Die neue Gesundheitsakte Vivy

"Deine digitale Gesundheits­assistentin"

"Vivy - deine digitale Gesundheits­assistentin. Einfach, sicher und komplett auf deinem Smartphone": Über 90 gesetzliche und einige private Krankenkassen haben eine neue Gesundheitsakte entwickelt. Gestern wurde sie in Berlin vorgestellt.

Nach langen Jahren des Stillstandes scheint nun endlich Bewegung in das Thema „elektronische Patientenakte“ zu kommen. Im März hatte die AOK in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Ärztenetzwerk Haffnet eine vorerst noch lokale und auf das Entlassmanagement beschränkte digitale Patientenakte vorgestellt. Im April folgte die TK mit ihrer gemeinsam mit IBM entwickelten Gesundheitsakte „TK-Safe“, die bereits weit umfangreichere Funktionen als die AOK-Lösung vom Start weg mitbringt.

Jetzt zieht eine Gruppe aus über 90 gesetzlichen Betriebs-, Ersatz- und Innungskrankenkassen nach. An dem neuen Gesundheitsaktenprojekt „Vivy“, das am 5. Juni in Berlin vorgestellt wurde, beteiligen sich auch einige private Krankenversicherungen, darunter die Allianz PKV, die Barmenia, die Gothaer und die Süddeutsche Krankenversicherung – ein Novum in der bislang spärlichen Kooperation zwischen privaten und gesetzlichen Kassen.

Betreiber ist die Vivy GmbH

Die Gesundheitsakte Vivy wird nicht von den Kassen selbst betrieben, sondern von der Vivy GmbH mit dem Gründer-Geschäftsführer Christian Rebernik an der Spitze. Gesellschafter der Vivy GmbH sind Christian Rebernik (30 Prozent) und die Allianz SE (70 Prozent), die sich als Finanzinvestor beteiligt. Teilnehmende Kassen zahlen einen Beitrag pro Mitglied an Vivy und stellen ihren Versicherten die Vivy-App kostenlos zur Verfügung.

Mit der App können Nutzer medizinische Daten und Dokumente speichern und verwalten. So können Medikationspläne gescannt und eingelesen werden. Per Barcode-Scan der Medikamentenschachteln lassen sich ebenfalls Medikamente hinzufügen – die App prüft das gescannte Medikament auf mögliche Wechselwirkungen mit bereits im Medikationsplan vorhandenen Medikamenten.

Dreidimensionale Röntgenaufnahmen werden importiert ...

Viele Funktionen der App sind bereits aus anderen Apps diverser freier Anbieter bekannt – beispielsweise das Erstellen und Verwalten eines Impfplans und Erinnerungsfunktionen für Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Andere Funktionen sind durchaus innovativ und nützlich für den Anwender. So können nicht nur zwei-, sondern auch dreidimensionale Röntgenaufnahmen importiert werden - die App beherrscht das DICOM-Format, was zwar hohe Ansprüche an den verfügbaren Speicherplatz stellt, dafür aber zukunftsweisend ist.

... und Blutwerte ermittelt sowie das biologische Alter berechnet.

Die Vivy-App soll nach dem Willen der Betreiber nicht nur eine elektronische Gesundheitsakte, sondern auch eine „digitale Assistentin“ in der patienteneigenen „Gesundheitswelt“ sein. So kann die App Trackingsdaten von Fitness-Apps einspielen und gibt auch ein Feedback zum Lebensstil des Nutzers. Wer einen „wissenschaftlich fundierten Gesundheitscheck“ mit der App durchführt, erhält eine persönliche Auswertung für die Bereiche „Körper, Ernährung, Bewegung und Geist“, wie die Vivy-Macher versichern. Zudem wird – auf den Blutwerten des Nutzers basierend – das biologische Alter berechnet. Funktionen, die nicht alle Patienten mit großer Freude nutzen wollen werden.

TÜV-geprüfte Datensicherheit

In puncto Datensicherheit arbeitet die App mit einem Verschlüsselungssystem aus öffentlichem und privatem Schlüssel – ohne den privaten Schlüssel des Versicherten lassen sich die Daten nicht lesen. Das stellt sicher, dass die Daten nur vom Nutzer am Endgerät gelesen werden können. Hinzu kommt noch eine zusätzliche Zwei-Faktor-Authentifizierung durch eine Gerätekopplung. Vivy wurde vom TÜV Rheinland und dem Unternehmen ePrivacy getestet und als sichere Plattform zertifiziert. 

Ohne Nutzer-Schlüssel sind die Daten unwiderbringlich weg.

Die verschlüsselten Daten des Versicherten werden in einem deutschen Rechenzentrum gespeichert. Geht das Endgerät verloren, können die Daten nur noch mit dem privaten Schlüssel des Nutzers durch Kopieren vom Server auf einem neuen Gerät wiederhergestellt werden. Hat der Nutzer den Schlüssel nicht, sind die Daten unwiderbringlich verloren.

Wie auch schon TK-Safe setzt auch Vivy auf den Patienten als Nutzer und „Herrn seiner Daten“. Allein der Patient soll bestimmen, ob und inwieweit er die Gesundheitsakte nutzen will. Diese Philosophie unterscheidet sich deutlich von zentralistisch organisierten „fürsorgenden“ Systemen, die gelegentlich als Vorbild für Deutschland diskutiert werden, die aber ohne Zustimmung des Patienten Daten zusammenführen und den Heilberuflern zur Verfügung stellen (zum Beispiel das dänische Gesundheitsportal Sunhed.dk).

Die gematik unter Druck

Die Vorstellung der von Kassenseite initiierten Gesundheitsakten-Projekte setzt nun die gematik unter Handlungsdruck. Am 4. Juni berichtete die Ärztezeitung, dass gematik-intern der erste Entwurf einer elektronischen Patientenakte vorliege. Anders als es sich AOK und TK gewünscht hatten, seien deren Akten aber nicht mit der gematik-Akte kompatibel, was auch auf die neue Vivy-Akte zutrifft. Aus Sicherheitsgründen lehne die gematik die Anbindung der Kassenakten ab, berichtete die Ärztezeitung. Bleibt es bei dieser Haltung, sind Konflikte vorprogrammiert.

Hier tut sich die grundsätzliche Frage auf, ob es der gematik gelingen wird, der drohenden Fragmentierung von Gesundheitsaktenangeboten ein überzeugendes übergreifendes Konzept entgegen zu stellen. Aus Sicht der Ärzte und Zahnärzte ist das zweifellos wünschenswert, denn es wäre alles andere als effizient, wenn die Heilberufler ihre Dokumente je nach Patient in immer neue Gesundheitsakten auf jeweils unterschiedlichen Wegen samt Authentifikations- und Anmeldeprozeduren übertragen sollen.

Die Selbstverwaltungen von Ärzten, Zahnärzten und Apothekern haben sich im Januar 2018 in einer gemeinsamen Absichtserklärung „für deutschlandweit einheitliche Standards und Schnittstellen“ bei der elektronischen Patientenakte ausgesprochen.

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