Zahnmedizin

Kürzer, dünner, schneller, weißer

Kürzer, dünner, schneller, weißer: Was können die neuen Implantate? Auf dem Sommersymposium des Mitteldeutschen Landesverbandes für Zahnärztliche Implantologie vom 18. bis 20. Juni in Halle an der Saale bewerteten Experten die aktuellen Innovationen.

Kürzer, dünner, schneller, weißer - das sind die vier Adjektive, die zurzeit die Diskussion um Implantate bestimmen. Vladislav_Kochelaevs

Kurz und dünn? Jein: Dünn sollte nicht zu dünn sein, bilanzierten die Referenten (im Bild: Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas aus Mainz). Genauer: Mit 3,5 mm bewähren sich demnach die Implantate in allen Indikationsklassen. MVZI/Stefan Sachs
Bei guten Voraussetzungen und angepasstem Vorgehen könnten im Unterkiefer als Mindestdurchmesser auch 1,6 mm reichen und im Oberkiefer 2,4 mm (Foto: Dr. Michael Gey). MVZI/Stefan Sachs
Eine Implantation im ortsständigen Knochen mit ausreichend periimplantärer Stärke sei sinnvoller als ein dickeres Implantat, wenn dafür eine Augmentation erforderlich wäre. Was "zu dünn" ist, sei durch die bisher vorliegenden Studien allerdings nicht zu klären, die Referenten Foto: Dr. Sonia Mansour) vermuten aber, dass der Langzeiterfolg bei sehr dünnen Implantaten eventuell nicht ausreichend sicher vorhersagbar ist. MVZI/Stefan Sachs
Auch was "kurz" und dennoch voraussagbar zuverlässig ist, konnte nicht auf den Millimeter fixiert werden (hier: PD Dr. Torsten Mundt). Dennoch wurde anhand von Beispielen demonstriert, dass "kürzer" als die früheren Klassiker bei passender Indikation Sinn macht. MVZI/Stefan Sachs
Kurze beziehungsweise dünne Implantate kommen den Experten zufolge den Patientenwünschen sehr entgegen, steigern die Lebenszufriedenheit und zeigen über den derzeit noch begrenzten Beobachtungszeitraum motivierende Erfolge. Weitere Studien hinsichtlich des spezifischen Vorgehens seien deshalb aus Sicht der Referenten (im Bild: PD Dr. Frank P. Strietzel) aus Berlin erforderlich. MVZI/Stefan Sachs
Patienten wünschen sich bekanntlich "weiß". Neu sind „weiße Implantate“ nicht, werden aber mittlerweile auch von internationalen Premiumherstellern mit wissenschaftlichem Anspruch produziert und sind damit im Markt angekommen, berichteten die Spezialisten (hier: Prof. Dr. Ralf J. Kohal) und bezogen sich auf klinische Studien und eigene Erfahrungen. MVZI/Stefan Sachs
Die Einsatzgebiete seien aber nach wie vor nicht durch langfristige Studienergebnisse untermauert, zudem gebe es Bedarf nach einem zweiteiligen Keramik-Implantat. Bei den Surprakonstruktionen habe sich im Frontzahnbereich Zirkonoxid für Abutments und Brückengerüste bewährt, im Seitenzahnbereich eher die klassische Metallkeramik (im Bild: Prof. Dr. Florian Beuer). MVZI/Stefan Sachs
Bei monolithischen Zirkonkronen bestehe das Risiko eines Implantatbruchs. Die Verschraubung sei technisch einfacher geworden, reduziere das Periimplantitisrisiko durch Zementreste und sei bei einer Einzelimplantatkrone zu favorisieren. MVZI/Stefan Sachs
Da heute "alles schnell gehen muss", wie Tagungspräsident PD Dr. med. dent. habil. Arne Boeckler es formulierte, stand auch die Frage im Raum, wie inzwischen die Sofortversorgung und Sofortbelastung in der Implantologie zu bewerten sind. MVZI/Stefan Sachs
Die Referenten (hier: Dr. Robert Haas) verdeutlichten: In der Oberkieferfront sei das sofortige Vorgehen kritisch zu betrachten, bei dünnen Implantaten, palatinaler Positionierung und der Auffüllung des bukkalen Spalts mit „schwer resorbierbarem Augmentat“ aber unter Beachtung zahlreicher Anforderungen machbar. MVZI/Stefan Sachs
Dargestellt wurde (hier: PD Dr. Stefan Fickl), nicht zuletzt durch eindrucksvolle histologischen Bilder, die große interindividuelle Variabilität der osseären Neuformation - ein kontrolliertes Vorgehen in der Praxis sei daher unumgänglich. MVZI/Stefan Sachs
Eine Datenübersicht über 10 Jahre zeigte bei Sofortimplantation und Sofortversorgung im zahnlosen Kiefer eine gute, aber doch gegenüber später und verzögerter Implantation leicht abfallende Erfolgsrate (Foto: PD Dr. Susanne Nahles). MVZI/Stefan Sachs
Um der Resorption der bukkalen Wand vorzubeugen, scheinen Profilimplantate günstige Ergebnisse zu bringen: Sie vollziehen die Schräge des Kieferkamms nach (Foto: Dr. Robert Nölken M.Sc.). MVZI/Stefan Sachs
Um die Kernfelder des Symposiums gruppierten sich weitere relevante Themen. Zum Beispiel die Frage: Gibt es inzwischen eine Lösung für die bakteriellen Belastungen durch den Spalt zwischen Implantat und Abutment? Nein, sagte Prof. Dr. Katja Nelson eindringlich. MVZI/Stefan Sachs
Spannend waren die Erfahrungen von Dr. Nicole Passia mit ihrem Konzept des mittigen Einzelimplantats im Unterkiefer zur Stabilisierung einer Totalprothese über eine Locatorverbindung. Hier zeigte die Diskussion, dass es durchaus verschiedene Positionen unter den Tagungsteilnehmern dazu gab. MVZI/Stefan Sachs
Dass Periimplantitis-Fälle - entgegen anderslautender Veröffentlichungen nicht zunehmen, jedenfalls in seiner Praxis nicht bei gleichzeitig deutlich gesteigerten Implantationszahlen, beobachtete Dr. Jörg-Ulf Wiegner. Die bekannten Risiken von Rauchen bis Diabetes könne er allerdings aufgrund eigener Beobachtungen erneut untermauern. MVZI/Stefan Sachs
Tagungspräsident PD Dr. med. dent. habil. Arne F. Boeckler aus Halle an der Saale gab mit seinem Programm eine Übersicht über die Produkte und Verfahren und ihre derzeitige Praxisrelevanz. MVZI/Stefan Sachs

Der Vorteil der Dünnen: Referenten unter anderem Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas aus Mainz, Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling aus Bern, PD Dr. Frank P. Strietzel aus Berlin, PD Dr. Torsten Mundt, Greifswald, Dr. Sonia Mansour aus Halle und Jan Herrmann, Zwickau, sowie Dr. Michael Gey aus Chemnitz.

Weiße Keramikimplantate: Referenten unter anderem Prof. Dr. Ralf J. Kohal aus Freiburg, Prof. Dr. Florian Beuer, Berlin, und Dr. Michael Gahlert, München.

Schnell - Sofortversorgung und -belastung: Referenten unter anderem Prof. Dr. Robert Haas aus Wien, PD Dr. Stefan Fickl aus Würzburg, Dr. Robert Nölken M.Sc. aus Lindau und PD Dr. Dr. Susanne Nahles, Berlin, und Dr. Dr. Günther Nahles, Berlin.

Generelles - Spalt, Mittelimplantat und Periimplantitis: Referenten unter anderem Prof. Dr. Katja Nelson aus Freiburg, Dr. Nicole Passia,Kiel, und Dr. Jörg-Ulf Wiegner aus Saalfeldt.

Birgit Dohlus
Medizinjournalistin

Das Sommersymposium 2016 findet am 27. und 28. Mai 2016 in Zwickau unter dem Motto „Bit Biss Bytes“ statt.

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