Jubiläum

Zahnpflege-Kaugummi feiert 150. Geburtstag

Vor 150 Jahren meldete Zahnarzt William Finley Semple aus Ohio das erste Patent für einen Zahnpflege-Kaugummi an. Reich wurde er damit allerdings nicht – ein Kollege war schlauer.

Für Frauen im 19. Jahrhundert waren die Gums ein Fauxpas: "Es ist schon interessant zu sehen, wie diese jungen Damen permanent Kaugummi kauen und dabei ihre Unterkiefer mit der Anmut von Kühen in Bewegung halten." AdobeStock_PH studio

Einen Kaugummi, der unterwegs die Zahnbürste ersetzen und für frischen Atem sorgen könnte, fanden die Amerikaner schick. Die Erfindung klang verlockend, mit diesen Worten meldete Semple sein Patent an: "Hiermit erkläre ich, William Finley Semple, dass ich einen neuen und verbesserten Kaugummi erfunden habe. Meine Erfindung besteht im Wesentlichen darin, Gummi mit einer beliebigen Menge anderer geeigneter Substanzen so zu vermischen, dass dabei nicht nur ein angenehmer Kaugummi entsteht, sondern dieser Kaugummi aufgrund seiner reinigenden Eigenschaften auch als Zahnputzmittel dienen kann."

Mit seiner Idee konnte Semple seine Kunden schnell überzeugen, denn Kaugummikauen war in den USA damals gerade groß in Mode gekommen. Seit 1848 gab es den "State of Maine Pure Spruce Gum", einen Kaugummi aus Fichtenharz, dessen Erzeuger tonnenweise davon verkauften. Erfinder Thomas Adams versah diesen 1869 dann mit zusätzlichen Aromen (siehe oben).

"Eine der scheußlichsten Gewohnheiten, die es gibt"

Semple ritt also anfangs auf der Erfolgswelle mit, wenngleich auch einige Zeitgenossen das Kaugummikauen kritisierten. So schrieb beispielsweise ein Journalist aus Milwaukee: "Es ist schon interessant zu sehen, wie diese jungen Damen permanent Kaugummi kauen und dabei ihre Unterkiefer mit der Anmut von Kühen in Bewegung halten." Ein anderer verteufelte die neue Mode als "eine der scheußlichsten Gewohnheiten, die es gibt".

Semples Ideengeber waren die alten Ägypter, die für die Pflege ihre Zähne ebenfalls eine Art von Kaugummi verwendet hatten. In der Antike zerkauten die Menschen kleine Ästchen, den in den Hölzern enthaltenen aromatischen Stoffen schrieb man sowohl eine adstringierende als auch leicht desinfizierende Wirkung zu. Arabische Ärzte vertrauten zum Beispiel auf "Mastix", eine Mischung aus Pistazienbaum-Harz, Asche, Alaun und Hirschhornsalz.

Semple Sonderzutaten: Waschbenzin und Alkohol

Semple riet zu Kautschuk als Kaumasse, Veilchenwurzel, Myrrhe, Süßholz und Holzkohle sollten Geschmack und Wirkung bringen. Gemischt mit Waschbenzin und Alkohol – so steht’s im Patent – sollte daraus eine geschmeidige Kaumasse entstehen.

Zum Erfolg eines Baumsaftprodukts

1869 ergänzte Thomas Adams seinen Bestand an Chicle-Kugeln aus dem Milchsaft des Sapotill- oder Breiapfelbaums mit Geschmack – der Kaugummi war geboren, als Genussmittel und inzwischen auch als Dentalprodukt.

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Dann kam Kollege Washington Sheffield. Das Bessere war wie so oft der Feind des Guten, denn Sheffield präsentierte die erste Zahncreme. Die Liebe der Menschen zu Kaugummi blieb zwar, aber er musste nicht mehr zwingend gleichzeitig die Zähne pflegen. Und so wurde Semple trotz guter Idee und Patent am Ende doch kein reicher Mann. Anders als William Wrigley Jr., der Semples und Adams Bemühungen mit einer einschlagenden Vermarkungsidee krönte (siehe oben).

Das allererste US-Patent auf Kaugummi sicherte sich Semple am 28. Dezember 1869 nicht. Amos Tyler, – ebenfalls aus Ohio – hatte dies bereits am 27. Juli 1869 getan. Erfolg hatten jedoch andere mit der Produktion und Vermarktung.

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