Bewertung der Nasoalveolar-Molding-Methode bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

IQWiG: Nutzen der NAM-Methode muss untermauert werden

mg/pm
Praxis
Vorliegende Studien zur NAM-Methode sind von schlechter Qualität und thematisieren nicht die möglichen Nebenwirkungen. Zu diesem Urteil kommt der Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Die Arbeitsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH

) hatte für ihren Bericht vier Studien zur Nasoalveolar-Molding-Methode (NAM) identifiziert und geprüft. Wichtige Einflüsse auf das Behandlungsergebnis, wie etwa die Ausprägung der Spaltfehlbildung, seien in den Studien nicht berücksichtigt, lautet das Urteil. Zudem habe man die Studienteilnehmer meist nur über einen kurzen Zeitraum beobachtet. Ob eine NAM-Behandlung die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen oder körperliche Funktionen wie Atmung oder Sprache verbessert, sei ebenfalls nicht untersucht worden. Auch Studienergebnisse zu Nebenwirkungen wie Schmerzen oder Narben sowie zur Anzahl und Dauer der Operationen fehlten. "Aussagen zum Nutzen oder Schaden der NAM lassen sich deshalb aus diesen Studien nicht ableiten", bilanziert das IQWiG.

Hintergrund

Hintergrund

Offen bleibe auch, heißt es, inwieweit die NAM-Behandlung ethische und soziale Probleme abschwächt oder verstärkt, die als belastend erlebt werden können. "Es ist bedenklich, dass Nutzen und Schaden der NAM-Methode nicht belegt sind", meint Claudia Mischke, Leiterin des Bereichs Versorgung beim IQWiG,

und ergänzt: "Mangels hochwertiger wissenschaftlicher Untersuchungen hat das Wissenschaftlerteam der MHH für diesen Bericht auch Studien mit weniger aussagekräftigem Design berücksichtigt. Doch selbst diese widmen sich nicht den relevanten Fragen und sind letztlich nicht interpretierbar."

Fazit des IQWiG

Fazit des IQWiG: Nicht zuletzt um die betroffenen Kinder und deren Eltern nicht unnötigen Risiken auszusetzen, muss der medizinische Nutzen der NAM-Methode mit validen Daten untermauert werden – auch bezüglich der erklärten Ziele, nämlich weniger Operationen und bessere Behandlungsergebnisse. Diese Aspekte sollten zukünftig in hochwertigen Studien mit höherer Aussagesicherheit untersucht werden, fordert das Institut. Neue Erkenntnisse könnten in absehbarer Zeit zwei laufende randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) bringen, die allerdings im Wesentlichen kurzfristige Daten zur Gesichtsästhetik erheben.

Das Thema für den vorliegenden Bericht geht auf den Vorschlag einer Bürgerin beimThemenCheck Medizindes IQWiG zurück: Seit 2016 können alle Interessierten hier online ihre Fragen an die Wissenschaft stellen. Nach der Auswahl von bis zu fünf Themen pro Jahr werden die Antworten darauf in Form eines sogenannten HTA-Berichts (kurz für " Health Technology Assessment" -Bericht) gegeben: Darin wird nicht nur der medizinische Nutzen eines medizinischen Verfahrens bewertet, sondern auch dessen wirtschaftliche, ethische, soziale, rechtliche und organisatorische Auswirkungen.Hier finden Sie den vollständigen Bericht der interdisziplinären Arbeitsgruppe der MHH.

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