Zahnmedizin

Wrigley Prophylaxepreis verliehen

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Wrigley Prophylaxe Preis wurde heute zum 22. Mal anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung in Leipzig verliehen.

Wrigley Prophylaxe Preis-Verleihung 2016: (1.Reihe von links: Gewinner) Prof. Ulrich Schlagenhauf (1. Platz Wissenschaft, Würzburg), Ines Olmos (1. Platz ÖGW, Berlin), Vivian Serke (Sonderpreis, Kiel), Dr. Anja Treuner (2. Platz Wissenschaft, Greifswald), Dr. Gerd Göstemeyer (2. Platz Wissenschaft, Berlin) (2. Reihe von links: Jury) Prof. Edgar Schäfer (Münster), Prof. Joachim Klimek (Gießen), Prof. Klaus König (Nijmegen/Niederlande), Prof. Werner Geurtsen (Hannover), Prof. Hendrik Meyer-Lückel (Aachen), Dr. Michael Schäfer (Düsseldorf), Prof. Thomas Attin (Jury, Zürich/Schweiz) (3. Reihe von links): Sabine Wegener, Iris Radière (beide Wrigley, Unterhaching) Wrigley/Rechtnitz

1. Preis Wissenschaft

Sieger im Bereich Wissenschaft sind zwei Forscherteams um die Zahnmedizinerin Dr. Yvonne Jockel-Schneider aus Würzburg und den Ernährungswissenschaftler Prof. Reinhold Carle, Universität Hohenheim. Sie haben Hinweise auf eine abschwächende Wirkung von Nahrungsnitrat auf Gingivitis gefunden (siehe auch zm 18/2016: "Mit Nitrat gegen Gingivitis").


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Für die klinische Studie nahmen Probanden zwei Wochen 200 mg Nitrat pro Tag oder Placebo mit einem Salatsaftgetränk auf. Anschließend zeigte sich in der Testgruppe gegenüber der Placebogruppe eine signifikante Reduktion der erfassten Gingival Index (GI)-Werte um durchschnittlich 52, 7 Prozent sowie eine signifikante Erhöhung der Nitratkonzentration im Speichel, wohingegen sich bei der mithilfe des Plaque Control Record erfassten Plaquebedeckung der Zähne für beide Gruppen nur geringe, statistisch nicht zu verifizierende Unterschiede zeigten.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Gingivitis-Patienten mehr nitratreiche Gemüsesorten wie Kopfsalat, Rucola, Spinat oder Rote Bete essen sollten: „Damit eröffnet sich eine verblüffend einfache, effektive und kostengünstige Möglichkeit, etablierte Therapien zur Kontrolle gingivaler Entzündungen zu unterstützen,“ begründet Prof. Dr. Thomas Attin, Universität Zürich, die Entscheidung der Jury.


2. Preis Wissenschaft

Zwei zweite Plätze in der Kategorie Wissenschaft gehen an Zahnmediziner um Dr. Gerd Göstemeyer der Berliner Charité für einen Vergleich verschiedener Prophylaxestrategien gegen Wurzelkaries sowie an die Zahnmedizinerinnen Dr. Anja Treuner und Dr. Margarita Höfer, Universität Greifswald, die eine Zahnputz-App für Vorschulkinder getestet haben.


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Einen weiteren zweiten Preis im Bereich Wissenschaft vergab die Jury an die Arbeitsgruppe um Dr. Gerd Göstemeyer, Centrum für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin.

Die Wissenschaftler verglichen verschiedene Strategien zur Vorbeugung einer Wurzelkaries, die im Bereich freiliegender Zahnhälse immer häufiger bei Senioren auftritt, da viele ihre eigenen Zähne bis ins hohe Alter behalten. Die In-vitro-Studie prüfte in einem kariogenen Biofilmmodell die Wirkung von drei kariesprophylaktischen Substanzen jeweils als Lack oder Spülung.

Am besten beugten remineralisierende Spülungen mit Natriumfluorid der Entstehung von Wurzelkaries vor. Silberdiaminfluorid, Natriumfluoridlack und Placebolack wirkten weniger gut, aber besser als antibakterielle Chlorhexidinlacke und -spülungen.

„Die Studie ergab ein eindeutiges Ranking der Strategien gegen Wurzelkaries und liefert Zahnärzten eine solide Basis für Empfehlungen – und davon profitieren die Patienten in hohem Maße“, bestätigt Prof. Dr. Werner Geurtsen, Medizinische Hochschule Hannover.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Margarita Höfer und Dr. Anja Treuner, Universität Greifswald, überzeugte mit einer Interventionsstudie, die den Effekt einer Zahnputz-Lern-App auf dem Smartphone untersuchte.

Dazu erhielten 49 Vorschulkinder eine spezielle Handzahnbürste mit einem digitalen Bewegungssensor, der Zahnputzbewegungen in Echtzeit auf ein Smartphone übertrug. Eine App verglich das reale mit dem Soll-Zahnputzmuster. Korrigierten die Kinder daraufhin ihre Putzbewegungen, erhielten sie Bonuspunkte. Nach sechs und zwölf Wochen hatten die Kinder 43 Prozent weniger Plaque und 33 Prozent weniger Zahnfleischbluten als die Kontrollgruppe.

„Die Studie ermutigt, Smartphones, Tablets & Co. künftig verstärkt in Präventionsstrategien einzubinden, denn sie bieten viel Potenzial für die Kariesprophylaxe“, konstatiert Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel, Universität Aachen.


1. Preis Öffentliches Gesundheitswesen

Den ersten Platz im Bereich Öffentliches Gesundheitswesen erhält Ines Olmos für ihre Masterarbeit über ein Berliner Programm zur Mundgesundheitsförderung bei Menschen mit Behinderungen.


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Unter Leitung der Arbeitsgruppe zahnärztliche Behindertenbehandlung der Zahnärztekammer Berlin mit Unterstützung des Berliner Hilfswerks Zahnmedizin e.V und der Berliner Senatsverwaltung Gesundheit und Soziales sind bereits seit 2005 zahnmedizinische Teams vor Ort, um Betreuer zu motivieren und fortzubilden.

Ziel ist, die Mundgesundheit der Bewohner zu verbessern. Die Teams führen Zahnputzübungen durch, geben Instruktionen zur Mundhygiene und Prothesenpflege und beraten in Ernährungsfragen.

Die erste Evaluation des Programms fand 2008 statt und wurde ebenfalls mit einem Wrigley Prophylaxe Preis ausgezeichnet; 2014 folgte ein Follow-up mit 89 Bewohnern aus 20 Wohngruppen. Das Ergebnis: Die Bewohner verbrachten mehr Zeit mit ihrer täglichen Zahnpflege und wandten häufiger Fluoride an.

Und: Nachhaltige Verhaltensänderungen für eine bessere Mundgesundheit der Bewohner konnten erreicht werden. „Die Auszeichnung des Programms ist ein erneutes Signal in Richtung Politik, wie wichtig und effizient die Förderung der Zahn- und Mundgesundheit bei Menschen mit Behinderung ist“, erklärt Dr. Michael Schäfer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitswesen, BZÖG, Bonn.


Sonderpreis

Den zusätzlich mit 2.000 Euro dotierten Sonderpreis bekommt die Kieler Studentin Vivian Serke für eine Prophylaxeinitiative mit Flüchtlingskindern. Hier dolmetschen muttersprachliche Studenten und ermöglichen lebendige Schulungen ohne Sprachbarrieren.


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Unterstützt durch zwei Kinderzahnärztinnen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein besucht die Kieler Zahnmedizinstudentin Vivian Serke seit 2015 zusammen mit Kommilitonen eine Kieler Notunterkunft und führt die Kinder spielerisch an das Thema Mundhygiene heran.

Eine Besonderheit hieran: Muttersprachliche Studenten dolmetschen bei den Schulungen. „So vermeiden wir Sprachbarrieren und können direkt mit den Kindern sprechen, auf ihre Fragen eingehen und unsere Schulungen flexibel anpassen“,  berichtet Serke.

Da viele Flüchtlingskinder noch nie Kontakt zu einem Zahnarzt hatten, will die Studentin ihnen mit dem Lernkonzept die Angst vor späteren Zahnarztbesuchen nehmen und ihr Bewusstsein für Mundhygiene fördern. Dazu demonstriert sie das systematische Zähneputzen, übt es mit den Kindern und erklärt anhand von Bildern typisch deutscher und arabischer Lebensmittel die Grundlagen einer zahngesunden Ernährung.

Das Ziel der Studentin ist, das Modellprojekt in weiteren Ersteinrichtungen zu verankern. Die Unterstützung der Jury hat sie: „Das engagierte, unbürokratische Projekt fördert die Integration von Flüchtlingskindern, senkt das Kariesrisiko und vermeidet damit Kosten für spätere Zahnbehandlungen“, resümiert Prof. Joachim Klimek, Universität Gießen.



Der Wrigley Prophylaxe Preis zeichnet seit 22 Jahren herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Kariesprophylaxe aus. Der Preis wird von der wissenschaftlichen Initiative Wrigley Oral Healthcare Program (WOHP) gestiftet und steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ). In diesem Jahr lagen insgesamt 19 Bewerbungen vor.

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