Zahnmedizin

Die Masters of Integrated Practice in Dentistry

Der Master of "Integrated Practice in Dentistry" ist "ein Studiengang für den Zahnarzt, der seinen Patienten alles bieten will", bewirbt die Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe ihr Angebot. Lesen Sie die Masterarbeiten der jüngsten Absolventen!

Die Masters Andreas Graß, Dr. Johannes Schmitt,, Doris Alexandersen, Harald Leberl und Maurice Schreiber. Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe

Den Zahnarzt als Praktiker stärken - das war das primäre Ziel der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe und der Universität Magdeburg, als sie 2003 den Studiengang "Integrated Practice in Dentistry" konzipierten. Der berufbegleitende Studiengang führt zu einem deutschen Universitätsabschluss und zu einem international anerkannten akademischen Titel - dem Master of Arts (M.A.).


Integrated Practice in Dentistry: Die fünf Masterarbeiten

Der niedergelassene Zahnarzt hat nur wenige Möglichkeiten, die Wünsche und Anliegen der Patienten zu erfassen. Eine davon ist die anonymisiert e Befragung, die auch in dieser Arbeit als Basis für die weitere Untersuchung genutzt wurde.
 
Patientengespräche können genutzt werden (s. AQUA Empfehlung), um Patientenmeinungen zu stärken und Schwächen einer Praxis zu erfahren. In der Regel fehlen im Praxisalltag Zeit und Möglichkeit für solche Erhebungen. In dieser Arbeit sind Patientenbefragungen auf eine wissenschaftliche Basis gestellt worden. Das Mittel dazu findet sich in der qualitativen Sozialforschung. Hier werden Interviews zur Generierung von Daten genutzt. Fehler und Schwächen im therapeutischen Vorgehen zu erkennen sollte zu einer Praxisstrategie führen, die die Stärken der Praxis erhält und ausbaut.
 
Genutzt wurden die Erfahrungen von Patienten, die das neu eingeführte Verfahren der Lachgassedierung erlebt haben. Die Behandlungen von Angstpatienten wurden bisher in der untersuchenden Praxis nach persönlicher Einschätzung des Einzelfalles realisiert. 

Eine Ausrichtung der Praxis auf Angstpatienten erfordert organisatorische Veränderungen. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass die Patienten vor dem ersten Kontakt mit dem Behandler ihr Angstniveau äußern und reizauslösende Stimuli beschreiben müssen. Die Erfassungsmethode ist noch zu wählen. Der Erhalt der kommunikativen Fähigkeiten und die fachliche Weiterbildung des Personals werden weitergeführt.
 
Ein weiteres Ergebnis der Interviews ist der Wunsch der Patienten, die Behandlung nicht zu weit auszudehnen, sondern schnell einen Therapieabschluss zu erreichen. Das bedeutet, dass Terminierungen auf diese Patienten angepasst werden müssen. Bei der Nutzung der Lachgassedierung müssen die Vorteile des Verfahrens nach außen kommuniziert werden.
 
Die wirtschaftlichen Aspekte bei der Behandlung von Angstpatienten sind bisher nicht berücksichtigt worden. Durch die Einführung der Lachgassedierung ist ein weiteres Mittel vorhanden, um die Qualität der zahnärztlichen Tätigkeit und die Zufriedenheit der Patienten zu steigern.

Folgende Fragestellungen sollten untersucht werden: Welche zahnmedizinischen Angebote würden der Pflegedienstleitung eines ambulanten Betriebes hinsichtlich einer verbesserten zahnmedizinischen Versorgung und Betreuung helfen?

Hier tritt zunächst in den Vordergrund, dass alle an der Pflege beteiligten sich positiv darüber geäußert haben, wenn es Zahnärzte gäbe, die bekanntermaßen auch Hausbesuche bei den zu pflegenden Menschen machen würden. Dabei war zu sehen, dass nach Angabe der bei Pflegebetrieben Beschäftigten immer wieder auch Menschen ohne eigentlichen Hauszahnarzt versorgt wurden.

Hier wäre sicherlich der erste Ansatz in der Bestandsaufnahme und der Ermittlung eines gegebenenfalls zuständigen Zahnarztes zu sehen. Besonders die immobilen Menschen könnten hier sowohl auf professionelle Begleitung durch das Pflegepersonal bei der Kontaktaufnahme, sofern gewünscht, bei der Vermittlung sowie der regelmäßigen Wiederkehr der zu treffenden Maßnahmen profitieren.

Deutlich profitieren könnte auch das Pflegeteam. Eine ausführliche Erfassung des
Mundgesundheitszustandes und der gegebenenfalls vorhandenen Zähne sowie des vorhandenen Zahnersatzes ließe von Anfang an deutlich erkennen: "Uns geht es um Ihre ganze Gesundheit. Wir stellen nicht nur Kontakt her, wir können auch hier helfen, die überaus notwendigen Pflegemaßnahmen vollständig durchzuführen."

Bei den Angehörigen-Interviews fiel hinsichtlich der Zahn- und Mundhygiene auf: Zahngesundheit war umso besser je jünger die zu pflegenden Angehörigen waren. Hier wurde aktiv an der Mundpflege teilgenommen und nachgefragt. Es kann davon ausgegangen werden, dass dies auch damit zusammenhängt, dass mit der Zunahme des Alters auch die Abnahme des Besuchs beim Zahnarzt generell verbunden ist. Dies trifft sowohl auf die zu Pflegenden wie die Angehörigen zu.
 
"Die Älteren gehen immer seltener zum Zahnarzt. 40 Prozent der Hochbetagten waren schon fünf Jahre und mehr nicht mehr beim Zahnarzt. Mit steigendem Alter besteht bei reduzierter Inanspruchnahme zahnmedizinischer Dienstleistungen bei einem Viertel der SeniorenInnen ein subjektiver und bei über Dreiviertel ein objektiver Behandlungsbedarf" (Nitschke, 2008,Zähne im Alter).
 
Die gleiche Erkenntnis tritt auch in den Wahrnehmungen der Pflegdienstkräfte zutage
(siehe Interview Grete Ganz). Bei 2 von 3 aus der Angehörigenbefragung waren die Patienten immobil und konnten von sich aus den Zahnarzt nicht mehr aufsuchen. Im Fall Berta Block lag bei dem Angehörigen Altersdemenz vor, was ebenfalls einen selbstständigen Besuch beim Zahnarzt verhinderte.

Also: Kommt der Patient nicht zum Zahnarzt, geht der Zahnarzt zum Patient? Der Arzt kann Medikamente und Pflege rezeptieren und erhält den Impuls häufig von außen, der Zahnarzt braucht den Impuls häufig aus sich heraus. Inwieweit ist eine Intervention in der Lage, den Pflegekräften Sicherheit zu geben? Hier wurde von den Mitarbeitern auch eine gewisse Angst im Umgang mit Zahnersatz geäußert: "Ich habe Angst, wenn ich an der Klammer ziehe, habe ich den ganzen Zahn in der Hand."

Es trat deutlich hervor, dass man zwar den Patienten seine Prothesen herausnehmen lässt und dann beim Reinigungsprozess wie Mund ausspülen und Prothesereinigen keine Probleme haben muss, die Herausforderungen jedoch mit allen anderen Arten von Zahnersatz genauso wie die Hemmschwellen doch erheblich höher sein können. Eine gute Kraft in der Kranken- und Altenpflege sollte so etwas jedoch nicht erschrecken oder gar von der Pflege abhalten. Insoweit erscheint neben den oben erwähnten Maßnahmen der umfangreichen mithin genauen Erfassung insbesondere der direkte Umgang mit Zahnersatz jeglicher Art besonders wichtig.

Eine Fortbildung zur Verbesserung der theoretischen Kenntnisse aber insbesondere des manuellen Geschicks der Pflegenden erscheint hier sinnvoll. Es wäre zu erwarten, dass auch die hinsichtlich der Überwindung oder gar als Ekel bestehenden Hemmnisse, die mehrfach erwähnt wurden, vermutlich durch eine verbesserte theoretische und praktische Aufklärung ein Absinken der Hemmschwelle erreicht werden könnte.

Wie kann eine interprofessionelle Kooperation aussehen? Die von und bei der Landeszahnärztekammer aufgestellte Liste der als vermittlungsbeauftragten Zahnärzten war zumindest bei den untersuchten Betrieben nicht bekannt. Nur in einem Fall waren aufgrund persönlicher Kontakte der Pflegekraft in einer Gemeinde zwei Zahnärzte bekannt, die Hausbesuche durchführen. Die als Kooperationsverträge erwähnten Verbindungen bestehen bisher nur zwischen stationären Einrichtungen und Zahnärzten.

Da nicht Gegenstand der Arbeit war, zu untersuchen, wie viele Patienten von den einzelnen Pflegebetrieben pflegerisch versorgt werden, kann hier schwerlich ein Mengenvergleich zu stationären Pflegeeinrichtungen unternommen werden, zumal die Art der Pflegeversorgung bekanntermaßen andere Schwerpunkte hat. Lediglich ein Betrieb berichtete von ca. 20 zu versorgenden Menschen für eine Mitarbeiterin an einem Vormittag (5.3. Grete Ganz).

Insoweit wäre den Pflegebetrieben ein Kreis von Zahnärzten zu wünschen, die erkennbar in die Kooperation mit Pflegebetrieben eintreten und sich zu regelmäßigen Routineuntersuchungen, evtl. Schulungen in den Betrieben oder aber auch der Zusammenstellung von Prophylaxe-Teams im Sinne der Münchner Teamwerk-Gruppe zur Verfügung stellen. Diese könnten auf besondere Anforderung Zahnarzt wie Pflegebetrieb unterstützen.

Ein immer wieder kehrendes Problem bei allen Interviews ist die Frage der Intimität der Pflege. Offensichtlich scheint der Wunsch sowohl bei den Pflegenden als auch bei den Pflegebedürftigen zu Kontinuität bei den Pflegenden zu bestehen (siehe 5.3. Emma und 5.5 Dora). Diese ermöglicht den beteiligten Personen einen leichteren Zugang zur
Pflege intimer Bereiche des Menschen. Hier scheint eine Nähe und Bereitwilligkeit nur über länger andauernde Beziehungen für beide Seiten erfolgversprechend.

Es kann davon ausgegangen werden, dass dieses Problem bei den Pflegebetrieben bekannt ist. Letztlich wird es auch Aufgabe der Betreibe bleiben, geeignete Mitarbeiter zu finden und weiterzubilden. Hinsichtlich der Hemmnisse aus Ekel oder Scham kann sicherlich noch einiges durch Aufklärung verbessert werden.

Eine Studie bei Intensivpflegepersonal ergab, dass über 70 Prozent der PflegerInnen die Pflege vom Mund-Hals-Nasen-Rachen-Bereich Ekel-erregender empfindet als die Pflege von Anal- und Geschlechtszonen (Gröning, Katharina, 2013). Inwieweit sich dies durch Aufklärung verbessern ließe, bleibt im praktischen Tun der Beteiligten zu untersuchen. Hier müsste eine neue Perspektive gegeben werden können. Erst feststellen, dann aufklären, danach pflegen und schließlich den Erfolg in besserer Mund- und Zahngesundheit der Patienten bei allen Beteiligten sehen.

"Zahnärztliche Versorgungsforschung könnte näher am Puls der Versorgung sein und hier ein Gegengewicht bilden. Sinn macht Versorgungsforschung allerdings nur, wenn wir ihren Ergebnissen gegenüber offen sind. Wer versorgungssystematisch analysiert, findet beides: die Stärken und die Defizite. Verbessern können wir die Versorgung nur, wenn wir uns den Defiziten stellen" (Walther, Winfried, 06/2015 ).
 
Letztlich wird eine interprofessionelle Zusammenarbeit nur dann Erfolg haben, wenn auch
die Zahnärzte den Kontakt zu den immobilen Patienten suchen,sei es durch Vorsorgebesuche organisiert mit den Angehörigen als auch organisiert mit den professionellen mobilen Pflegeeinrichtungen.

In der Alterspraxis müssen die älteren Menschen direkt und individuell angesprochen werden. Aus den geführten Interviews mit der Kernfrage, ob es beim Umgang mit zu pflegenden Menschen Probleme hinsichtlich der Verbesserung der Mund- und Zahngesundheit gäbe, kann man auch Folgendes ableiten: Die Interviews mit den pflegenden Angehörigen ergaben, dass sich zwei der drei interviewten Ehepartner als allein bis meist zuständig für die Pflege, auch für die Zahn- und Mundpflege der Patienten erklärten.

Während jedoch Frau Block über Zahn- und Mundpflege ihres Mannes in Wirklichkeit jede Kontrolle verloren hatte, konnte Frau Ernst glaubhaft machen, dass sie sich aktiv um die Zahngesundheit ihres Mannes kümmert und sogar Schlafzeiten durch den Gebrauch von Interdentalbürsten gelegentlich versucht auszunutzen. Frau Dreist hat hierüber die Kontrolle an den Sohn sowie den Pflegedienst abgegeben.

Es mag zufällig sein, aber hier korreliert sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Fähigkeit zur aktiven Hilfe bei der Zahnpflege mit dem Alter der Pflegepersonen. Dies kann natürlich auch dadurch begründet sein, dass mit zunehmendem Alter zum einen das Verständnis gegenüber der Wichtigkeit von Zahngesundheit nicht mehr oder noch nicht
vorhanden ist und zum anderen die manuelle Geschicklichkeit mit zunehmendem Alter nachlässt. Die Zahnpflege, wenn auch nur unterstützend, wird zu einer großen Herausforderung.

Des Weiteren sind die Pflegezeiten des mobilen Dienstes für die Familien auch immer ein Eingriff in die häusliche Situation, und der Tagesablauf muss dem Erscheinen der Mitarbeiter angepasst werden. Schon deswegen ist die in mehreren Interviews angesprochene Pünktlichkeit und damit Zuverlässigkeit ein großer Wunsch. Hier wurde die morgendliche Pflege und damit auch Zahnpflege an die Pflegedienste abgegeben.

Dass dies in allen drei Fällen notwendig war, geht aus den Interviews eindeutig hervor.
Die Zahnpflege von Herrn Block hatte sich insoweit der Kontrolle durch die Ehefrau auch weitestgehend entzogen.

Bis auf Frau Ernst wurden Zahnpflegezeiten außerhalb des Morgens und Abends nicht erwähnt. Bei den Mitarbeitern wurde das Problem des Zeitmanagements ebenfalls aufgegriffen. Es wurde von einem getakteten Grundpflegeschlüssel gesprochen, in dem eben auch Zahnpflegemaßnahmen zu erbringen sind. Die Mitarbeiter erleben es als herausfordernd, wie Menschen ihre alten Gewohnheiten wie waschen, pflegen und aufstehen sich auch ein wenig ihrem täglichen Arbeitsrhythmus anpassen müssen. Bei der Pflege des Mundraums müssen sie auch immer wieder erleben, dass Patienten dies schlicht auch nicht zulassen wollen.

Als ein weiteres Handikap wurde empfunden, dass oft auch keine Kontrolle der Zähne durch zahnärztliches Personal stattfindet, oder zumindest länger nicht stattgefunden hat. Sehr gut beobachtet war auch, wie sich das Interesse von Patienten am Aussehen von Zahnbürsten abbilden kann. Auch bevor Zahnschmerzen hinzukommen, könnten hier weiterführende Maßnahmen wie bei Ludwig angeführt und beschrieben zur verbesserten Versorgung führen. Hierbei wurde auch die zeitliche und finanzielle Herausforderung für den Pflegebetrieb genannt.

Als persönliches Überwinden ist auch ein bestimmtes Empfinden wie Ekel mehrfach erwähnt worden. Dies zu überwinden ist eben auch eine Frage der Kenntnis darüber, wie man aus einem seit Jahren ungepflegten Zahnersatz wieder einen funktionsfähigen sauberen Zahnersatz machen und damit einige Probleme diesbezüglich verringern kann.

In einem Fall wurde auch von Implantatversorgung berichtet. Hierzu gibt es sicherlich einige ganz spezifische Anforderungen an die Pflegekraft, die zu erlernen auch Teil einer praktischen Fortbildung sein könnte. Hier nützt die angesprochene Tabuisierung wie 'mein Mann hat mich noch nie ohne Zähne gesehen' nicht wirklich weiter, ein Versuch des offeneren Umgangs mit dem Thema ist in die Hände aller an der Pflege Beteiligten gelegt, um sowohl Patienten wie Angehörigen das Thema Zahnpflege zu erleichtern. Dies führt zur Frage des interkollegialen Kontaktes.

Bis auf ein Interview fanden alle Befragten - und sahen dies auch für viele Angehörige so - es als herausfordernd an, den Zahnarzt zu finden, der Hausbesuche auch erkennbar durchführt bzw. dessen Praxisräume auch behindertengerecht eingerichtet sind. Die Liste der Senioren- und Behindertenbeauftragten war keinem der besuchten Betriebe bekannt. Der Wunsch zu professioneller Zusammenarbeit indessen überall vorhanden. Verbündete auf diesem Weg sind mit ausreichender Fachkenntnis ausgestattete Mitarbeiter von Pflegebetrieben ohne Frage.

Von den Pflegdienstleitungen kamen auch Äußerungen zur Attraktivität der Pflegeberufe. Es sei für die Betriebe generell schwieriger geworden, geeignete und ausgebildete Pflegekräfte zu finden. Die Bezahlung wie auch die Arbeitszeiten wurden als nicht überzeugend attraktiv gehalten.

Hinsichtlich der zahnmedizinischen Fragestellungen konnte nur einer von drei Pflegebetrieben mit der schriftlichen Erfassung eines Zahnstatus aufwarten. Dieser beschränkte sich allerdings lediglich auf die Erfassung Zahnprothese ja/nein. Wenn ja, wo im Oberkiefer oder Unterkiefer? Dies führte in den Mitarbeiterinterviews auch zu Aussagen wie: "Wir hatten auch schon eine Patientin, da wusste keiner, das sie eine Prothese hat."

Hier scheint noch Verbesserungsbedarf nach allen Seiten. Entsprechend der erwähnten und derzeit noch laufenden Pilotstudie zu den stationären Pflegeeinrichtungen könnte dies im Falle der Befürwortung auch zu einer Erfassung des Zahn- und Mundbefundes bei neu aufgenommenen Patienten führen. Auf eine entsprechende Nachfrage reagierten alle drei Pflegedienstleitungen zumindest positiv auf die Anregung, den Zahnbestand bei der Erstaufnahme abzufragen.

Ein Behandlungspfad, wie von Ludwig beschrieben, existierte in keiner Einrichtung. Allerdings wurden Mitarbeitergespräche, im Falle eines Betriebes 14-tägig erwähnt, bei denen alle Patientenprobleme durchgesprochen werden. Ähnlich wie der fehlende Zahnstatus war auch zu spüren, dass eine Vorstellung dessen, was ein Zahnarzt eigentlich vor Ort bei den Patienten an sinnhaften Handlungen durchführen kann, nicht besonders ausgeprägt war. Dies kam auch zum Ausdruck bei der Frage des Praxiseigentümers Max Meister: "Mal angenommen, Sie kommen zum Patient  nach Hause, was für Möglichkeiten gibt es denn da, an den Zähnen etwas zu machen?"

Des Weiteren wird deutlich, dass man sich hier mit der Frage noch umfassender Zahnpflege noch nicht wirklich auseinander setzen musste. Hier ist auch auf Seiten der Pflegedienstleitungen und zwar gerade auf deren Seite, denn immerhin leiten ja sie auch auf kommerzieller Basis diesen Betrieb und geben die Vorgaben weiter, sicherlich großes
Potenzial zur Zusammenarbeit.

Der Benefit für das Unternehmen könnte in einer weiteren Aufwertung durch auch zahnmedizinische Kenntnisse gegenüber ihren Kunden bestehen. Die Frage nach dem Hauszahnarzt gehört genauso in das Aufnahmeprotokoll wie andere Fragen zur Gesundheit auch.

Der Betrieb zeigt dadurch doch, "Mund- und Zahnhygiene ist uns wichtig bei Ihnen, sofern Sie umfassende Hilfe zur ihren Zahnproblemen brauchen stehen wir Ihnen gerne zur Seite." In den Betrieben werden inzwischen zwar Medikamente gelagert (siehe Grete Ganz), aber keine neuen Zahnbürsten. Die aber wären gleichwohl dazu noch ein schönes Willkommensgeschenk bei der Neuaufnahme von Kunden.

Das Bekanntmachen von Zahnmedizinern, die auch Hausbesuche durchführen, bildet sicherlich ebenso eine weniger große Hürde zur Kontaktaufnahme. Erfreut aufgenommen wurde das Angebot, zahnmedizinische Schulungen durchzuführen.

Es bleibt abzuwarten, wie eine Evaluation über den Erfolg dieser Maßnahmen aussehen kann. Mit den kontaktierten Betrieben ist diese jedenfalls ab Oktober bereits terminiert.
Entsprechend der erwähnten Vereinbarungen in den Kooperationsverträgen, nach denen bei Neuaufnahme eines Patienten in ein Pflegeheim innerhalb der nächsten 8 Wochen eine zahnärztliche Kontrolluntersuchung durchgeführt werden soll, stellt sich die Frage, ob dies bei der Neuaufnahme eines Patienten durch einen mobilen Pflegebetrieb ebenso denkbar wäre.

So könnten über eine halbe Million Menschen in den Genuss einer regelmäßigen zahnärztlichen Kontrolle kommen. Ebenso läge ein individuell abgestimmter zahnärztlicher Pflegeplan auch dem Pflegepersonal vor.
 

Zahnärztliche Entwicklungshilfe ist augenscheinlich den gleichen Regeln wie andere Formen der Freiwilligenarbeit unterworfen. Der Entscheidung zum Engagement scheint in der Regel eine längerfristige Beschäftigung mit der Thematik voranzugehen. Das analysierte Beispiel zeigt jedoch, dass auch ein einschneidendes Erlebnis einen zentralen Stellenwert zur Entscheidung zahnärztlicher Entwicklungshilfe über einen langen Zeitraum leisten kann. Der Zugang zur Freiwilligenarbeit durch solche Erlebnisse besteht jedoch nicht automatisch und scheint mehr aus der Persönlichkeitsstruktur der konfrontierten Person zu resultieren.

Auch der multifunktionelle Ansatz zur Frage der Motivation konnte in der Geschichte wiedergefunden werden. Wichtige Funktionen in diesem Beispiel waren Schutzfunktion, Selbstwertfunktion und Wertefunktion. Interessant war auch die Beobachtung einer Veränderung der Funktionen im Rahmen einer Persönlichkeitsreifung im Laufe der Zeit. Hier scheint es erforschenswert, die gemachten Beobachtungen anhand der genauen Analyse der anderen Interviews, sowie weiterer Beispiel zu überprüfen. Eine Fragestellung dazu könnte sein, inwieweit zahnärztliche Entwicklungsarbeit eine bestimmte Verteilung von Funktionen aufweist und ob die Veränderung der Funktionen ein Merkmal langanhaltender Freiwilligenarbeit an sich ist.

Die gesammelten, persönlichen Erfahrungen der Erzähler decken sich mit den wissenschaftlichen Betrachtungen über unterschiedliche Konzepte von Entwicklungshilfe. Projekte sollten Nachhaltigkeit zum Ziel haben und den Nutzen der Empfänger in den Vordergrund stellen. Sie sind von den Konzepten, die nur kurze Dauer haben oder touristische Intentionen mit der Entwicklungsarbeit kombinieren, abzugrenzen.
Engagement in zahnärztlicher Entwicklungshilfe sollte daher mit einer kritischen Auswahl des Hilfsprojekts möglichst mit direktem Bezug und einer Vorbereitung auf den Einsatz und das Land beginnen.

Die Erfahrung und Erlebnisse im Rahmen der Entwicklungsarbeit können zur Erweiterung des eigenen Horizonts und Entwicklung eines veränderten Betrachtungsmaßstabs führen. Dankbarkeit und Wertschätzung der eigenen Arbeit durch die Menschen, aber auch der eigene Gewinn von mehr Gelassenheit und Demut scheinen Merkmale zahnärztlicher Entwicklungsarbeit zu sein. Dies zeigt, dass zahnmedizinische Entwicklungsarbeit einen großen Einfluss auf die individuelle Professionalisierung haben kann. Es bedarf jedoch weiterer Forschung, wie unterschiedlich stark der Einfluss auf die verschiedenen Kolleginnen und Kollegen ist und ob dies von bestimmten Voraussetzungen abhängig ist.

Direkte Einflüsse auf die Profession als Kollektive konnten aus den erhobenen Daten nicht abgeleitet werden. Bei der Betrachtung dieser Fragestellung wurde hingegen ein Risikopotenzial der Instrumentalisierung zahnärztlicher Entwicklungsarbeit zur Erfüllung von Erwartungen der Gesellschaft an die Profession entdeckt. Daher sollte mehr über eine unterstützende Funktion der Profession für zahnärztliche Entwicklungsarbeit diskutiert werden. Dies könnte in Form von Foren, Netzwerken und Plattformen zum Erfahrungsaustausch umgesetzt werden.

Ergebnisse: Die gesamte Überlebensrate im Drei-Jahres-Verlauf liegt bei 94 Prozent. Die anteiligen Zahnverluste sind in beiden Gruppen mit jeweils fünf Fällen identisch. Die Anzahl an WSR und Instrumentenfrakturen hat jeweils eine Fallzahl von drei.

Die Nullhypothese auf Homogenität in den Untergruppen bezogen auf die Überlebensrate wird für BioRaCe vs. Reciproc (p=0,2), single vs. multiple visit (p=0,44) und Erstbehandlung vs. Revision (p=0,84) nicht abgelehnt. Die Abweichung von der Gesamtverteilung in den Untergruppen BioRaCe und Reziproc in Bezug auf die single visit oder multiple visit Anwendung (p<0,01) ist statistisch signifikant. In der Reciproc- Stichprobe wurde fast jede zweite Behandlung in einer einzigen Therapiesitzung abgeschlossen.

Diskussion: Die vorliegende Studie wurde konzipiert, um neue endodontische Verfahren aus der Perspektive der Versorgungsforschung zu überprüfen. Dabei existieren in Bezug auf die Langzeitergebnisse zwischen den beiden Aufbereitungssystemen keine signifikanten Unterschiede. Der signifikante Unterschied in der Verteilung von einzeitigem zu mehrzeitigem Vorgehen ist bei Reciproc® auf die veränderte prozessuale Systematik und eine konsekutiven Erziehung zum Behandlungsabschluss in einer Sitzung zurückzuführen.

Damit stiftet das Reciproc®-System einen zusätzlichen ökonomischen Nutzen in der zahnmedizinischen Versorgung. Ein erneuter Fünf-Jahresvergleich der beiden Fallkohorten sowie die Konzeption von weiteren multizentrischen klinischen Längsschnittstudien mit größerer Fallzahl stellen vor dem Hintergrund eines benötigten Wissenszuwachses über den klinische Outcome des Reciproc®-Systems einen wünschenswerten weiteren Schritt dar.


Am 24. September stellten die diesjährigen Absolventen die Ergebnisse ihrer Masterarbeit vor. Die Präsentationen werden vom Prüfungsausschuss der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg abgenommen.

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