Anstellung

Abseits der Praxis (13): der Musikproduzent

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben, sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt. Wir erzählen von Industrieberufen, künstlerischer Selbstfindung, humanitären Einsätzen, Aussteigern, Politikerkarrieren und Jobs in Industrie, Forschung und Verwaltung. Einige unserer Protagonisten haben sich sehr weit vom Ursprungsberuf entfernt, andere haben nur wenig verändert, um ein wenig Abwechslung in ihren Praxisalltag zu bringen. Fest steht so oder so: Auch "Abseits der Praxis" warten viele spannende Aufgaben.

Stone Diamond

Dr. Cyrus Alamouti hat seine Praxis im Kölner Mediapark. Der Deutsche mit polnischen und iranischen Wurzeln hat eine Leidenschaft: die Musik. Jede freie Minute verbringt er mit seiner Band.

Sein Vater ist Perser, seine Mutter stammt aus dem polnischen Breslau. Lange schon leben die Eltern in Remscheid im Bergischen Land. Jetzt aber befinden wir uns im Herzen von Köln in einer großzügig geschnittenen ebenerdigen Loftwohnung. Früher war in den Räumen eine Druckerei untergebracht. Jetzt wohnt hier das Ehepaar Alamoutis mit seinen zwei kleinen Söhnen.

Das Musikstudio in den eigenen vier Wänden

Wenn man das große Wohnzimmer mit den Backsteinwänden und den großen Glasfenstern durchschritten hat und über Steinbohlen - vorbei an einem im Wind tanzenden Bambus - den Rasen im kleinen Innenhof überquert, gelangt man in den hinteren Bereich des Lofts. Links liegt das Kinderzimmer, in der Mitte der Entspannungs-Meditations- und Fitnessbereich und rechts: das Musikstudio.

Die Musik begleitet Cyrus Alamouti schon seit seiner Kindheit. Als er sechs Jahre alt war, brachte ihm sein Onkel in Breslau das Gitarrespielen bei - in Polen sehr populär. Später in Remscheid erhielt er dann bei einem ausgezeichneten Lehrer Gitarrenunterricht. Der animierte ihn auch, Bass zu spielen: „Wenn Du Bass spielst, hast Du in kurzer Zeit drei, vier Bands." Alamouti brachte sich daraufhin aus Polen für damals 40 Mark eine Bassgitarre mit.

Mit zwölf die erste Band

Und tatsächlich: Mit zwölf Jahren spielte Alamouti in seiner ersten Band. Das war der Beginn einer Leidenschaft, die bis heute anhält. Von dreizehn bis 20 hat er, sagt er, von morgens bis abends nichts anderes gemacht. Jimi Hendrix, Prince und The Doors hießen seine Idole. Bis heute verbringt der Zahnarzt jede freie Sekunde mit der Musikproduktion und bei den Proben.

Den Eltern gefiel das nicht. Er sollte doch etwas „Richtiges“ lernen. Seine Mutter, selbst Zahnärztin, empfahl ihm dann zum Studium. Zahnmedizin und Musik seien eine gute Kombination. Man habe Zeit für beides. Und sie fand auch, dass ihr Sohn so filigrane Finger habe - wie gemacht für einen Zahnmediziner.

Alamouti hielt sich an ihren Rat. Auch während des Studiums in Frankfurt machte er weiter Musik mit der Gruppe "Detached", komponierte und produzierte für internationale Künstler.Viele seiner Bandkollegen von damals sind heute im Profi-Business, zum Beispiel in der Fernsehband von Stefan Raab.

Plattencover: Das erste Album von Dr. Cyrus Alamoutis (Mitte) Band "Stone Diamond" trägt den Titel "We stole the stars from the black night". | Stone Diamond

On stage: Etwa 20 Auftritte gibt "Stone Diamond" im Jahr in Clubs vor 300 Gästen. | Stone Diamond

Im Studio: Gemixt und gemastert wurde das erste Album in Los Angeles, Colubums und New York.

An den Drums war der Schlagzeuger von Michael Jackson

Mittlerweile hat er eine neue Band mit alten Freunden gegründet. "Stone Diamond". Der Bandname sollte international klingen. Alamouti schrieb und produzierte das erste Album, das auf seinem eigenen Label Davin Enterprise im November 2013 erschienen ist.

Bei einem der elf Songs auf der Platte mit dem Titel "We stole the stars from the black night" soll sogar der ehemalige Schlagzeuger Ricky Lawson von Michael Jackson beteiligt gewesen sein. Beide leben nicht mehr. Alamouti hat nun die letzte Aufnahme mit dem prominenten Drummer.

Gemixt und gemastert wurde das Album in Los Angeles, Columbus und New York. Die Amerikaner hätten einen anderen Zugang zur Rockmusik, sagt Alamouti. Der Sound sei ein besserer. Und die Menschen stürzten sich dort immer mit voller Inbrunst auf die Werke. Das vermisst Alamouti in Deutschland. Hier sei das oft "nur" Kunst. Was ihm fehlt, sei der natürliche Respekt für den Künstler.

100 Prozent Leidenschaft

Seine eigenen Songs bezeichnet er als "einfach". Sein Genre als „Rock/Pop“. Er sei nicht der Typ, der sich ewig den Kopf für einen tiefgründigen Songtext zermartere. Manche Lieder komponiert er schon in ein bis zwei Stunden. Doch nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht, alles passiere immer mit viel Lust und 100 Prozent Leidenschaft.

Beinah zu jedem Song auf dem ersten Album gibt es auch ein Musikvideo. Für die Produktion werden befreundete Profis und Freunde zusammengebracht. Aber auch im Urlaub in Dubai oder in den Alpen zückt Alamouti die Kamera und macht Aufnahmen.

Superman und der kosmische Diamant

Die Geschichten in den Videos drehen sich meist um einen kosmischen Diamanten. Er verspricht Stärke und Macht. Frauen, schnelle Autos und Heldentum dürfen dabei auch nicht fehlen. Eine Art poppige Superman-Hommage steht als Idee hinter der Musik.

Etwa 20 Konzerte pro Jahr spielt die Band in Clubs mit bis zu 300 Zuschauern. Richtig berühmt werden möchte er eigentlich nicht. Aber auf der Bühne zu stehen, dass ist Alamouti schon wichtig. Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat "Stone Diamond" bereits erreicht. Die britische Zeitschrift "Classic Rock" bezeichnet sie in einem Bericht als "Mysterious German/US act". Auch in den USA bekomme die Band super Rezensionen und sei nicht völlig unbekannt.

Inspirierende Badkritik

Wenn Alamouti an einem normalen Tag gegen 18 Uhr aus der Praxis nach Hause kommt und seine Söhne ins Bett gebracht hat, geht er noch für ein zwei Stunden zwei Türen weiter in sein Musikstudio. Und manchmal, wenn er besonders ungeduldig ist, greift er sich schon eine Gitarre, während sich die Jungen noch neben ihm noch die Zähne putzen. Dann improvisiert er im Badezimmer und erhält dafür prompt ein Feedback. Die Badkritik nimmt Alamouti mit. Auch sie inspiriert ihn manchmal zu neuen Stücken.

Auch für die Zukunft hat Cyrus Alamouti schon konkrete Pläne. Ein zweites Album soll entstehen und ein Dental-Lounge-Sampler in Form einer akustischen Chill-Out-Platte jenseits von Café del Mar sein. Von einem Zahnarzt für Zahnärzte. Der Kölner sucht für dieses Projekt noch ein Dentaldepot, das als Partner in die Produktion mit einsteigen möchte.


In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben – sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt.

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