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke verwendet würden, verglichen mit nur 1 Prozent für "gesunde" Produkte. Geschäfte sollen durch die Regel "ermutigt werden, gesündere Entscheidungen zu fördern und mehr Rabatte auf Lebensmittel wie Obst und Gemüse anzubieten."

Nach neuen Gesetzen müssen große Restaurants, Cafés und Imbissbuden mit mehr als 250 Mitarbeitern den von ihnen verkauften Lebensmitteln Kalorienkennzeichnungen hinzufügen. Untersuchungen zeigten, dass insbesondere in Familien immer häufiger außerhäusig essen gehen. 75 Prozent der Menschen besuchten in der vergangenen Woche ein Restaurant, ein Fast-Food-Restaurant oder kauften ein Essen zum Mitnehmen, verglichen mit 69 Prozent im Jahr 2010, so das britische Gesundheitsministerium. Es mangelt jedoch häufig an Informationen über den Kaloriengehalt dieser Produkte, heißt es. Die neue Maßnahme soll helfen, "im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung gesündere und fundiertere Entscheidungen zu treffen."

Vor Ende des Jahres wird eine neue Konsultation zu Plänen zur Kalorienkennzeichnung von Alkohol eingeleitet. Schätzungen zufolge macht der Alkoholkonsum fast 10 Prozent der Kalorienaufnahme derjenigen aus, die Alkohol trinken. Rund 3,4 Millionen Erwachsene würden so zusätzliche Kalorien aufnehmen. Gleichzeitig zeigten Untersuchungen, dass die Mehrheit der Bürger (80 Prozent) den Kaloriengehalt gängiger Getränke nicht kennt und viele den tatsächlichen Gehalt in der Regel unterschätzen.

Das britische Gesundheitsministerium will eine Konsultation einleiten, um mehr über die Wirksamkeit des aktuell verwendeten Nährwert-Ampelkennzeichnungssystems zu erfahren. Laut Ministerium sind sich heute schon 90 Prozent der Verbraucher einig, dass es ihnen hilft, fundierte Entscheidungen beim Kauf von Lebensmitteln zu treffen.

Untersuchungen zeigten, dass Menschen, die sich mit der Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite der Packung befassen, gesünder einkauften. Die Warenkörbe enthielten weniger Kalorien, weniger Zucker-, Fett- und Salzgehalt und einen höheren Ballaststoffgehalt.

"Gewichtsmanagementdienste" sollen erweitert werden, damit mehr Menschen die Unterstützung erhalten, die sie zum Abnehmen benötigen, heißt es. Dies umfasse mehr Self-Care-Apps und Online-Tools für Menschen mit Adipositas und die Beschleunigung des Diabetes-Präventionsprogramms im National Health Service (NHS).

Ab 2021 würden dann Ärzten Anreize geboten, "um sicherzustellen, dass Menschen mit Adipositas Unterstützung beim Abnehmen erhalten." Unabhängig davon sollen Allgemeinmediziner auch dazu ermutigt werden, Bewegung und mehr soziale Aktivitäten vorzuschreiben, "um den Menschen zu helfen, fit zu bleiben."


Hintergrund der angekündigten Maßnahmen ist ein neuer Bericht von Public Health England (PHE), der die Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas auf die Schwere von COVID-19-Krankheitsverläufen zusammenfasst. Die Regierung betont darin, dass Übergewicht nicht die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erhöht, britische und internationale Erkenntnisse jedoch darauf hindeuten, dass das Risiko eines Krankenhausaufenthalts, einer Aufnahme auf der Intensivstation und eines lethalen Verlaufs von COVID-19 mit zunehmendem Body-Mass-Index (BMI) erheblich zunimmt.

So habe eine Studie ergeben, dass bei Menschen mit einem BMI von 35 bis 40 das Sterbesrisiko durch COVID-19 um 40 Prozent und bei einem BMI von mehr als 40 um 90 Prozent im Vergleich zu Menschen ohne Adipositas steigt. Andere Daten ergaben demnach, dass auf Intensivstationen 7,9 Prozent der kritisch erkranken Patienten mit COVID-19 einen BMI von mehr 40 hatten, verglichen mit 2,9 Prozent der Allgemeinbevölkerung.

Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Erwachsenen in England sind laut Gesundheitsbehörden übergewichtig oder adipös, Menschen im Alter von 55 bis 74 Jahren, Menschen aus sozialen Brennpunkten und bestimmte ethnische Gruppen sind noch stärker betroffen.

Yang, J., Hu, J. and Zhu, C. (2020), "Obesity aggravates COVID‐19: a systematic review and meta‐analysis." J Med Virol. Accepted Author Manuscript. doi:10.1002/jmv.26237

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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