Praxis

"Jeder Fehler ist ein Schatz!"

"Ein Fehlerberichts- und Lernsystem ist eine wahre Fundgrube mit praktischen Tipps und Tricks von seinen aktiven Nutzern", sagt Prof. Ferdinand Gerlach. Für den Experten sind diese "virtuellen Qualitätszirkel" perfekt geeignet, Strategien zur Fehlervermeidung in der eigenen Praxis zu entwickeln.

Prof. Dr. Ferdinand Gerlach ist Leiter des Projektteams "Jeder Fehler zählt!", angesiedelt am Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt, und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Gerlach hat auch das zahnärztliche Berichtssystem „CIRS dent – Jeder Zahn zählt!" mitentwickelt. Michael Fuchs, Remseck

Herr Prof. Gerlach, „Jeder Fehler zählt!“ ist das erste Fehlerberichts- und Lernsystems für Hausärzte. Ihr Institut hat es maßgeblich entwickelt. Was ist das Charakteristische daran?

Prof. Ferdinand Gerlach: Jeder-Fehler-zaehlt.de ist ein freiwilliges und offenes Angebot für Hausarztpraxen. Als Berichts- und Lernsystem folgt es seit seinem Start 2004 dem einfachen Grundgedanken: Jeder Fehler ist ein Schatz. Man muss nicht jeden Fehler erst selbst gemacht haben, um daraus zu lernen.

Wie „offen“ gehen die Hausärzte mit dem System um?

Wir haben uns für einen völlig offenen, strikt anonymen Zugang entschieden, weil dies den Ärzten und Praxisteams ohne jede Identitätsprüfung einen extrem leichten Zugang zum Berichtssystem verschafft. Nach nunmehr 12 Jahren wissen wir, dass dies hervorragend funktioniert. Hausärzte, Praxisteams und auch die Öffentlichkeit haben Idee und Konzept immer sehr wertschätzend aufgenommen.

Was bedeutet das Angebot im Hinblick auf die Patientensicherheit in hausärztlichen Praxen?

Ein Fehlerberichts- und Lernsystem sensibilisiert für potenzielle Fehlerquellen in der eigenen Praxis. Inzwischen stellt es eine wahre Fundgrube mit praktischen Tipps und Tricks dar, die für viele Nutzer und ihre Patienten sehr nützlich sein kann.

Ausgewählte „Fehler der Woche" beziehungsweise „Fehler des Monats" werden den Ärzten online zur Diskussion gestellt. In welchen Bereichen werden besonders viele unerwünschte Ereignisse dokumentiert?

Bei rund 75 Prozent der Berichte handelt es sich um Prozessfehler, bei denen in der Praxis durch fehlerhafte Abläufe etwas schiefgelaufen ist. Nur bei einem Viertel der Fälle spielt tatsächlich mangelndes Wissen oder eine mangelnde Fertigkeit des Arztes oder des Praxisteams eine Rolle. Unter den Prozessfehlern ereignen sich mit 54 Prozent die meisten kritischen Ereignisse im Bereich der Behandlung und Arzneitherapie. Bei einem Viertel der berichteten Ereignisse wurden Fehler oder Defizite in der Kommunikation innerhalb des Teams beziehungsweise zwischen Mitbehandlern als ursächlich erkannt.

Wie ist die bisherige Bilanz? Wie wird das System von den Hausärzten angenommen?

Bisher konnten wir mehr als 600 mehr oder weniger ausführliche Fehlerberichte und 3.000 Nutzerkommentaren online stellen. Die Anzahl der Nutzer konnte in den vergangenen Monaten noch einmal gesteigert werden und liegt derzeit bei über 6.000 Zugriffen pro Monat, womit wir vollauf zufrieden sind. Wir würden uns allerdings noch etwas mehr aktive Nutzer wünschen, die von Ereignissen aus ihrer Praxis berichten, Berichte kommentieren oder mit den anderen Nutzern diskutieren. Ein Fehlerberichts- und Lernsystem lebt von seinen aktiven Nutzern.

„CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ ist das Lern- und Berichtssystem der Zahnärzte: Wie unterscheidet es sich und was sind die Vorteile für den Zahnarzt?

„CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ ist im Gegensatz zu „Jeder Fehler zählt“ nicht frei zugänglich, sondern steht über ein Login nur Zahnärztinnen und Zahnärzten zur Verfügung. Das Berichtsformular wurde auf die speziellen Anforderungen der zahnärztlichen Praxis abgestimmt. So wurde zum Beispiel ein Zahnschema in das Berichtsformular integriert und auch die Möglichkeit geschaffen, einen Bericht mit Bildern zu ergänzen.

„CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ bietet so die einmalige Chance, über kritische Ereignisse anonym zu berichten und in einem geschützten Raum gemeinsam mit anderen erfahrenen Zahnärzten zu diskutieren. In diesem "virtuellen Qualitätszirkel" können dann zum Beispiel gemeinsam praktische Strategien zur Vermeidung kritischer Ereignisse in der eigenen Praxis entwickelt werden.

Die Fragen stellte Gabriele Prchala.


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