Klinisch-ethische Falldiskussion


Ein junger Mann aus Sierra Leone kommt zur Schmerzbehandlung. Er hat gelblich gefärbte Augäpfel sowie offene, nässende Stellen am Gaumen. Handelt die Zahnärztin korrekt, indem sie die Behandlung durchführt?

Ein Zahntechnikermeister gliedert in seinem Dentallabor einen implantatprothetischen Zahnersatz definitiv im Oberkiefer einer Patientin ein. Seine Rechtfertigung: Die Bedingungen des Marktes erfordern dies.

Ein sechsjähriger aufgeweckter und kooperationsbereiter Junge soll in Narkose eine Cerec-Krone am kariösen Zahn 84 erhalten. Sedierung zum Vorteil des Patienten oder des Zahnarztes?

Assistenzzahnärztin und Chef sind sich uneins, wie sie eine langjährige Patientin behandeln sollen: er hält eine Überkronung für notwendig, sie befürwortet eine Versorgung mit plastischem Füllungsmaterial.

Klinische Studien helfen, die Versorgung zu verbessern. Einen hohen Evidenzgrad erreicht man aber nur über die (anonymen) Daten der Probanden.

Eine 63-jährige Patientin wünscht sich den Erhalt ihrer Zähne, sowohl der Hauszahnarzt als auch ein Implantologe raten davon ab. Der dritte hinzugezogene Zahnarzt versteht das nicht. Wie soll er sich verhalten?

Ein langjähriger Patient verwahrlost zusehends und zeigt demenzielle Erscheinungen. Darf der Zahnarzt eingreifen und die Adressen der Kinder ausfindig machen, um sie auf die Probleme des Vaters hinzuweisen?

Wie soll man sich verhalten, wenn der Kollege bei Wurzelkanalfüllungen wissentlich und mit Täuschungsabsicht die üblichen Standards nicht eingehalten hat?

Ein Patient kommt mit starken Schmerzen in die Praxis, ein anderer folgt mit einer verloren gegangenen Füllung – und einem Geschäftstermin im Nacken. Wen setzen Sie zuerst auf den Stuhl?

In diesem Fall geht es um die Behandlung einer ehemals alkoholabhängigen 40-jährigen Patientin und um die Frage nach der Extraktion eines noch erhaltungswürdigen Zahnes und um die Frage der Finanzierbarkeit.