Zahnmedizin

"Drei Millimeter Stiftlänge macht keinen Sinn"

Zur Rekonstruktion endodontisch behandelter Zähne mit ausgedehnten koronalen Defekten bietet sich ein Stiftaufbau an. Welche Kriterien dabei entscheidend sind, erklärte "Stiftexperte" Prof. Dr. Michael Naumann auf dem 30. Berliner Zahnärztetag.

Prof. Dr. Michael Naumann referierte auf dem 30. Berliner Zahnärztetag zum Thema "Stiftaufbauten - kurz oder lang? Glasfaser, Metall oder Keramik?" "Eine Stiftlänge von drei Millimetern macht keinen Sinn", sagte er. In diesem Fall würden Kompositzapfen den gleichen Zweck erfüllen. dg

Stiftaufbauten mit einer Länge von mindestens fünf bis sechs Millimeter sind am besten geeignet, um die Belastbarkeit zu gewährleisten, sagte Naumann, der am 26. Februar ein Referat zum Thema "Stiftaufbauten - kurz oder lang? Glasfaser, Metall oder Keramik?" hielt. Zudem sei das Risiko einer Perforationen bei dieser Stiftlänge geringer im Vergleich zu längeren Ausführungen (10 Millimeter). "Eine Stiftlänge von drei Millimetern macht keinen Sinn", sagte er. In diesem Fall erfüllten Kompositzapfen den gleichen Zweck.

Bei der Wahl der Stiftlänge sollte man wissen, welchen Belastungen Stiftaufbauten ausgesetzt sind. "Im Seitenzahnbereich wirken Kaulasten von 400 bis 600 Newton in Richtung der Zahnachse. Das ist unproblematisch. Das Problem ist die sogenannte Schräge Auflast und die damit wirkende Schwerkraft im Frontzahnbereich. Das Risiko für mechanisches Versagen ist hier deshalb besonders hoch, obwohl die absoluten Kaukräfte geringer sind", erklärte Naumann. Auch der Substanzverlust beeinflusse die Überlebensrate eines endodontisch behandelten Zahns.

Das sei sowohl koronal als auch im Endodont der Fall. "Je mehr ein Zahn aufbereitet wird, desto deformierbarer wird er", stellte Naumann fest. Untersuchungen hätten belegt, dass die Deformierbarkeit des Zahns bei Aufbereitung des Stiftbettes für ein zylindrisches Stiftsystem signifikant ansteigt. Bei konischen Stiftsystemen sei der Anstieg niedriger. Naumann plädiert daher für eine konische Stiftversorgung, die adhäsiv erfolgen sollte, damit durch den Klebeverbund eine innere Versteifung erreicht werden kann. 

Glasfaser, Metall oder Keramik?

Die Wiederversorgbarkeit von Glas- oder Quarzfaserstiften sei besser als bei gegossenen und konfektionierten metallischen Stiften. Allerdings seien die Unterschiede zwischen Glasfaserstiften und keramischen Aufbaustiften gering. Hinsichtlich des zweiten Faktors, der Belastbarkeit, sind die gegossenen Aufbaustifte klar vorn. Nichtsdestotrotz spricht sich Naumann für Glasfaserstifte aus, weil sie klare Vorteile aufweisen wie zum Beispiel Revidierbarkeit, keine Korrision, leichte Nachbearbeitbarkeit, gute ästhetische Ergebnisse und dentinähnlicheres Elastizitätsmodul als alle anderen Stiftmaterialien.

Insbesondere in Bezug auf gegossene Aufbaustifte wies er auf das Problem der Entfernung von untersichgehenden Bereichen hin, die ein unnötiges Substanzopfer bedeuten. Ferner sei eine Abformung und ein Provisorium nötig. Letzteres könne sich lösen, zur Reinfektion des Endodonts führen oder durch ein unglückliches Zubeißen zur vertikalen Wurzelfraktur führen. Hinzu kämen erhöhte Kosten.

Außerdem beleuchtete Naumann die aktuelle Datenlage zur Versorgung endodontisch behandelter Zähnen. Der Kasten zeigt die Ergebnisse im Überblick.


Studienlage zu postendodontischen Versorgungsoptionen

Eine Beobachtung (Aquilino & Caplan J Prosthet Dent, 2002) von 156 Patienten und insgesamt 203 Kronen über zehn Jahre kommt diesen Ergebnissen:

  • sechsfach erhöhtes Zahnverlustrisiko "nicht überkronter Zähne" vs. "überkronter Zähne"
  • vierfach erhöhtes Zahnverlustrisiko "2. Molar" vs. "andere Zähne"
  • dreifach erhöhtes Zahnverlustrisiko „Karies bei Zugang zur Endo“ vs. „Keine Karies bei Zugang“

Fazit: Laut Studienlage scheinen Einzelkronen die beste Behandlungsoption für endodontisch behandelte Zähne zu sein.

In einer Studie (Int J Prosthodont. 2007 May-Jun;20(3):229-34. Long-term survival of complete crowns, fixed dental prostheses, and cantilever fixed dental prostheses with posts and cores on root canal-treated teeth. De Backer H1, Van Maele G, Decock V, Van den Berghe L.) wurden 322 Endfpeilerbrücken über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren untersucht.

Ergebnis:

  • Brücken auf vitalen Pfeilern haben eine Überlebenswahrscheinlichkeit von ungefähr 80 Prozent.
  • Bilden endodontische behandelte Zähne die Basis, dann liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei ungefähr 60 Prozent.
  • Bei Extensionsbrücken auf endodontisch behandelten Pfeilern sinkt die Überlebensrate in den ersten sieben bis acht Jahren auf gerade einmal 50 Prozent.

In einer randomisierten klinischen Studie (10-year Survival Evaluation for Glass-fiber-supported Postendodontic Restoration: A Prospective Observational Clinical Study. Michael Naumann, Prof. Dr med dent, DDS, Manja Koelpin; Florian Breuer, PhD, Dr med dent, DDS; Hendrik Meyer-Lueckel, Prof. Dr med dent, MPH, DDS) aus dem Jahr 2012 (J  Endodo) mit zehnjähriger klinischer Beobachtung wurden 157 Zähne mit zylindrischen, konischen und zylindro-konischen Stiftsystemen versorgt.

Ergebnis:

  • zweifach erhöhtes Misserfolgsrisiko von Einzelkronen im Vergleich zu Brücken- oder Kombiversorgungen
  • dreifach erhöhtes Misserfolgsrisiko von Frontzähnen vs. Seitenzähne

Eine andere randomisierte klinische Studie (Rigid versus Flexible Dentine-like Endodontic Posts - Clinical Testing of a Biomechanical Concept: Seven-year Results of a Randomized Controlled Clinical Pilot Trial on Endodontically Treated Abutment Teeth with Servere Hard Tissue Loss. Guido Sterzenbach, Dr med dent, DDS, Alexandra Franke, DDS and Michael Naumann, Prof. med dent, DDS) mit sieben-jähriger klinischer Beobachtung kommt zum Ergebnis, dass der Zahnersatz keinen Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit des Zahns hat.

  • Nach sieben Jahren klinischer Beobachtung war die Restaurationsart ohne Einfluss auf die Restauration.
  • Unabhängig vom Stiftmaterial (Glasfaser vs.Titan) war die Restaurationsart ohne Einfluss auf  Überlebenswahrscheinlichkeit postendodontischer Versorgungen, wenn stets ein Fassreifen (ferrule) von zwei Millimeter eingehalten wird.
  • Adhäsiv zementierter Titan- oder Glasfaserstift haben die gleiche niedrige Versagensrate, wenn Ferrule von zwei Millimetern präpariert wird.

Postendodontische Checkliste

  • Stiftsetzung bei </= zwei Kavitätenwänden
  • ferrule von zwei Millimeter präparieren
  • Schrauben vermeiden
  • Patient aufklären: erhöhtes mechanisches Versagen bei Frontresto
  • Primäre Verblockung beziehungsweise festsitzenden vor sekundäre Verblockung beziehungsweise herausnehmbaren Zahnersatz
  • vermeide Extensionsbrücken
  • Segmentierung der Versorgung, kleine Einheiten
  • Erweiterbarkeit empfehlenswert
  • ab mod-Defekt Teilkrone planen






 








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