Zahnmedizin

Fremdkörper als Zufallsbefund im Sinus maxillaris

Ende 2016 stellte sich ein 30-jähriger Patient zur Versorgung einer persistierenden Mund-Antrum-Verbindung im Bereich des Oberkiefers links bei Zustand nach einer Dentalsanierung alio loco in unserer Ambulanz vor.

Abbildung 1: Darstellung des röntgenopaken Fremdkörpers im Bereich des rechten Kieferhöhlendachs im OPT. Paulßen von Beck

Abbildung 2: Exakte Lokalisation des röntgendichten Fremdkörpers im Bereich des rechten Kieferhöhlendachs im NNH-CT in der coronaren (A), axialen (B) und sagittalen Schichtung (C). Paulßen von Beck
Abbildung 3: Die Bergung des Fremdkörpers über den gefensterten rechten Sinus maxillaris. Paulßen von Beck
Abbildung 4: Der geborgene Fremdkörper im Sinne von Kompositfüllungsmaterial. Paulßen von Beck
Abbildung 5: Die postoperative Röntgenkontrolle. Paulßen von Beck

Anamnestisch berichtete der Patient neben dem nasalen Flüssigkeitsausfluss während des Schluckakts über ein seit Längerem bestehendes Druckgefühl im Bereich der rechten Kieferhöhle. Die weitere Anamnese war unauffällig. Klinisch wurde eine ausgeprägte oroantrale Fistel mit putridem Ausfluss regio 026 diagnostiziert. Die rechte Kieferhöhle zeigte sich perkussionsempfindlich.

Das angefertigte Orthopantomogramm (OPT) stellte den aktuellen Zahnstatus mit dem Nebenbefund einer röntgendichten Verschattung im Sinne eines Fremdkörpers unterhalb des rechten Kieferhöhlendachs dar (Abbildung 1). Es folgte die Anfertigung eines NNH-CT zur genauen Lokalisierung des Fremdkörpers (Abbildung 2) für die anschließende OP-Planung.

Behandlung

In Intubationsnarkose konnte der Fremdkörper aus dem rechten Sinus maxillaris über einen osteoplastischen offenen Zugang vestibulär regio 014 bis 015 geborgen werden (Abbildung 3). Die Mund-Antrum-Verbindung regio 026 wurde mittels eines Rehrmannlappens verschlossen. Gleichzeitig erfolgte die Entnahme von Proben aus beiden Kieferhöhlen. Die Abbildung 4 zeigt den kunststoffartigen Fremdkörper im Sinne von Füllungsmaterial. Die postoperative Röntgenkontrolle dokumentiert die  Entfernung des Fremdkörpers (Abbildung 5) in toto.

Ein anschließend erfolgtes Gespräch mit dem Patienten konnte nicht klären, wie das Füllungsmaterial in die Kieferhöhle gelangt ist. Histologisch ergab sich eine entzündungsbedingte beidseitige polypöse ödematöse Kieferhöhlenschleimhaut. Am dritten postoperativen Tag entließen wir den Patienten bei sanatio per primam intentionem in die ambulante Nachsorge.

Diskussion

Funde von Fremdkörpern im Sinus maxillaris sind äußerst selten und können aufgrund von Traumata oder versehentlich während eines zahnärztlichen sowie chirurgischen Eingriffs in die Kieferhöhle disloziert worden sein [Sugiura et al., 2016]. Zumeist handelt es sich bei ihnen um in die Kieferhöhle luxierte Wurzelreste oder Zähne [Kumar et al., 2015]. Am häufigsten wird diese Komplikation in Verbindung mit der palatinalen Wurzel des ersten Molaren sowie mit den maxillären Weisheitszähnen beschrieben [Ferguson, 2014].

Weitere Fremdkörper können frakturierte Bohraufsätze, Wurzel- und Zahnfüllungsmaterial, Nadeln, Zahnimplantate, aber auch Abformmaterial sein [Deniz et al., 2016; Sugiura et al., 2016]. All diese Komplikationsmöglichkeiten wurden vom Patienten im Vorfeld negiert.

Die aus einem in den Sinus maxillaris dislozierten Fremdkörper resultierenden Symptome sind vielseitig und können von seiner asymptomatischer Verweilung über das Auftreten von Fieber, Gesichts- und Kopfschmerzen, einseitiger nasaler Obstruktion bis hin zu putridem Ausfluss aus der Nase reichen [Deniz et al., 2016].

In unserem Fall zeigte sich der röntgenopake Fremdkörper im OPT als Zufallsbefund. Zur genauen Lokalisation ist jedoch eine zwei- bis dreidimensionale radiologische Darstellung notwendig [Ferguson, 2014]. Bei der zweidimensionalen Darstellung bietet sich zum OPT ein Fernröntgenseitenbild und bei der dreidimensionalen ein DVT, NNH-CT sowie im Fall von nicht ferromagnetischen Fremdkörpern auch ein MRT an.

Zu bedenken gilt jedoch, dass es bei einem inkognito in die Kieferhöhle gelangten ferromagnetischen Fremdkörper während der Durchführung eines MRT zu starken Schmerzen bis hin zu ausgeprägten Verletzungen kommen kann [Voss et al., 2015].

Da der Patient uns bezüglich der Ursache des Fremdkörpers keinerlei Angaben machen konnte, vermuten wir, dass jener über eine aus einer früheren Zahnentfernung resultierende alveolo-antrale Fistel unbewusst in die rechte Kieferhöhle gelangt ist und durch die aus der lokalen Entzündung resultierenden hypertrophen Kieferhöhlenmukosa anschließend in Richtung Kieferhöhlendach gedrängt wurde.

Da Fremdkörper zu Irritationen der Kieferhöhlenmukosa bis hin zu einer chronischen Sinusitis führen können, wird ihre Entfernung auch bei Symptomlosigkeit propagiert [Mehra and Murad, 2004; Deniz et al., 2016; Sugiura et al., 2016]. Je nach Größe und Lage des Fremdkörpers stehen zur Bergung unterschiedliche Verfahren zur Verfügung: transnasal mittels Endoskopie durch das Ostium naturale oder ein neu angelegtes Kieferhöhlenfenster zum Nasengang sowie transoral durch die operative Anlage eines temporären Kieferhöhlenfensters im Bereich der äußeren Kieferhöhlenwand im Sinne eines osteoplastischen offenen Zugangs [Deniz et al., 2016; Sugiura et al., 2016].

Aufgrund der Größe des Fremdkörpers haben wir uns für den transoralen Zugang im Bereich der lateralen Kieferhöhlenwand entschieden.

Fazit für die Praxis

  • Fremdkörper können durch Traumata oder versehentlich während eines zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffs in die Kieferhöhle gelangen.
  • Zumeist handelt es sich bei ihnen um in die Kieferhöhle luxierte Wurzelreste oder Zähne, aber auch frakturierte Bohraufsätze, Wurzel- und Zahnfüllungsmaterial, Nadeln, Zahnimplantate sowie Abformmaterial sind mögliche Ursachen.
  • Die hervorgerufenen Symptome können vielseitig sein und reichen von asymptomatisch bis hin zu ausgeprägten Beschwerden mit einseitiger nasaler Obstruktion und putridem Ausfluss.
  • Zur genauen Lokalisation ist eine zwei- bis dreidimensionale radiologische Darstellung notwendig.
  • Da Fremdkörper zu Irritationen der Kieferhöhlenmukosa führen können, wird deren Entfernung auch bei Symptomlosigkeit propagiert.
  • Die Bergung ist mittels transnasaler Endoskopie sowie mit transoralem osteoplastischen offenen Zugang im Bereich der äußeren Kieferhöhlenwand möglich.

 
Felix Paulßen von Beck
Sarah Schmidt
Dr. Dr. Konstantsa Milioti
Dr. Dr. hc. Andreas Hammacher
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische und ästhetische Operationen,
Malteser Krankenhaus St. Josefshospital Uerdingen
Kurfürstenstr. 69
47829 Krefeld-Uerdingen
Felix.Paulssen@malteser.org

Literatur:

  • Deniz Y, Zengin AZ, Karli R. An unusual foreign body in the maxillary sinus: Dental impression material. Niger J Clin Pract. 2016; 19(2): 298-300.
  • Ferguson M. Rhinosinusitis in oral medicine and dentistry. Aust Dent J. 2014; 59(3): 289-295.
  • Kumar N, Bhutani H, Jain P, Verma A, Tomar S, Chaterjee S, Garg A, Awana R. Accidental Entry of Foreign Body in Maxillary Sinus-A Case Report. Open J. Stomatol. 2015; 5: 1–5.
  • Mehra P, Murad H. Maxillary sinus disease of odontogenic origin. Otolaryngol Clin North Am. 2004; 37(2): 347-364.
  • Sugiura T, Yamamoto K, Nakashima C, Murakami K, Matsusue Y, Horita S, Sakagami G, Kirita T. Chronic Maxillary Sinusitis Caused by Denture Lining Material. Open Dent J. 2016; 10: 261-267.
  • Voss JO, Raguse JD, Hoffmeister B, Adolphs N. Magnetic resonance imaging induced acute midfacial pain - incidental finding of a dislocated dental bur. Eur J Oral Implantol. 2015; 8(2): 183-187.

17802741761049176103817610391780275 1780276 1761041
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen