Einsatz in Ostafrika

Wo Zähne mit Holzkohle gereinigt werden

Mit dem Ziel, ein neues Land für zahnärztliche Hilfseinsätze zu erschließen, brachen wir Zahnärzte und Assistenten des Vereins Planet Action Ende März 2017 zu einer Reise nach Malawi in Ostafrika auf. Das ist unser Reisebericht.

In Malawi kommen viele Frauen mit ihren kleinen Kindern zur Behandlung und legen kurzer Hand das Baby zum Stillen an die Brust, während ihnen gerade ein Zahn extrahiert wird. Planet Action e.V.

Das mobile Equipment von Planet Action e.V. kann überall mit hin transportiert und an Ort und Stelle aufgebaut werden. Durch großzügige Geld- und Sachspenden konnte das zahnärztliche Instrumentarium und Material nach und nach zusammengestellt werden. Planet Action e.V.
Die Zahnärztinnen beim Screenen und Fluoridieren der Zähne von Schulkindern der Primary School, in der kurz zuvor eine Unterweisung zur Zahngesundheit und -pflege stattgefunden hat. Planet Action e.V.
Kameras erfreuen sich bei den Kindern großer Beliebtheit. Jeder möchte mit auf das Foto und zeigt enthusiastischen Körpereinsatz. Planet Action e.V.
Die Freude über das Geschenk ist riesig! Wenn man bedenkt, dass Zahnbürste und Zahnpasta in Malawi zusammen rund 1 Euro kosten und das bei einem monatlichen Einkommen der Eltern von 10 bis 30 Euro echte Luxusartikel, ist das umso verständlicher. Planet Action e.V.
Malawi hat auch landschaftlich Einiges zu bieten. Neben dem großen Malawisee gibt es Berge, die zu Wanderungen einladen, und viele Nationalparks, in der man die großartige Tierwelt Malawis kennenlernen kann. Planet Action e.V.
Kinder, die ihre jüngeren Geschwister auf dem Rücken tragen, sieht man in Malawi überall. Planet Action e.V.
Das Zahnärzteteam beim Extrahieren unter einfachsten Bedingungen. Die Behandlungen finden auf einfachen Liegen und im Stehen statt, es gibt keine Absaugung und kein Licht, nur eine Stirnlampe bessert die Sicht etwas auf. Planet Action e.V.
Das Wartezimmer vor dem Behandlungsraum des Planet Action-Teams. Täglich warteten ungefähr einhundert Menschen auf eine Behandlung. Trotz langer Arbeitstage müssen am Abend oft viele der wartenden Patienten auf den nächsten Tag vertrösten werden. Planet Action e.V.
In der Primary School erhielt jeder der rund 1.000 Schüler Zahnbürste und Zahnpasta. Geduldig stellten sich die Kinder an und warteten bis sie an der Reihe waren. Planet Action e.V.
Nach einer theoretischen Putzdemo mit dem großen Zahnputzmodell wurde das Zähneputzen auch praktisch gemeinsam geübt. Das Gelächter war groß, als die Freiwilligen gemeinsam mit der Zahnärztin vor der gesamten Gruppe ihre Zähne putzten. Planet Action e.V.
Vor Behandlungsbeginn wurde für die wartende Patientenmenge auch eine Putzdemo abgehalten. Alt und Jung hörten gespannt und interessiert zu. Die Behandler erfuhren auf Nachfrage, dass viele Malawier zur Reinigung ihrer Zähne Holzstöckchen oder den Finger und dazu Wasser, Asche oder Holzkohle benutzen. Planet Action e.V.
Im Hintergrund sieht man die neugierigen Blicke der Mitschüler, während zwei Schülerinnen gemeinsam Zähneputzen. Eine willkommene Abwechslung, wenn deutsche Zahnärzte der Schule einen Besuch abstatten. Planet Action e.V.
Der Behandlungsraum war klein, doch es fanden alle Platz. Neben den Behandlungen selbst wurden hier auch die Instrumente gereinigt. Einige Worte in der Landessprache Chichewa konnten hier auch aufgeschnappt und beim nächsten Patienten gleich angewandt werden. Planet Action e.V.
Auf dem Markt in Malawi begeistern die bunten und saftigen Farben. Nicht nur das frische Obst und Gemüse, sondern auch die farbenfrohe Kleidung der Menschen ziehen die Blicke auf sich. Planet Action e.V.
Das Planet Action-Team mit ihrer malawischen Helferin und Übersetzerin, die der Gruppe zur Seite stand. Planet Action e.V.

Für drei Wochen wollte unser sechsköpfiges Team, bestehend aus den Zahnärzten Dr. Hans Lohr, Anja Stengele und Nina Sickenberger, sowie den Assistenten und Organisatoren Angie Lohr, Dominik Biehler und Matthias Schmitt, zahnärztliche Hilfe in eines der ärmsten Länder der Welt bringen. Mit vielen zahnärztlichen Instrumenten und Materialien und voller Vorfreude und Neugierde im Gepäck machten wir uns auf den Weg. Zwei Stationen für zahnmedizinische Behandlungen lagen vor uns.

Zu Beginn der Reise behandelten wir im St. Gabriel’s Hospital in Namitete, etwa 50 km westlich von der malawischen Hauptstadt Lilongwe entfernt. Das Krankenhaus wurde 1959 mitten im „Busch“ gegründet und über die Jahre mit Unterstützung aus Luxemburg und Deutschland immer wieder vergrößert.

Ungeahnte Patientenströme

Mittlerweile gibt es einige gut funktionierende Stationen. Trotz einiger Versuche, auch Zahnmedizin für die arme umliegende Dorfbevölkerung anzubieten, ist dies bisher noch nicht gelungen. Auf die Ankündigung, dass deutsche Zahnärzte für eine Woche kostenlose Zahnbehandlungen anbieten würden, machten sich deshalb zahlreiche Patienten aus der Umgebung auf den Weg zu uns. Täglich warteten ungefähr einhundert Menschen auf eine Behandlung.

Obwohl wir morgens früh mit der Arbeit begonnen und erst bei Dämmerung Feierabend machten, mussten wir am Abend viele der wartenden Patienten auf den nächsten Tag vertrösten. Unsere malawische Helferin und Übersetzerin Chiwemi hatte aufgrund des großen Andrangs die Idee, eine Liste anzufertigen, um die Reihenfolge der am nächsten Tag zu behandelnden Patienten festzulegen. Der Tumult, der dabei entstand - jeder wollte unbedingt auf der Liste stehen - ging buchstäblich unter die Haut.

Viele hatten einen weiten Weg auf sich genommen und übernachteten in der Nähe des Krankenhauses, um am nächsten Morgen wieder früh vor unserem Behandlungsraum bereitzustehen, so dass uns bei Arbeitsbeginn schon eine große Menschenmenge erwartete. Es sollten im Laufe des Tages noch mehr werden!

Die Behandlungen fanden auf einfachen Liegen statt, die wir am Fenster platzierten, um neben unseren Stirnlampen noch etwas mehr Licht zu haben. Wir richteten unser Augenmerk auf Schmerzpatienten mit nicht erhaltungswürdigen, beherdeten Zähnen. Indem wir uns auf die Extraktion schmerzender Zähne fokussierten, hofften wir, möglichst viele Patienten behandeln und sie so von ihren Schmerzen befreien zu können.

Frauen stillen während der Extraktion

Viele Frauen kamen mit ihren kleinen Kindern zur Behandlung und legten kurzer Hand das Baby zum Stillen an die Brust, während wir gerade mit Hebel und Zange in ihrem Mund am Werk waren. Ein solches Bild bietet sich wohl in keiner deutschen Zahnarztpraxis!

Am meisten bleibt uns eine etwa 40 Jahre alte Patientin im Gedächtnis, die mit hohem Fieber, Schüttelfrost und einem eigroßen Abszess im Oberkiefer zu uns kam. Die Frau wog nur noch 37 kg, weil sie aufgrund heftiger Zahnschmerzen schon seit längerem nichts mehr essen konnte. Nach Inzision des Abszesses und Antibiotikaeinnahme konnten wir an den folgenden Tagen eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes der Patientin beobachten. Nachdem wir ihr am letzten Tag noch die „Übeltäter“ extrahierten, bedankte sie sich herzlich bei uns. Diese Krankheits- beziehungsweise Genesungsgeschichte war eines der gravierendsten und schönsten Erlebnisse zugleich!

Ein Zahnarzt auf 450.000 Einwohner

In der kurzen Zeit hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nach zahnärztlichen Behandlungen in dieser abgelegenen Region riesig ist. In Malawi versorgt ein Zahnarzt statistisch gesehen 450.000 Einwohner, in Deutschland sind es zum Vergleich 1.200 Einwohner. Die wenigen Zahnärzte, die es in Malawi gibt, arbeiten hauptsächlich in den drei großen Städten Lilongwe, Blantyre und Mzuzu. So sehen wir eine große Notwendigkeit, im St. Gabriel’s Hospital eine zahnmedizinische Abteilung aufzubauen.  

Ein Raum dafür ist bereits vorhanden. Das Interesse seitens des Klinikpersonals ist groß, es fehlen lediglich ein Behandlungsstuhl und ein Zahnmediziner, der dort dauerhaft arbeiten möchte. Nach Gesprächen mit dem Klinikdirektor Dr. Mbeya und dem Generaldirektor der luxemburgischen Stiftung Zitha, Dr. Goetzke, werden wir das Vorhaben, eine Zahnstation aufzubauen, mit „Planet Action – Helfende Hände e.V.“ unterstützen und einen Zahnarztstuhl per Schiffscontainer nach Malawi senden. Außerdem haben wir das Ziel, regelmäßig Zahnärzte und Zahnmedizinstudenten aus Deutschland nach Malawi zu schicken.

Untergebracht waren wir in einem Gästehaus auf dem Campus des Krankenhauses. Bis auf die vielen Stromausfälle und das kalte Wasser zum Duschen waren wir dort fast auf europäischem Standard beherbergt. Wir hatten eine Küche, um uns selbst zu versorgen oder konnten die Klinikkantine nutzen, in der man bei Vorbestellung ein warmes malawisches Gericht zum Mittagessen bekam. Wir fühlten uns sehr wohl und herzlich vom ganzen Klinikpersonal aufgenommen, so dass uns die Abreise schwerfiel.

Planet Action - Helfende Hände e.V.

Obere Seegasse 16
69124 Heidelberg

Telefon: 0160/94739923

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