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Abseits der Praxis (12): Sidekick mit Sidestick

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben, sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt. Wir erzählen von Industrieberufen, künstlerischer Selbstfindung, humanitären Einsätzen, Aussteigern, Politikerkarrieren und Jobs in Industrie, Forschung und Verwaltung. Einige unserer Protagonisten haben sich sehr weit vom Ursprungsberuf entfernt, andere haben nur wenig verändert, um ein wenig Abwechslung in ihren Praxisalltag zu bringen. Fest steht so oder so: Auch "Abseits der Praxis" warten viele spannende Aufgaben.

Marc_Schwarz - photocase.com

Zahnarzt, Pilot und Konstrukteur: Dr. Michael Schuhbeck im Cockpit der „ONE“. privat

2007 erfüllte sich Dr. Michael Schuhbeck mit dem Flugschein einen Kinderwunsch. Das luftige Steckenpferd war ausschlaggebend dafür, dass der Bäckerssohn aus Ruhpolding den Bohrer mit dem Steuerknüppel tauschte.

Schon als Schüler war der 62-Jährige vernarrt in die verschiedenen Modellbausätze, die er wie am Fließband zusammenbaute. Und auch in der Studienzeit an der LMU München galt sein Blick vermehrt den fliegenden Objekten am Himmel. Absolutes Highlight waren für ihn jedes Mal die legendären Fliegertage am ehemaligen Ruhpoldinger Flugplatz Neustadln, die seinen Wunsch zu fliegen noch verstärkten.

Im österreichischen Sportfliegerclub (ÖSC), dem er auch heute noch angehört, nahm er im Rekordtempo von acht Monaten den Flugschein in Angriff. Obwohl am Ende alles funktionierte, denkt er mit gemischten Gefühlen und einigem Unbehagen an den letzten Teil der praktischen Prüfung, den obligatorischen Solo-Dreiecksflug.

„Da bist du ganz schön am schwitzen, wenn die Flugroute auf die Schnelle komplett und ganz allein umgeplant werden muss, inklusive Spritmanagement, Waypoint-Bestimmung und Anflugverfahren,“ blickt Schuhbeck auf die kniffliche Situation damals zurück. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse musste er nämlich kurzerhand den akribisch vorbereiteten Flugplan ändern und nach Innsbruck und auf den schneebedeckten Flugplatz von Zell am See ausweichen.

Dafür klappte nach bestandener Prüfung der erste Streckenflug mit einer Gruppe von drei Flugzeugen und Fluglehrerbegleitung wie am Schnürchen: Dank sorgfältiger Vorbereitung steuerte er die Cessna 182 innerhalb von zwölf Tagen problemlos über die internationalen Flughäfen von Split, Dubrovnik, Tivat, Korfu, Reggio di Calabria, Malta, Catania, Salerno, Rom und Padua zurück nach Salzburg.

Dass auch in Fliegerkreisen Kollege Zufall manchmal Regie führt, erlebte Michael Schuhbeck bei einem Messebesuch in Friedrichshafen am Bodensee. Die Fachmesse „AERO“ zählt zu den renommiertesten europäischen Ausstellungen auf dem Gebiet der Luftfahrt. Dort fiel ihm am Stand eines slowenischen Herstellers ein Fluggerät besonders ins Auge. Der ‚schnuckelige Vogel’, der hier präsentiert wurde, hinterließ mit seiner kompakten Bauweise und dem extrem hohen Verarbeitungsniveau bei ihm großen Eindruck.

Nach ersten Gesprächen mit dem leitenden Diplomingenieur Iztok Salamon merkten sowohl der bayerische Interessent wie auch der slowenische Flugzeugbauer eine gewisse Seelenverwandtschaft. Und dass beide nicht nur der Hang zur Perfektion verbindet, sondern auch die Akribie, wenn es um die Sicherheit in der Luft geht.

Werft

Mittlerweile gehört der fliegende Zahnarzt zum Team der kleinen Flugzeugwerft, die ihren Sitz in der 30.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Celje zwischen Maribor und Ljublijana hat. „Die stecken einen förmlich an mit ihrer Technikbegeisterung“, schwärmt Schuhbeck über seine neuen Kollegen, für die es aus Überzeugung keinen Achtstundentag gibt. Dort bringt er sich vor Ort mehrmals im Jahr mit seinen Ideen im Bereich Ergonomie und Design ein. Zudem leitet er die Generalvertretung für Deutschland und Österreich.

Seine Neuerungen und Verbesserungen reichen von umklappbaren, verstellbaren Sitzen über die sicherheitsrelevante Platzierung der Warnlampen und Bedienungshebel, der Aufhängestation für das Headset bis hin zum versenkt integrierten Auslösehebel des Fallschirm-Rettungssystems in der Mittelkonsole.

Platz für Staffelei und Skier

Um die Maschine familien- und businesstauglicher auszurichten, wurde auf sein Betreiben hin der Gepäckraum komfortabel vergrößert. Jetzt lässt sich sogar die Malerstafflei oder die Skiausrüstung verstauen, auf die ein Fluggast nicht verzichten möchte.

Momentan tüftelt er gleich an zwei neuen Projekten. So konzipiert er ein neues Instrumentenmodul, das die Bereiche Ergonomie, Bedienung und Komfort gleichermaßen in Einklang bringen soll. Den Entwurf dazu stellte er bereits während einer Tagung mit dem italienischen Designer Professore Pinucci in Pisa vor. Außerdem entwickelt er ein verbessertes Bugfahrwerk für die ‚ONE’. Hier arbeitet er Schulter an Schulter mit einem 58-jährigen Airliner-Piloten zusammen, der über 20.000 Flugstunden "auf dem Buckel" hat und von dem er wertvolle Tipps für die eigene fliegerische Weiterbildung erhält.

Sogar für das ‚kleine Geschäft’, das über den Wolken sehr unangenehm werden kann, ist in dem hochmodernen Cockpit aus Carbon- und Kevlarfasern vorgesorgt. Sozusagen ein Mini-Dixie-WC in einer frontalen Aussparung der Sitzfläche. Denn schließlich soll die ‚ONE’ als sicherste, komfortabelste und leistungsfähigste Maschine in der Kategorie „Very Light Aircraft“ bis 750 Kilogramm auch Käufer finden.

Auf die Frage, warum er noch nie mit einem Drachen geflogen ist, wo doch Ruhpolding die besten Voraussetzungen bietet, meinte Schuhbeck, das sei ihm viel zu gefährlich. „Ich habe jahrelang beim BRK Wochenenddienst geschoben und miterlebt, wie oft wir zur Bergung ausrücken haben müssen.“ Da fühle er sich im Flugzeug mit einer beruhigenden Gleitzahl von 1:18 bedeutend sicherer.

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben – sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt.

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