Einsatz in Westafrika

Eine Zahnärztin auf den Kapverden

Der kleine Inselstaat Kapverden liegt liegt vor der Westküste Afrikas. 130.000 der insgesamt 520.000 Einwohner leben in der Hauptstadt Praia, unserem Einsatzort. Da wir das erste Team vor Ort waren, war es gewissermaßen eine Reise ins Ungewisse.

Unser erstes Einsatzteam behandelte in der Hauptstadt Patienten mit massiven Beschwerden aufgrund der defizitären Grundversorgung. Linda Daume
Die Diagnosen bei den Kindern waren mitunter gravierend, umso größer war die Erleichterung nach der Behandlung. Linda Daume
Begeisterte Grundschüler freuen sich über den Besuch und die gespendeten Zahnpflegeprodukte. Linda Daume

Wir - die zahnärztlichen Kollegen Dr. Klaus Fackler und Jan Schneider sowie die Zahnarzthelferinnen Marion Fackler und Dagmar Liebig und ich - flogen mit insgesamt 10 Koffern voll mit gespendeten Materialien nach Praia/Santiago. Begleitet wurden wir von Frau Prof. Tuul Macher, die das Projekt vor Ort offiziell einweihte und uns bei der Organisation unterstützte.

Der einzige Behandlungsstuhl ist kaputt

Unser Einsatzort war das Gesundheitszentrum Centro de Saūde Ponta D’Aqua. Dort halfen uns der Zahnarzt und Projektleiter Dr. Ozias Fernandes und die Zahnärztin Dr. Elisabeth Rodriguez. Vor Ort gab es einen Behandlungsstuhl, der jedoch fast vollständig defekt war. Die kapverdischen Zahnärzte erklärten uns, dass ausschließlich Extraktionen vorgenommen werden. Andere zahnärztliche Behandlungen werden nur in Privatpraxen durchgeführt und sind für die einfache Bevölkerung nicht bezahlbar. Wir nutzten den ersten Tag, um die von der DWLF neu angeschafften mobilen Einheiten, Behandlungsstühle etc. aufzubauen und uns im Zentrum einzurichten.

Einweihung mit zwei Fernsehteams und einer Pressekonferenz

Offiziell wurde der Einsatz mit einer Pressekonferenz eingeweiht und die Partnerschaft zwischen der DWLF und dem Gesundheitsministerium der Kapverden vorgestellt. Der lokale Stellenwert des Projekts lässt sich an der Anwesenheit von zwei Fernsehteams und weiteren Pressevertretern ermessen.

Der Kapverder geht nur bei akuten Beschwerden zum Zahnarzt. So war einigen Patienten der Sinn einer allgemeinen Befundaufnahme nicht ersichtlich. Sie zeigten nur auf den Zahn, der ihrer Meinung nach gezogen werden sollte. Der Behandlungsbedarf der lokalen Bevölkerung ist enorm, so dass wir den Patientenzustrom begrenzen mussten und täglich etwa 20 Patienten behandelten. Wo immer möglich, versuchten wir den Gedanken des Zahnerhalts bei der Bevölkerung zu etablieren und Zähne mittels Füllungstherapie zu versorgen. Trotzdem waren viele Extraktionen nötig.

Vor allem Kinder und Jugendliche hatten einen extrem schlechten Zahnstatus. So ist es keine Seltenheit, dass bei Schulkindern im Alter von 6 bis 9 Jahren die Sechsjahrmolaren vollständig zerstört sind oder bereits fehlen und fast alle Milchzähne kariöse Läsionen aufweisen. Durch die frühzeitigen Zahnverluste sind Fehlstellungen keine Seltenheit.

Füllungen oder prothetischer Zahnersatz waren bei unseren Patienten so gut wie gar nicht vorhanden, Prophylaxebehandlungen gänzlich unbekannt. Da es vor Ort bisher kein Röntgengerät gibt, konnten wir nur wenige endodontische Behandlungen im Frontzahnbereich durchführen.

Hauptsache alles fixe

Die Patienten waren sehr geduldig, unkompliziert und dankbar für unsere Arbeit. Die Kommunikation funktionierte recht gut. Dr. Elisabeth Rodriguez war uns mit ihren Übersetzungen ins Portugiesische eine große Hilfe. Sonst waren Worte wie wie extração (Extraktion) oder chumba (Füllung) schnell gelernt. Fixe (gesprochen fisch) ist aber das wichtigste Wort, es bedeutet auf Kreolisch so viel wie alles in Ordnung!

Am letzten Tag besuchten wir die örtliche Grundschule. Dort erwarteten uns etwa 100 Zweitklässler. Mithilfe von Dr. Fernandez demonstrierten wir den Kindern das Zähneputzen und die Untersuchung beim Zahnarzt. Am Ende erhielt jeder Schüler eine Zahnbürste und Zahncreme, was auf Begeisterung stieß und wir zum Dank ein Lied gesungen bekamen. Ob solche Aktionen langfristig Erfolg haben, bleibt abzuwarten, insbesondere dann, wenn vor der Schule ein Süßigkeitenstand auf die Kinder wartet.

Seit Oktober 2015 sind die Kapverdischen Inseln ein neues Einsatzland von Zahnärzte ohne Grenzen (DWLF). Linda Daume ist Zahnärztin an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Münster. Sie reiste mit dem ersten Team an.

Dank der großzügigen Spenden von Sponsoren und Dentalfirmen konnte vor Ort eine zahnmedizinische Grundversorgung auf Zeit ermöglicht werden. Ohne dieses Material wäre der Einsatz nicht umsetzbar gewesen.

Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen

Waechterstraße 28
90489 Nürnberg

Telefon: 0911 530 95-45
Telefax: 0911 530 95-47

Webseite: www.dwlf.org
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