Jahresempfang der Stiftung Gesundheit

Preis für Multi-Media-Reportage zu Frühgeburten

Deike Diening, Reporterin beim Tagesspiegel, ist mit dem Publizistik-Preis 2018 der Stiftung Gesundheit ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde ihre Reportage „390 Gramm“ über Frühgeburten und die Grenze zur Lebensfähigkeit.

Preisverleihung anlässlich des Jahresempfangs der Stiftung Gesundheit (v.l.n.r.): Stefanie Woerns, Vorstand der Stiftung Gesundheit, Dr. Peter Müller, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit und Deike Diening, Reporterin beim Tagesspiegel. Toni Momtschew

Deike Diening und ihr Team haben für ihre Reportage "390 Gramm" drei Monate lang ein junges Paar mit seinem zu früh geborenen Sohn Levi begleitet. Der Junge kam mit 390 Gramm zur Welt. Das Team konnte Christof Dame, Oberarzt an der Neonatologie der Berliner Charité für das Multimedia-Projekt gewinnen, und so mit Videosequenzen, Interviews, Exkursen, einem historischen Zeitstrahl, einer 360-Grad-Aufnahme und interaktiven Grafiken einen umfassenden Einblick in die Thematik bieten.

Diening berichtete bei der Preisverleihung am 17. Mai: „Ab November 2016 führten wir Gespräche mit Palliativmedizinern, Elternberatern, Schwestern, Ärzten und den Eltern eines Frühchens mit gravierenden Spätfolgen. Die größte Hürde war es, eine Familie zu finden, die bereit sein würde, sich in dieser emotionalen Ausnahmesituation begleiten zu lassen, während das Überleben ihres Kindes noch ungewiss war. Da an der Berliner Charité nur etwa zehn Frühchen im Jahr geboren werden, die so extrem unreif sind, dauerte die Suche bis zum Ostersonntag 2017. Dann wurde Levi geboren: nach 24 Schwangerschaftswochen und einem Tag, nur 390 Gramm leicht, über dreieinhalb Monate zu früh. Wir haben ab seinem siebten Lebenstag Levi, die Eltern, Schwestern und Ärzte begleitet. Dreieinhalb Monate bis zu seiner Entlassung am 3. August.“ Das Projekt wurde gefördert durch die Masterclass Wissenschaftsjournalismus 2016/2017 der Robert-Bosch-Stiftung und des Reporter-Forums e.V. An der Multimedia-Produktion waren vier weitere Redakteure beteiligt: Hendrik Lehmann, Michaela Lehr, Jana Schlüter und Helena Wittlich. Der Preis ist dotiert mit insgesamt 3.000 Euro.

Als junger Mensch mit einer schweren Krankheit leben

Der zweite Preis ging an Theresa Authaler mit ihrem Radiofeature aus dem Bayerischen Rundfunk „Mit Risiken und Nebenwirkungen - Wie man als junger Mensch mit einer Krankheit lebt“, gesendet am 3. Juni 2017. Theresa Authaler begleitet in dem Feature drei Personen. Carolin ist 17, als sie die Diagnose Multiple Sklerose bekommt. Durch die Schübe erlebt sie immer wieder Rückschläge. Trotzdem macht sie ihr Abitur und zieht zum Studieren in eine andere Stadt. Flo, 19, wurde mit einem schweren Herzfehler geboren. Wie es ist, kerngesund zu sein, hat er nie erlebt. Dennoch lässt er sich seine Träume nicht nehmen und sucht nach alternativen Wegen, sie zu verwirklichen. Meike bekam mit 24 einen Schlaganfall. Ihr Glück war, dass sie körperlich keine bleibenden Schäden davontrug. Der Weg zurück in den Alltag war für sie aber lang und schwer – bis sie ihr Leben komplett umkrempelte. Das Radiofeature richtet sich an die jungen Hörer (18-30 Jahre) von PULS, dem jungen Programm des Bayerischen Rundfunks.

Reportage aus dem Alltag einer Pflegekraft

Den dritten Platz erreichte Caterina Lobenstein mit ihrem Beitrag "Warum verdient Frau Noe nicht mehr?", der in Der Zeit am 7. Dezember 2017 veröffentlicht wurde. Darin setzt sie sich mit dem Pflegefachkräftemangel in Deutschland auseinander. Der Text nimmt den Leser mit in den Alltag der Pflegerin Heike Noe und der alten Menschen, um die sie sich kümmert. Er beschreibt das System aus Pflegekassen, Pflegeheimbetreibern und Investoren, das dahintersteht. Er erklärt, warum Noe so wenig verdient: Weil immer mehr Investoren von den Heimbetreibern hohe Renditen fordern. Und weil der Renditedruck auf einen von karitativen Motiven geprägten Arbeitsethos trifft, der es vielen Pflegekräften verbietet, gegen Arbeitsbedingungen und geringe Entlohnung aufzubegehren.

Die Stiftung Gesundheit mit Sitz in Hamburg ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie wurde 1996 gegründet. Die Stiftung will nach eigenen Angaben Transparenz im Gesundheitswesen fördern und einem breiten Publikum praktische Orientierungshilfe im Gesundheitswesen bieten. Darum ermittelt sie halbjährlich einen Medizinklimaindex, für den seit 2006 niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten nach deren aktueller wirtschaftlicher Lage und ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate gefragt werden. Außerdem bietet die Stiftung die sogenannte Arzt-Auskunft an, ein umfassendes Verzeichnis aller niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte, Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kliniken und Notfalleinrichtungen in Deutschland.

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