Zahnmedizin

S3-Leitlinie zu Crystal Meth

Bei der zahnärztlichen Behandlung von Crystal Meth-Abhängigen sollten spezifische Besonderheiten berücksichtigt werden. Die weltweit erste S3-Leitlinie soll auch Zahnärzten Handlungssicherheit geben.

Deutschland ist das erste Land mit einer S3-Leitlinie für die Behandlung Crystal-Meth-Abhängigen. robtek - Fotolia

Abbildung 1: Intraoraler Befund einer 21-jährigen Frau mit dramatischem Kariesbefall nach 18-monatigem Crystal-Meth-Konsum. Rommel et al.
Abbildungen 2a: Intraoraler Befund eines 35-jährigen Mannes mit vielfachem Zahnverlust nach 17-jähriger Crystal-Meth-Einnahme. Die noch vorhandenen Zähne zeigen kariöse D3- und D4-Läsionen. Rommel et al.
Abbildungen 2b: Intraoraler Befund eines 35-jährigen Mannes mit vielfachem Zahnverlust nach 17-jähriger Crystal-Meth-Einnahme. Die noch vorhandenen Zähne zeigen kariöse D3- und D4-Läsionen. Rommel et al.

Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter und Pflegepersonal erhalten mit der S3-Leitlinie "Methamphetamin-bezogener Störungen" für die Behandlung von Crystal-Süchtigen eine neue Hilfestellung: Die weltweit erste und methodisch anspruchsvolle S3-Leitlinie enthält Empfehlungen für  Akut- und Postakutbehandlungen sowie für die Behandlung von Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel das "Meth Mouth"-Syndrom.

Die Leitlinie wurde am 2. Dezember von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) und Vertretern der Bundesärztekammer sowie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgestellt.

Ziel der Leitlinie ist, auf Basis substanzspezifischer Studien eine bessere Versorgung von Betroffenen zu ermöglichen und therapeutisch tätigem Personal in der klinischen Praxis mehr Handlungssicherheit zu geben. Im Fokus der Leitlinie stehen evidenzbasierte Aussagen zur Wirksamkeit von medikamentösen und psychotherapeutischen Interventionen, zum Verzicht auf wirkungslose oder riskante Therapien und zu einer besseren Vernetzung der Akteure in der suchtmedizinischen Versorgung.


Empfehlungen für Zahnärzte und zahnärztliches Fachpersonal

Vor allem bei jungen Patienten, die über Mundtrockenheit, starkes Zähneknirschen und unerklärliche Veränderungen innerhalb der Mundhöhle klagen sowie Symptome einer Mangelernährung aufweisen, sollte eine Methamphetamin-bezogene Störung in Erwägung gezogen werden. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, empfehlen sich folgende Maßnahmen:

  •  Der allgemeine Gesundheitszustand, insbesondere der Infektionsstatus (HIV, Hepatitis), sollte kritisch evaluiert werden.

  • Eine detaillierte Anamnese über den Begleitkonsum weiterer Suchtmittel sollte erfolgen.

  • Falls der Patient für eine medizinische Beratung empfänglich ist, sollte ein suchtmedizinisch qualifizierter Arzt oder eine suchtfachspezifische Therapie- und Entzugsklinik konsultiert werden.

Quelle: www.aezq.de/aezq/crystal-meth

  • Zur Kariesprävention sollten topische Fluoride, remineralisierende Produkte und Chlorhexidin eingesetzt werden.

  • Aufgrund des erhöhten Risikos einer Xerostomie soll Methamphetamin-Konsumierenden empfohlen werden, täglich acht bis zehn Gläser Wasser zu trinken sowie diuretische Substanzen wie beispielsweise Koffein, Tabak und Alkohol zu meiden.

  • Zusätzlich bietet es sich an, den Speichelfluss mit Pilocarpin (3× 5mg/d) zu stimulieren und häufig zuckerfreie Kaugummis zu kauen. Vor der Verabreichung des cholinerg wirkenden Pharmakons Pilocarpin sollte jedoch eine sorgfältige Prüfung möglicher Kontraindikationen erfolgen.

  • Aufgrund des Risikos einer verminderten Pufferkapazität des Speichels und dem damit erhöhten Risiko für Erosionen sollte zu einer Einschränkung saurer Nahrungsmittel sowie zur Nutzung einer wenig abrasiven Zahnpasta mit geringem Putzdruck geraten werden.

  • Um die Zahnhartsubstanz zu schützen und Kiefergelenkbeschwerden zu vermeiden, sollte eine begleitende Schienentherapie eingesetzt werden. 

Quelle: www.aezq.de/aezq/crystal-meth

  • Falls eine invasive zahnärztliche Maßnahme erforderlich wird, sind Paranoia, Ängste und paradoxe Schmerzsensationen bei der Therapieplanung zu berücksichtigen.

  • Generell sollte ein Lokalanästhetikum ohne Vasokonstringens eingesetzt werden, da der vasokonstriktorische Anteil im Lokalanästhetikum eine weitere sympathikotone Triggerung des Patienten verursachen könnte. Bei dringender Indikation für ein Lokalanästhetikum mit Vasokonstringens ist eine Methamphetamin-Karenz von mehr als 24 Stunden vor einer zahnärztlichen Intervention zu fordern.

  • Bei fortgeschrittenem Kariesbefall wird die Extraktion des Zahns empfohlen.

  • In einem frühen Stadium einer Zahnkaries kommen Glasionomerzemente und Kompomere als Füllungsmaterialien mit dem Vorteil einer Fluoridfreisetzung in Betracht.

  • Im Rahmen ausgedehnter Sanierungen soll jedoch eine Intubationsnarkose erwogen werden. Es bietet sich an, einen Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen beziehnugsweise  Oralchirurgen zu konsultieren.

  • Im postoperativen Status sollen die Verschreibung opioidhaltiger Analgetika aufgrund eines möglichen Abusus und einer Atemdepression vermieden werden, nichtsteroidale Antiphlogistika stellen hierbei die Mittel der Wahl dar.

Quelle: www.aezq.de/aezq/crystal-meth


Besonderheiten beachten

Bei der Behandlung von Konsumenten gibt es Besonderheiten, die beachtet werden müssen, sagte Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen der Bundesärztekammer. Beispielsweise hätten Studien gezeigt, dass bei der Behandlung von Co-Morbiditäten manche Medikamente, die eigentlich erste Wahl sind, ungünstige oder gar keine Wirkungen haben. Das gilt nach der Leitlinie etwa für Antidepressiva zur Behandlung von co-morbider Depression.

Die Leitlinie wurde von einem interdisziplinären Expertengremium erstellt und vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag der Bundesärztekammer koordiniert und wissenschaftlich begleitet. Das Projekt wurde von der Bundesdrogenbeauftragten und dem Bundesgesundheitsministerium gefördert. Eine Kurz-und Langfassung der Leitlinie finden Sie unter www.aezq.de/aezq/crystal-meth.


Alle Leitlinien auf zm-online

Drei wissenschaftliche Fachgesellschaften aus der Zahnmedizin haben die S1-Handlungsempfehlung "Kompositrestaurationen im Seitenzahnbereich" herausgegeben.

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Bei der AWMF ist seit dem 19. Februar erstmals eine S3-Leitlinie zu vollkeramischen Kronen und Brücken abrufbar. In einem über zweijährigen Prozess wurde federführend durch die DGPro und die DGZMK in Zusammenarbeit mit zwölf weiteren beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen die vorhandene wissenschaftliche Evidenz zur Langzeitbewährung vollkeramischer Kronen (Vollkronen) und Brücken (3-gliedrige Brücken) ausgewertet.

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Die erste S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Down-Syndroms (Trisomie 21) im Kindes- und Jugendalter ist da. Sie enthält zahlreiche Handlungsempfehlungen für Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Entwicklungsförderung - auch für Zahnmediziner.

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Erstmals wurde federführend durch die DGI und die DGZMK eine S3-Leitlinie zur kaufunktionellen Rehabilitation bei Zahnunterzahl beziehungsweise Zahnverlust bei Patienten unter Antiresorptivatherapie (Bisphosphonate, Denosumab) entwickelt.

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Rezidivierende Aphthen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Jetzt ist die S2k-Leitlinie zur Diagnostik und zu Therapieoptionen von Aphthen und aphthoiden Läsionen erschienen.

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