Forschungspreis AG Keramik 2017

Erhöhtes Risiko für Veneers auf exponiertem Dentin

Die Sieger stehen fest: Der Forschungspreis 2017 der AG Keramik geht an Sven Rinke (Göttingen/Hanau) und Dirk Ziebolz (Leipzig). Die Preisträger untersuchten Keramikrestaurationen auf differenzierten Substraten.

Die Sieger stehen fest: Der Forschungspreis AG Keramik 2017 geht an PD Dr. Sven Rinke (l.) und PD Dr. Dirk Ziebolz. privat

In der 17. Session des „Forschungspreises Vollkeramik“, ausgeschrieben von der AG Keramik, entschloss sich die Jury, den 1. Preis dem Autorenteam PD Dr. Sven Rinke, Universität Göttingen und Praxis in Hanau, sowie PD Dr. Dirk Ziebolz, Universität Leipzig, für die Arbeit „Klinische Bewährung extendierter keramischer Veneers nach einer Beobachtungszeit von 7 Jahren“ zuzuerkennen. Die statistische Berechnung war durch Xenia Schulz Msc, Institut für Medizinische Statistik, Universität Göttingen, vorgenommen worden.

Preisverleihung: Dr. Sven Rinke (links) Und Dr. Bernd Reiss, Vorsitzender der AG Keramik.

| Copyright AG Keramik

Anlass für die Untersuchung boten systematische Reviews mit Feldspat- und glaskeramischen Veneers, die Misserfolgsraten zwischen 5 Prozent und 36 Prozent auswiesen. Die Heterogenität der Daten basierte auf verschiedenen Misserfolgskriterien: Präparationsdesign, adhäsive Befestigungstechniken und patientenindividuelle Faktoren (Alter, Bruxismus etc). Aufgrund der Indikationserweiterungen werden auch aggressive Präparationsdesigns mit extendierten Veneers und eine vermehrte Exposition von Dentin beschrieben. Hierbei wurden ausgedehnte Areale exponierten Dentins als Ursache eines klinischen Versagens beobachtet.

Dennoch sind Studien zu extendierten Veneers auf freigelegtem Dentin rar. Obwohl der Effekt des exponierten Dentins auf die klinische Versagensrate unklar bleibt, wurde diskutiert, dass die Keramikauswahl bei dieser Indikation sehr wichtig sein kann. Postuliert wurde, dass extendierte Veneers von einer festigkeitsgesteigerten Glaskeramik profitieren könnten, da höhere Zug- und Schubspannungen in Bereichen auftreten, in denen die Keramik nicht unterstützt wird. Dies ist besonders wichtig, wenn ein Verbund mit flexibleren Substraten, wie z. B. Dentin, eingegangen wird. Deshalb werden Glaskeramiken mit verbesserten Biegefestigkeiten (> 120 MPa) für Veneers mit Risikoindikation empfohlen (verbleibender Zahnschmelz < 50 %).

Klinisches Prozedere

Rinke und Ziebolz versorgten 101 Zähne mit extendierten Frontzahn-Veneers aus heißgepresster Glaskeramik (Cergo, Dentsply-Sirona). Unterschiedliche Präp-Designs nutzten folgende Präparationstiefen (Abb. 1-2): Hohlkehle labial 0,3 mm, Labialabtrag mind. 0,5 mm, inzisaler Abstand 1,0 mm, Inzisalkante leicht angeschrägt, horizontale Rillenschnitttiefe 0,5 mm. Bei der Präparation kam es zur Freilegung von Dentin mit Anteilen von 50 Prozent und mehr, vor allem im zervikalen Bereich und bei fehlgestellten Zähnen. Aufgrund der unterschiedlichen Dentinflächen wurde die Zahnhartsubstanz mit Dentin-Bonding vorbereitet, die Keramikflächen wurden nach HF-Ätzung silanisiert, mit Bonding versehen  und mit dualhärtendem Kompositzement befestigt.

Abbildungen 1 und 2: Grundlegende Präparationsprinzipien für extendierte Veneers

| Copyright: Rinke, Ziebolz

 

 

Ergebnisse

Die Nachuntersuchungen zeigten nach sieben Jahren mittlerer Beobachtungszeit eine Overall-Überlebensrate von 93,6 Prozent. Häufigste Komplikation war die Dezementierung. Die spezifische Überlebensrate der extendierten Veneers lag bei 95 Prozent im OK, bei 91,2 Prozent im UK. Fälle mit mehr als 50 Prozent exponiertem Dentin zeigten im Vergleich zu weniger als 50 Prozent Dentinanteil kein erhöhtes Risiko vollständiger Veneer-Verluste. Die Erfolgsrate von Veneers mit weniger als 50 Prozent exponiertem Dentin betrug 94,3 Prozent – hingegen sank die Erfolgsrate mit mehr als 50 Prozent Dentinanteil auf 71,8 Prozent (Abb. 3).

Abbildung 3: Zeitabhängige Erfolgswahrscheinlichkeit (interventionsfrei) der Veneers mit unterschiedlich großen Anteilen exponierten Dentins. Gruppe 1: 50 Prozent und weniger; Gruppe 2: mehr als 50 Prozent.

| Copyright: Rinke, Ziebolz

Dieses Ergebnis weist für die Gruppe 2 auf ein 3,7-fach höheres Risiko für Komplikationen hin. Da Dentin flexibler ist als Schmelz, scheint das Versagensrisiko anzusteigen, wenn das Bonding auf einem ausgedehnten Dentin-Areal erfolgt.

Die Preisverleihung an die Autoren und die Laudatio durch Dr. Bernd Reiss, 1. Vorsitzender der AG Keramik, erfolgte am 14. September 2017 in Hamburg im Rahmen der Jahrestagungen von DGÄZ, DGOI, DGCZ auf dem 17. Keramiksymposium.

Arbeitsgemeinschaft für Keramik in der Zahnheilkundev e.V.

Kontaktadresse:

Manfred Kern, Schriftführung AG Keramik

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