Nepal

Zahnputz-Apps für Amchis

Das Tablet ist hier fest etabliert. Eine Gruppe um den Meininger Zahnarzt Maik Wieczorrek hat fünf Geräte in eine abgelegenen indische Bergregionen an Einheimische übergeben. Warum, lesen Sie hier.

Geografisch weit weg, aber mit den Sinnen nah bei uns: Während die älteren Menschen die moderne Spende der deutschen Zahnärzte gewöhnungsbedürftig fanden, konnten die jungen Leute in der abgelegenen indischen Bergregion schon eher etwas mit den Tablets anfangen. Auch die Lehrer im Ort waren begeistert.

Es gibt einen Werbespot, in dem ein Großvater auf dem Tablet Zwiebeln schneidet und es danach in den Geschirrspüler steckt, weil ihm nicht klar ist, wofür man es sonst nutzen könnte. Baff waren auch die Naturärzte - die Amchis - in der indischen Hochgebirgsregion Ladakh, als eine deutsche Gruppe um den Meininger Zahnarzt Maik Wieczorrek über mehrere Tage den beschwerlichen Weg auf sich nahm, um den Menschen dort unter anderem fünf Tablets zu übergeben. Warum nur?

Nun, der Gebietsvertreter der Region, die auch Klein-Tibet genannt wird, hatte sich beim letzten Besuch des deutschen Zahnarztes erkundigt, ob die Hilfsorganisation auch einen Computer bereitstellen könne. Nach längerem Nachdenken entschied sich der Meininger Zahnarzt  fünf Tablets als Spenden mit in den Himalaya zu nehmen.

Der Vorteil: Installiert man auf den Tablets die lokalen tibetischen Sprachen, könnten die Amchis im Dorf damit beispielsweise Pflanzen fotografieren und die Bilder dann auch gleich entsprechend beschriften. Und das Wissen erstmals digital an die Jüngeren im Dorf weitergeben, glaubt Wieczorrek. Die uns mittlerweile so vertrauten Geräte stellen in der Kultur des Bergvolkes einen Paradigmenwechsel dar, denn bislang haben sie doch ihre Kenntnisse nur mündlich weitergetragen (,wenngleich sie laut Wieczorrek auch Zugang zu Fotoapparaten hatten).

Tablets als Kulturvermittler

Er selbst will aus einem Teil der Daten später vielleicht ein Buch über die aufgenommenen Heilpflanzen produzieren und erhofft sich, dass er mit den Menschen, die er seit über zehn Jahren regelmäßig besucht, mithilfe der Technik besser kommunizieren kann. Die eingegebenen Texte kann er nun relativ einfach übersetzen, während er die Handschrift weder entziffern geschweige denn verstehen konnte.

Ideal sind die Geräte Wieczorrek zufolge auch für den örtlichen Schulbetrieb. Vier der fünf Tablets wurden deshalb mit dem Logo der Hilfsorganisation Ladakhpartners-Partnership Local Doktors e.V. graviert, nummeriert und an Lehrer übergeben - die waren begeistert von der Möglichkeit, die drei landestypischen Schriften Tibetisch, Urdu und Hindi gleichzeitig nutzen zu können.

Das Internet kommt vielleicht später

Zum Tablet gehört ja eigentlich auch Internet. Das gibt es aber in der Bergregion noch nicht. Die Schuldirektion würde sich einen Anschluss aber wünschen, doch technisch möglich ist hier nur Satelliteninternet, was vergleichsweise teuer ist. Pro Monat fallen 50 Euro an - sehr viel Geld für Ladakher Verhältnisse. Wieczorrek will jetzt Wege prüfen.

Und wie kommen die Geräte bei den Menschen an? Weniger gut bei den Älteren, affiner sind die jungen Amchi-Ärzte, die alle mittlerweile auch Smartphones haben. Apps hattet Wieczorrek bereits vor der Reise auf die Geräte geladen, doch biete der Markt zu wenig global nutzbare werbefreie Applikationen an, in denen Zahnputztechniken demonstriert werden, kritisiert er. Auf den Geräten für die Lehrer befinden sich nun zum Beispiel Geo-Apps, wo kindgerecht die Welt vorgestellt wird. Und auf dem Amchi-Tablet hat er ein 3-D-Anatomieprogramm installiert.

Hintergrund:

Vom 2. bis 24. Juli 2016 waren die „Ladakhpartners Local Doctors e.V. um den Meininger Maik Wieczorrek, in abgelegenen Bergregionen im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir unterwegs, um Material und zahnärztliche Instrumente zu übergeben.. Eins der Hauptziele: das Dorf Dibling, einer der abgelegensten Orte in Ladakh überhaupt.

Eingeschlossen von einem 5.000 Meter hohem Pass und zwei reißenden Flüssen brauchte die Gruppe mehrere Tage, um zu Fuß dorthin zu gelangen. Zusammen mit den Amchis, den tibetischen Naturheilern,  wurden Zahnbehandlungen durchgeführt. Die „Amtseinführung“ eines jungen Amchi, der gerade seine Ausbildung abgeschlossen hatte, war für die gesamte Gruppe ein ganz besonderes Erlebnis.

Außerdem wurden Erdkabel zur Verfügung gestellt, um alle Häuser an das Solarstromnetz anzuschließen. Jeder Haushalt erhielt zwei LED-Leuchten mit entsprechenden Fassungen. Wieczorrek geht es bei seiner Arbeit im Rahmen der Hilfsorganisation immer auch darum, Anreize zu schaffen, damit die jungen Menschen nicht aus der Region abwandern.

Ladakhpartners-Partnership Local Doctors e.V.

Ernestinerstraße 18
98617 Meiningen

Telefon: 03693 50 37 81

755340748801748802748803755341 755342 755275
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