Soziales Engagement

"Gegen Zahnprobleme ist kein Kraut gewachsen"

Mitglieder des Meininger Vereins Ladakhpartners - Partnership Lokal Doctors sind von ihrem diesjährigen Hilfseinsatz aus dem westindischen Himalaya zurückgekehrt.

Ladakhparrtners-Partnership Local Doctors e.V.

Behandlung in mehr als 3000 Metern Höhe. Ladakhparrtners-Partnership Local Doctors e.V.
Gruppenbild mit westindischen Amchis. Ladakhparrtners-Partnership Local Doctors e.V.

"Wir haben in den vier Wochen alles gut geschafft, sogar noch etwas mehr", bilanziert Maik Wieczorrek die diesjährige Hilfsaktion des von ihm gegründeten Meininger Vereins Ladakhpartners - Partnership Lokal Doctors.

Die Zahnärzte Carsten Neumann und Maik Wieczorrek sowie ihre Familien, der Zahnmedizinstudent Jonas Wagenknecht, Gudrun Greiner-Pol und die Vereinsvorstände Fred Kissling und Alexander Keiner waren vom 28. Juli bis 24. August im westindischen Himalaya unterwegs, um in der Region Ladakh zahnmedizinische Hilfe zu leisten, eine Hepatitis-B-Impfkampagne zu organisieren, zwei Photovoltaikanlagen auf ein Ärztehaus sowie eine Schule im Dorf Lingshed zu bauen. Außerdem haben sie die dortigen Schüler behandelt und ihnen die Grundregeln der Zahnhygiene mithilfe eines Zahnputzmaskottchens und der mitgebrachten Zahnbürsten vermittelt.

Höhenmessungen mit quecksilberfreien Fieberthermometern

Nachdem sich die Gruppe ein paar Tage in der Stadt Leh auf 3.500 Meter akklimatisiert hatte, brach die zehnköpfige Mannschaft am 2. August in die überwiegend karge Bergregion zwischen 4.000 und 5.000 Metern Höhe auf. Mit den Jeep ging es zur Ausgangsortschaft Fotoksar. Am fast 4.800 Meter hohen Sirsi La vor dem Dorf wurde die erste Höhenmessung mit gesponsorten, quecksilberfreien Fieberthermometern durchgeführt. Diese waren vom Hersteller kostenlos für die Amchis, so heißen die Naturärzte der Region, zur Verfügung gestellt worden. Im Gegenzug absolvierte der Hilfsverein eine Messreihe, um für den Hersteller die Höhentauglichkeit der Geräte zu testen.

Von dort ging es für die nächsten 15 Tage zu Fuß weiter, nach zwei Akklimatisationsnächten in Fotoksar und der Passüberquerung des Senge La mit seinen 5.000 Metern Höhe. Danach wurde die Gruppe am 5. August im Dorf Youlchung von den Bewohnern und den Amchis herzlich empfangen. Gestartet war der zwölfköpfige Treck, inklusive der zwei einheimischen Projektbeteiligten, mit acht Pferden und acht Eseln.

Mobile Sprechstunde mit Zahnärzten und Amchis

Einen Tag später begann die erste Hilfskampagne, eine Art mobile Sprechstunde, in Yulchung mit acht Amchis und den drei deutschen Zahnärzten. Die Amchis behandelten dabei auf traditionelle Weise mit Kräutermedizin und auch Wieczorrek, Neumann und Wagenknecht behandelten mit einfachsten Mitteln die Zähne.

"Bei den Zähnen hören die Naturheilanwendungen der Amchis auf. Gegen Zahnprobleme ist bisher kein Kraut gewachsen", so der Cottbuser Carsten Neumann. Einige Amchis behandelten deshalb gemeinsam mit den drei Deutschen, um ihre Fertigkeiten in diesem Bereich zu vertiefen.

Die mobilen Dorfsprechstunden führten die Ärzte und ihre Begleiter innerhalb von zehn Tagen durch fünf Dörfer zwischen 4.000 und 5.000 Metern Höhe. Dabei wurde die Gruppe von den Bewohnern der Dörfer Yulchung, Nyeraks, Gongma und Skiumpata herzlichst und gleichzeitig erwartungsvoll aufgenommen. Ziel der Reise war jedoch das 500-Seelen-Dorf Lingshed.

Zahnputzschulung mit 85 Kindern und einem Murmeltier

"Nachdem wir bereits die Photovoltaikanlagen für die Schule und das Ärztehaus in Leh bestellt hatten, konnte sich das Team den nächsten Aufgaben widmen. In der Schule mit insgesamt 85 Schülerinnen und Schülern aus Lingshed und den umliegenden Orten wurden die Postkarten, die ein Murmeltier mit Zahnbürste zeigen, verteilt. Dazu wurde jedem der 4- bis 17-Jährigen eine Zahnbürste übergeben. Im Anschluss haben wir den Schülern erklärt, wie richtiges Zähneputzen funktioniert und dass man noch auf der Suche nach einem Namen für das Zahnputzmurmeltier sei“, erzählt Projektinitiator Wieczorrek.

Die Idee: Immer wenn die Kinder am Morgen das Bild vom Murmeltier mit der Zahnbürste sehen, soll es sie an das Zähneputzen erinnern. Lehrer und Schüler einigten sich darauf pro Klasse drei Namensvorschläge abzugeben.

Im Anschluss wurde die Hilfskampagne mit den Amchis und den Zahnärzten an der Schule durchgeführt. Rund 60 Kinder wurden untersucht und behandelt. "Dabei stellte sich heraus, dass es um die Zahngesundheit der Kinder nicht zum Besten steht. Wir konnten viele Zähne nur noch ziehen. Der ganze Tag war sehr anstrengend für alle", so Wieczorrek. Wer nicht direkt an der Behandlung beteiligt war, kümmerte sich um die kleinen Patienten nach der Extraktion.

Beim buddhistischen Morgengebet

Am nächsten Tag wurde für die Einwohner des Dorfes die mobile Sprechstunde in der Amchiklinik in Lingshed angeboten. Zuvor durfte das Team an einem buddhistischen Morgengebet im Kloster des Ortes teilnehmen. Zum Abschlusstag wurden in Lingshed der indische Unabhängigkeitstag sowie der Besuch des Dalai Lama vor fünf Jahren gefeiert.

"Wir haben die Gelegenheit genutzt, um auch das zehnjährige Jubiläum der Zusammenarbeit mit den Amchis der Region zu würdigen", so Wieczorrek. Die 13 Naturärzte erhielten ein Fotoheft mit Fotos über den gesamten Zeitraum. Auch die Amchis, die einheimischen Politiker und  Vertreter des Klosters bedankten sich bei den deutschen Partnern. Am Ende wurde ein Thanka, ein Rollbild des tantrischen Buddhismus, überreicht.

Die Feier habe erneut die tiefe Verbundenheit zwischen den Menschen der Trans Sengela Area und den deutschen Besuchern gezeigt, erklärt der Initiator. Außerdem wurde der Name des Murmeltiers mit der Zahnbürste ausgelost. Es heißt nun "Tunu".

Photovoltaikanlage auf Esel verladen

Kurz vor der Rückfahrt nach Leh am 17. August per Jeep kamen die Bauteile für die Photovoltaikanlagen mit einem Pickup am letzten Zeltlager in 4.500 Metern Höhe an. "Dort hatten wir die letzte Nacht im Zelt verbracht um auf die Anlage zu warten und von dort wieder nach Leh zu fahren. Die Fahrer kamen fast pünktlich an", so Wieczorrek. "Die Anlagenteile wurden dann auf die Esel und Pferde geladen mit denen wir die 14 Tage in der Bergregion unterwegs waren. Nun hoffen wir, dass die Anlage auch fachgerecht installiert wird."

Alles in allem sei die Hilfsaktion 2014 sehr erfolgreich verlaufen - abgesehen von den körperlichen Anstrengungen und dem einen oder anderen Magenproblem. Jetzt warte man aufseiten des Vereins noch auf die Information, wie viele Impfdosen gebraucht werden, um alle 5- bis16-Jährigen in den Dörfern gegen Hepatitis B impfen zu lassen.


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