Mikrorisse bei Endo

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Zahnmedizin
Woran liegt es, wenn die Wurzelkanalbehandlung missglückt? Wissenschaftler haben untersucht, ob das Aufbereiten der Zahnwurzel zu Frakturen führen kann.

Oft ist eine endodontische Behandlung der einzige Weg, um einen Zahn zu erhalten. Zur  Aufbereitung des Wurzelkanals und Entfernung entzündeten Materials und Elimination der Bakterien sind diverse Arbeitsschritte erforderlich. Diese Manipulationen könnten zu iatrogenen Mikrorissen führen, die nach der Füllung wiederum Komplikationen hervorrufen können, vermuteten die Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums Berlin.    

Dr. Paul Zaslansky vom Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien, Charité Berlin, und Dr. Hagay Shemesh vom Academic Center für Dentistry (ACTA), Amsterdam, haben dort mehrere Dutzend Zahnwurzeln vor und nach der Behandlung untersucht, um ihre Hypothese zu überprüfen.

Dazu nutzten sie die Hochbrillanz-Synchrotronstrahlungsquelle (BESSY II) des Helmholtz-Zentrums, die an Experimentier- und Messaufbauten die zerstörungsfreie Prüfung an Werkstoffen und Bauteilen sowie Untersuchungen für die analytische Chemie erlaubt und weitaus aussagekräftigere röntgen- und computertomografische Untersuchungen ermöglicht als bisher.

Mehrere Dutzend Backenzähne wurden aufgebohrt und gefüllt

“Ob das Ausbohren der Wurzel zu Frakturen in der Zahnsubstanz führen kann, wurde noch nie wirklich systematisch untersucht. Dabei liegt diese Frage auf der Hand“, findet Zaslansky. Daher besorgte er mehrere Dutzend Backenzähne mit weitgehend intakten Zahnwurzeln aus dem zahnklinischen Betrieb der Charité und beantragte Messzeit an BESSY II.

Die Experimente führte er zusammen mit Dr. Hagay Shemesh durch, der als ein Experte für die Zahnwurzelbehandlung gilt. Seine Aufgabe war, die Zahnwurzeln mit unterschiedlichen Feiltypen aufzubohren und anschließend zu füllen. Zaslansky untersuchte die Zahnwurzeln dabei vor, während und nach Behandlung auf Mikrorisse mithilfe der besonders hochauflösenden Computertomografie, die die Bundesanstalt für Materialforschung an BESSY II betreibt.

Diese liefert kohärentes Röntgenlicht, mit dem sich über Interferenz-Effekte der Kontrast zwischen Bereichen ähnlicher Dichte verstärken lässt, was die Abbildungen deutlich verbessert, heißt es. „Damit konnten wir erstmals auch die Grenze zwischen der Füllung und der Zahnwurzel im Detail und hochauflösend untersuchen.

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Ursache wahrscheinlich nicht das Feilen

Dort können zwei wichtige Probleme auftreten: erstens Hohlräume, die später zu Infektionen mit Bakterien führen können und zweitens feine Frakturen oder Mikrorisse in der Zahnsubstanz“, erklärt Zaslansky. Sein erster Eindruck von den Ergebnissen: Am Feilen liegt es wahrscheinlich nicht, wenn die Wurzelkanalbehandlung missglückt. Mikrorisse, die sich nach dem Ausfeilen feststellen lassen, waren auch vor der Wurzelfüllung schon sichtbar.

„Wir haben manche Zähne auch mit etwas gröberen Werkzeugen behandelt und deutlich mehr Schäden erwartet, aber nicht gesehen“, sagt Zaslansky. Der eigentlich kritische Part könnte demnach das Füllen der Zahnwurzel sein, vermutet er: „Denn beim Kauen entstehen gewaltige Kräfte, und wenn die Füllung diese Kräfte nicht perfekt verteilt, kann das auch zum Brechen des Zahns führen.“

„Unsere Ergebnisse an etwa 30 Zahnwurzeln geben allerdings erst vorläufige Hinweise. Wir müssten diese Forschung ausweiten“, plädiert Zaslansky, der sich sicher ist, dass seine Ergebnisse nicht nur für Zahnärzte, sondern auch für die Hersteller von Zahnfüllungen und Klebern interessant sind.

Erst eine systematische, umfassendere Untersuchung könnte zeigen, wo bei der Wurzelkanalbehandlung die kritischen Fehler passieren und welche Prozeduren und Füllungen noch zuverlässiger zum Erfolg führen, so der Forscher. Dann hätten die Patienten die Gewissheit, dass der reparierte Zahn noch lange erhalten bleibt.

Weitere Informationen:Julius Wolff Institut (JWI) CharitéDr. Paul Zaslansky paul.zaslansky@charite.de

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