Projekt in Greifswald

Forscher wollen Periimplantitis mit Plasma bekämpfen

Greifswalder Wissenschaftler wollen ein neues plasmamedizinisch unterstütztes Verfahren zur Reinigung von erkrankten Implantaten entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt mit insgesamt 1,1, Millionen Euro.

Bringt Plasma den Durchbruch? Das Foto zeigt die beispielhafte Behandlung eines Implantats im Labor mittels Plasmajet kINPen (neoplas GmbH). UMG

„Aktuell gibt es kein verlässliches etabliertes Behandlungskonzept. Im Verbundprojekt PeriPLas möchten wir daher zu einem neuen Lösungsansatz in der Periimplantitis-Therapie beitragen“, sagt Projektleiter Dr. Lukasz Jablonowski vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universitätsmedizin Greifswald. „Dabei möchten wir verschiedene vielversprechende Methoden miteinander kombinieren, für die im Projekt die methodischen und apparativen Grundlagen geschaffen werden sollen. Als Grundlage werden die Effizienz einer mechanischen Reinigung mit einem Pulverstrahlgerät, die Behandlung mit einem Diodenlaser und kaltem Atmosphärendruckplasmajet untersucht."

Projektleiter Dr. Lukasz Jablonowski | UMG

Eine mechanische Reinigung des Implantats sei Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Behandlung. Die im klinischen Alltag verwendeten mechanischen Reinigungsmethoden wie Bürste, Pulverstrahl oder Handinstrumente seien laut Jablonowski aber meistens ungenügend. Auch bei zusätzlicher Spülung mit antiseptischen Wirkstoffen werde selten eine ausreichend saubere und antiseptische Oberfläche geschaffen.

„Notwendig sind deshalb zusätzliche Behandlungsmethoden, die die mechanische Reinigung unterstützen, um verlässliche Resultate zu erzielen, die den Heilungsprozess fördern und die Komplikationsrate reduzieren“, betont Jablonowski.

Hintergrund zum Forschungsprojekt

Ziel des Forschungsprojekts "PeriPLas" ist, die Grundlagen für ein sicheres und effektives Verfahren zur Therapie von Periimplantitis für den klinischen Alltag zu entwickeln. Am Projekt beteiligt sind die Dentsply Implants Manufacturing GmbH Mannheim und die Sirona Dental Systems GmbH Bensheim sowie das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP Greifswald e.V.) und das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald. Unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft für die kommenden drei Jahre - mit insgesamt 1,1 Millionen Euro.

„Eine mechanische Reinigung ist notwendig, um den Hauptbelag des Biofilms abzutragen. Die Behandlung mittels zahnärztlicher Laser könnte zudem die Reduktion vitaler Mikroorganismen unterstützen. Kaltes Plasma kann zurückbleibende Bakterien abtöten und die Implantatoberfläche aktivieren, um die Anhaftung von knochenbildenden Zellen auf dem Implantat zu unterstützen. Die drei favorisierten Verfahren sind sehr schonende Methoden, die keinen signifikanten Einfluss auf die Struktur der Implantatoberfläche haben. Nach Möglichkeit soll die Mikro- und Nanostruktur der Implantatoberfläche erhalten bleiben, so dass die Eigenschaften der gereinigten Implantate denen von fabrikneuen Implantaten sehr nahe kommen, da deren Oberflächen zur Anhaftung von Knochenzellen optimiert sind“, erläutert der Zahnmediziner.

Die gründliche Reinigung und die oberflächenschonenden antimikrobiellen sowie oberflächenaktivierende Behandlungsstrategien begründen die Annahme, dass ein Kombinationsverfahren zum Abklingen der Entzündung und im Idealfall zur Heilung der Periimplantitis führt.

„Das Kombinationsverfahren soll im letzten Jahr des Projektzeitraums in einer großen multizentrischen klinischen Pilotstudie hinsichtlich seiner Wirksamkeit und Sicherheit an Patienten überprüft werden“, kündigt Jablonowski an. Bei erfolgsversprechenden Ergebnissen seien im Anschluss die Entwicklung eines Serienprodukts und dessen weltweite Vermarktung vorgesehen.

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