Ärztemonitor 2018

Anteil der MVZ-Ärzte hat sich seit 2012 verdreifacht

Die Wochenarbeitszeit ist leicht gesunken, der Trend geht zur Anstellung und der Anteil der Ärzte, die in einem MVZ arbeiten, hat sich seit 2012 verdreifacht - die Daten aus dem aktuellen Ärztemonitor zeigen, wie sich die Struktur der niedergelassenen Ärzte in Deutschland verändert.

Laut Ärztemonitor 2018 ist die Wochenarbeitszeit weiter leicht gesunken, vor allem durch den wachsenden Anteil der Angestellten. Sie beträgt im Durchschnitt 51,1 Stunden. Dabei arbeiten die selbstständigen Ärzte 53,3 Stunden und die angestellten 42,8 Stunden. Adobe Stock/SENTELLO

 

"Die Politik produziert den Arztzeitmangel selbst", kritisiert der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Gassen. Durch den Trend zur Anstellung sinke auch die Gesamtarbeitszeit der Ärzte - dadurch werde der Ärztemangel immer größer.

Gemeinsam mit dem NAV-Virchow-Bund hatte die KBV am Donnerstag die Ergebnisse des Ärztemonitor 2018 vorgestellt. Aus der Umfrage geht unter anderem hervor, dass niedergelassene Ärzte mit einer Wochenarbeitszeit von 51 Stunden, über zehn Stunden mehr arbeiten als angestellte Kollegen. Insgesamt hat sich die Zahl der angestellten Ärzte seit 2012 jedoch mehr als verdoppelt - damit bleibt zwar die Zahl der Ärzte konstant, aber die ärztliche Arbeitszeit verringert sich stetig.

Nicht nur weniger niedergelassene Ärzte, sondern auch weniger verfügbare Arbeitszeit der Ärzte

"Insofern wird die Arbeitszeit des Arztes zunehmend zu einem knappen Gut", erläutert Gassen. Außerdem seien die durchschnittlichen Wochenarbeitsstunden von 57 im Jahr 2012 auf nunmehr 51 gesunken. "Wenn diese Entwicklung weiter geht, werden wir zusätzlich zum Ärztemangel auch einen Mangel an verfügbarer Arbeitszeit für Patienten haben."

"In Einzelpraxen arbeiten 90 Prozent der Ärzte in Vollzeit, in MVZ sind es nur 50 Prozent", ergänzt Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes. Das zeige, dass mit MVZ und angestellten Ärzten allein die Versorgung nicht aufrechterhalten werden könne.

Dieser Trend werde durch die Politik jedoch gefördert, kritisiert Gassen. Diese unterstütze Strukturen wie das MVZ und "drangsaliere gleichzeitig die selbstständigen Praxisinhaber mit immer neuen kleinteiligen Regelungen".

So geht aus dem vierten Ärztemonitor, den KBV und NAV-Virchowbund nun seit 2012 erstellen lassen, erneut hervor, dass die Bürokratielast in den Praxen hoch ist: Ärzte wenden pro Arbeitswoche 7,4 Stunden für Verwaltungsarbeit auf, bei den Psychotherapeuten sind es 7 Stunden.

Trotz enormer Belastung hohe Zufriedenheit

Doch obwohl die Rahmenbedingungen von viele Ärzten als schwierig kritisiert werden, sind laut Umfrage 90 Prozent der Ärzte und 97 Prozent der Psychotherapeuten mit ihrem Beruf als solchem zufrieden. Mit 99 Prozent stufen fast alle Ärzte und Psychotherapeuten ihre Arbeit als nützlich und sinnvoll ein. Die meisten würden den Beruf wieder ergreifen.

Auch nahm die Zahl der Ärzte, die mit ihrem Einkommen und der wirtschaftlichen Situation ihrer Praxis zufrieden ist, gegenüber der letzten Umfrage im Jahr 2016 weiter zu. Beim Einkommen beispielsweise sagen dies 73 Prozent der Hausärzte und 68 Prozent der Fachärzte. Dagegen sind nur 56 Prozent der Psychotherapeuten mit ihrem Einkommen zufrieden.


Ärztemonitor 2018

Die Ergebnisse auf einen Blick

99 Prozent der Ärzte sehen ihre Arbeit als nützlich und sinnvoll an und 90 Prozent sind mit der Tätigkeit zufrieden. 86 Prozent würden den Beruf wieder ergreifen.

Bei den Psychotherapeuten stimmen ebenfalls 99 Prozent zu, dass ihre Arbeit nützlich und sinnvoll ist. 97 Prozent sind mit der Tätigkeit zufrieden und 91 Prozent würden den Beruf wieder ergreifen.

 

 

Die Zufriedenheit mit dem persönlichen monatlichen Einkommen ist bei den Ärzten seit 2012 gestiegen. Bei den Hausärzten sind 73 Prozent (2012 waren es 58 Prozent) und bei den Fachärzten sind 68 Prozent (2012 waren es 55 Prozent) mit dem Einkommen zufrieden.

Die Psychotherapeuten sind trotz Anstieg im Jahr 2018 unzufriedener als die Ärzte. Zufrieden sind hier nur 56 Prozent mit ihrem Einkommen.

Mit der wirtschaftlichen Situation der Praxis sind 69 Prozent der Ärzte (74 Prozent der Hausärzte und 64 Prozent der Fachärzte) sowie 60 Prozent der Psychotherapeuten zufrieden. Während die Zufriedenheit bei den Ärzten stieg, ist diese bei den Psychotherapeuten auf dem gleichen Level wie 2012 geblieben.

57 Prozent der Ärzte und 32 Prozent der Psychotherapeuten beklagen, zu wenig Zeit für ihre Patienten zu haben.

„Ausgebrannt“ fühlen sich 33 Prozent der Ärzte und 17 Prozent der Psychotherapeuten durch ihre Arbeit.

Mit den Arbeitsbedingungen sind 78 Prozent der Ärzte und 87 Prozent der Psychotherapeuten zufrieden.

Ärzte wenden pro Arbeitswoche 7,4 Stunden für Verwaltungsarbeit auf, bei den Psychotherapeuten sind es 7 Stunden.

Die Wochenarbeitszeit ist weiter leicht gesunken, vor allem durch den wachsenden Anteil der Angestellten. Sie beträgt im Durchschnitt 51,1 Stunden. Dabei arbeiten die selbstständigen Ärzte 53,3 Stunden und die angestellten 42,8 Stunden.

Der Anteil der angestellten Ärzte hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt. Waren 2012 nur 6 Prozent der Hausärzte angestellt tätig, sind es in diesem Jahr 15 Prozent. Bei den Fachärzten stieg die Zahl im selben Zeitraum von 11 Prozent auf 26 Prozent.

Der Anteil der Haus- und Fachärzte, die in einem MVZ arbeiten, hat sich seit 2012 verdreifacht. Der Anteil von Einzelpraxen ist in dieser Zeitspanne 2012 – 2018 von 53 auf 43 Prozent und der Anteil von Praxisgemeinschaften von 10 auf 7 Prozent gesunken. Dagegen stieg der Anteil von Gemeinschaftspraxen von 32 auf 37 Prozent.

Gut ein Viertel der Ärzte ist in Praxisnetzen organisiert – ähnlich wie 2016.

Von den Psychotherapeuten ist knapp ein Fünftel in Praxisnetzen eingebunden, was einen leichten Anstieg bedeutet.

40 Prozent der Ärzte waren in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal von verbaler Gewalt betroffen, bei den Psychotherapeuten sind dies halb so viele.

Ein Viertel der Ärzte (26 Prozent) waren in ihrer Berufslaufbahn schon mindestens einmal mit körperlicher Gewalt konfrontiert, bei den Psychotherapeuten gaben dies 18 Prozent der Befragten an.

Über 40 Prozent der Ärzte empfinden die Einführung des verpflichtenden Entlassbriefes als Verbesserung. Dadurch habe sich die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern verbessert.

Eine Ermächtigung zur ärztlichen Weiterbildung haben 46 Prozent der Hausärzte und 36 Prozent der Fachärzte. Fast jeder zweite von ihnen beschäftigt aktuell einen Weiterbildungsassistenten oder hat einen Assistenten in den vergangenen fünf Jahren beschäftigt.


Erstmals wurde im aktuellen Ärztemonitor nach Gewalterfahrungen in den Praxen gefragt. Rund 40 Prozent der Ärzte gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal von verbaler Gewalt betroffen gewesen zu sein. Bei den Psychotherapeuten berichtete dies jeder fünfte. Mit körperlicher Gewalt war in seiner Berufslaufbahn jeder vierte Arzt mindestens einmal konfrontiert.

Für den Ärztemonitor 2018 hat das Meinungsforschungsinstitut infas rund 11.000 Telefoninterviews geführt. Der Ärztemonitor ist deutschlandweit die größte Erhebung unter niedergelassenen und angestellten ambulant tätigen Ärzten und Psychotherapeuten.

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